Stellenabbau kostet Siemens hohen dreistelligen Millionenbetrag

München - Der geplante Abbau von 5250 Arbeitsplätzen in Deutschland kostet den Elektrokonzern Siemens einen hohen dreistelligen Millionenbetrag. Die Rückstellungen - unter anderem für Abfindungen - dafür sollten noch im laufenden Geschäftsjahr 2007/08 (30. September) verbucht werden, sagte Siemens-Personalvorstand Siegfried Russwurm der Zeitung "Die Welt" (Mittwoch).

In der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Mittwoch) war unter Berufung auf das Unternehmensumfeld von Belastungen in einer Größenordnung von 800 Millionen Euro die Rede. Diese ergäben sich unter anderem aus Abfindungen für ausscheidende Mitarbeiter. Die tatsächliche Höhe der Kosten hänge dabei maßgeblich davon ab, in welchem Umfang die betroffenen Beschäftigten Abfindungen in Anspruch nähmen. Ein Siemens-Sprecher wollte sich dazu am Mittwoch nicht äußern.

Russwurm erklärte in dem Interview, die Einspareffekte aus den Stellenkürzungen würden bereits zum 1. Oktober 2009 wirksam. "Unser klares Ziel ist es, im Geschäftsjahr 2009/2010 die Kosteneinsparungen in der Gewinn- und Verlustrechnung zeigen zu können." Zugleich lobte der Personalvorstand noch einmal die schnelle Einigung mit den Betriebsräten, die am Vortag dem Interessenausgleich und Sozialplan zugestimmt und damit grünes Licht für den Stellenabbau gegeben hatten. "Zwei Monate für die Umsetzung des Interessenausgleichs ist eine ordentliche Leistung aller Beteiligten und für Pläne in einem solchen Umfang eine Rekordzeit", sagte Russwurm. Das Unternehmen werde die betroffenen Beschäftigten nun schnell informieren. "Wir gehen in den nächsten Tagen und Wochen mit konkreten Vorschlägen auf einzelne Mitarbeiter zu."

Weitere Stellenabbauprogramme seien nicht geplant, sagte Russwurm der Zeitung. "Wir haben früher als viele andere Unternehmen angefangen, uns auf schwieriges Wetter einzustellen. Jetzt sind wir gut aufgestellt."

Mit dem Interessenausgleich und Sozialplan soll der Arbeitsplatzabbau abgefedert werden. Das Paket umfasst unter anderem interne Versetzungen, vorzeitige Pensionierungen, Altersteilzeit sowie Aufhebungsverträge und den Wechsel in eine Transfergesellschaft, die Qualifizierungsmöglichkeiten bietet. Zur Höhe der angebotenen Abfindungen erklärte Russwurm: "Als Eckwert kann man sagen, dass jemand, der ausscheidet für jedes Jahr der Betriebszugehörigkeit ein Monatsgehalt erhält. Für langgediente Siemensianer käme eine erkleckliche Summe zusammen."

Der Elektrokonzern will seine Kosten in Vertrieb und Verwaltung um 1,2 Milliarden Euro senken und hatte den Abbau von weltweit 16 750 Arbeitsplätzen angekündigt, davon 5250 in Deutschland. In Vertrieb und Verwaltung sollen nach den Ankündigungen bis 2010 rund 12 600 Arbeitsplätze wegfallen. Die übrigen 4150 der insgesamt 16 750 betroffenen Stellen will der Elektrokonzern im Zuge des Umbaus von Geschäftsbereichen streichen.

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