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Lautlos durch die Stadt - die Fahrzeuge der Mini-E-Flotte von BMW fahren elektrisch.

Nagelprobe für den Stadt-Stromer

BMW stellt neuen Elektro-Mini vor

Los Angeles -­ Der Fahrer des monströsen knallroten Pick-Up-Trucks an der Ampel wirkt etwas irritiert. Mit einer Mischung aus Neugierde und Mitleid blickt er auf das kleine Wägelchen zu seiner Linken herunter und fragt durch das geöffnete Fenster, was das sein soll.

Auf die Auskunft hin, es handele sich um ein neues, reines Elektroauto, hellen sich seine Gesichtszüge auf. Der Daumen geht nach oben und mit einem "cool" auf den Lippen tritt er aufs Gas und fährt davon. Der neue "Mini E", den BMW in diesen Tagen auf der Los Angeles Auto Show der Öffentlichkeit präsentiert, fände locker auf der Ladefläche seines Ungetüms Platz.

Die Begegnung auf dem Santa Monica Boulevard in Beverly Hills hat durchaus Symbolcharakter für die Entwicklung in den USA in den vergangenen Monaten. Öko liegt voll im Trend, zumindest in Kalifornien. Die altbekannten Trucks und schweren Limousinen dominieren zwar nach wie vor das Straßenbild, immer öfter finden sich dazwischen aber Hybridautos wie der Prius von Toyota oder der Civic von Honda. "Fuel Efficiency", Sparsamkeit beim Spritverbrauch, heißt das neue Zauberwort. Vor einigen Jahren noch müde belächelt, entsprechen genügsame Fahrzeuge mittlerweile dem Zeitgeist. Die Klimadebatte und nicht zuletzt die für Amerikaner schmerzhaft hohen Spritpreise der letzten Zeit haben für ein Umdenken gesorgt.

Nicht umsonst hat sich der Münchner Autobauer also die Riesenstadt an der Pazifikküste für die Vorstellung seines Elektro-Fahrzeugs ausgesucht. Zum einen sind die USA schlicht der größte Markt für BMW. Trotz Absatzkrise wurden bis Ende Oktober 261 000 Fahrzeuge dort verkauft, immerhin ein Sechstel des gesamten Absatzes. Außerdem gilt Kalifornien als der strengste Bundesstaat der USA, was Emissionsvorschriften angeht. Und nicht zuletzt ist der Großraum Los Angeles mit seinen geschätzten 18 Millionen Einwohnern ein ideales Testgelände für künftige Stadtfahrzeuge mit begrenzter Reichweite.

"Das ist ein Lernprojekt für uns", sagt deshalb auch BMW-Strategievorstand Friedrich Eichiner bei der Vorstellung des neuen Wagens. Von Anfang nächsten Jahres an gehen 500 Elektro-Minis an ausgewählte Kunden in Los Angeles und auch New York. Sie sollen das Auto unter Alltagsbedingungen ein Jahr lang testen. Von den Ergebnissen erhoffen sich die Entwickler bei BMW vor allem Erkenntnisse über die Lebensdauer des Akkus, über Ladezeiten, Stromverbrauch, Reaktion auf Hitze, Kälte und vieles mehr. Mit dem Akku nämlich steht und fällt der Erfolg des Projekts Elektroauto.

Leistungsfähige Elektromotoren sind problemlos verfügbar, mit entsprechenden Stromspeichern sieht es allerdings anders aus.

Fast alle Autohersteller basteln derzeit fieberhaft an der Übertragung der aus Laptops und Handys bekannten Lithium-Ionen-Batterien aufs Auto. Bislang haben nur wenige Hersteller reine Elektroautos im Angebot, darunter das kleine US-Unternehmen Tesla. Den Tesla Roadster treiben knapp 7000 zusammengeschaltete Laptop-Akkus an. Daimler lässt seit einiger Zeit batteriegetriebene Smarts durch die Straßen Londons rollen, Berlin soll 2010 folgen. Volkswagen plant für 2010 einen Serien-Stromer. Die Entwickler kämpfen vor allem mit drei Problemen: Sicherheit, Kosten und Lebensdauer der Akkus.

Im Falle des Mini E sind mehr als 5000 Lithium-Ionen-Zellen zusammengeschaltet. Die liefern immerhin 35 Kilowattstunden Leistung, was für eine Reichweite von 200 bis 250 Kilometern reichen soll, versichert BMW. Die Beschleunigung des kleinen Flitzers ist beachtlich und kann auch mit einem gut motorisierten Benziner mithalten. Das Platzangebot allerdings ist noch ausbaufähig. Kofferraum und Rückbank mussten im Mini E der Batterie weichen. Doch Eichiner ficht das nicht an. Zunächst gehe es darum, Erfahrungen zu sammeln, sagt er. Die sollen dann in das neue sogenannte Megacity-Auto einfließen, dass BMW bis 2015 dann auch in größeren Stückzahlen auf den Markt werfen will. Auch ein Elektro-BMW sei irgendwann zumindest vorstellbar. "Beim Zweisitzer wird es jedenfalls nicht bleiben."

Von Michael Friedrich, dpa

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