Stellenabbau bei Mercedes trifft Sindelfingen am schlimmsten

- Stuttgart - Mercedes-Chef Dieter Zetsche will mit Hilfe des drastischen Stellenabbaus in Deutschland den Autobauer wieder fit für die Zukunft machen. Zetsche sagte auf einer Betriebsversammlung in Sindelfingen, er setze auf profitables Wachstum. Die Marktsituation sei aber angespannt. Er räumte ein, er habe sich einen anderen Start gewünscht. Der 52-Jährige ist seit 1. September Mercedes-Chef. Am härtesten betroffen von dem geplanten Abbau von 8500 Stellen deutschlandweit ist das größte inländische Mercedes-Werk in Sindelfingen.

Wie Gesamtbetriebsratschef Erich Klemm sagte, sollen dort insgesamt 3600 Stellen wegfallen - 3100 Jobs in der Produktion und 500 Arbeitsplätze im Entwicklungsbereich sowie in der Planung. In Sindelfingen sind 31 000 Mitarbeiter in der Autoproduktion beschäftigt. Im Werk Stuttgart-Untertürkheim sollen 1100 Mitarbeiter ihren Job verlieren. Dort werden Motoren und Getriebe gefertigt. Auch andere Werke seien betroffen (siehe Kasten). Klemm betonte, der vor einem Jahr ausgehandelte Beschäftigungspakt, der bis zum Jahr 2012 betriebsbedingte Kündigungen ausschließe, halte.

Die Atmosphäre bei der Betriebsversammlung bezeichnete Klemm als ruhig und sachlich. Klemm begründete den Abbau mit den veränderten Rahmenbedingungen für Mercedes. Die Stückzahlen seien über alle Baureihen hinweg niedriger als geplant. Das Unternehmen habe extrem anspruchsvolle Ziele formuliert. "Wir haben jetzt ein paar Monate Zeit, mit der Belegschaft zu sprechen."

Klemm wollte sich nicht konkret dazu äußern, was passiert, wenn die Stellenstreichungen bei der Marke mit dem Stern nicht ausreichen. Es gebe weitere Möglichkeiten, die Kapazitäten anzupassen. Als Beispiel nannte er eine Verkürzung der Arbeitszeit. Dies sei aber noch kein Thema. Die Gespräche über die freiwilligen Ausscheidungsvereinbarungen sollen bis Ende dieses Jahres geführt werden. Die Verhandlungen über Frühpensionierungen sollen Anfang kommenden Jahres beginnen.

Beim Abbau der 8500 Stellen gilt das Prinzip der "doppelten Freiwilligkeit". Das bedeutet, dass weder ein Mitarbeiter zum Gehen gezwungen werden darf, noch hat ein Mitarbeiter Anspruch darauf, mit der Abfindung das Unternehmen zu verlassen. Damit kann sich Mercedes davor schützen, dass Mitarbeiter mit hohen Fachkenntnissen die Abfindung nehmen und gehen. Der Personalabbau kostet den deutsch-amerikanischen Konzern 950 Millionen Euro. Langfristig will man durch den Abbau aber 500 Millionen Euro pro Jahr einsparen.

Als einen "schwarzen Tag für die Marke Mercedes" bezeichnete die Gruppierung Kritische Aktionäre Daimler-Chrysler (KADC) den Stellenabbau. Die Mitarbeiter müssten nun das langjährige Missmanagement der Konzernspitze ausbaden, das "Milliarden in Chrysler, Mitsubishi und in den Dinosaurier Maybach versenkt und gleichzeitig die Einführung des Rußpartikelfilters und des Hybridantriebs verschlafen hat", rügte KADC-Sprecher Paul Russman. Ein schlechterer Einstieg von Dieter Zetsche als "neuer Kapitän auf dem Flaggschiff Mercedes" sei kaum denkbar, hieß es.

Zetsche übernimmt zum 1. Januar auch den Vorstandsposten bei Daimler-Chrysler von Jürgen Schrempp. Schrempp hatte im Sommer seinen Rückzug zum Ende des Jahres angekündigt.

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