VW stellt sich hinter MAN: Scania notfalls auch feindlich übernehmen

- München - Im Ringen um eine Übernahme des schwedischen Lkw-Bauers Scania durch MAN hat sich der Volkswagenkonzern demonstrativ auf die Seite von MAN gestellt. VW strebe eine einvernehmliche Lösung zur Fusion an, teilten die Wolfsburger nach einer Sitzung des Aufsichtsrats mit. Erforderlichenfalls sei man "anderen Wegen gegenüber offen" und behalte sich "alle alternativen Möglichkeiten" vor.

Branchenkenner werten das als Bekenntnis zu einer notfalls feindlichen Übernahme von Scania. MAN gibt sich indessen zuversichtlich, sich mit den Schweden und deren Großaktionär Investor noch zu einigen. "Die Gespräche laufen, es gibt noch eine Chance", sagte ein MAN-Sprecher und gab als Ziel eine gütliche Einigung vor.

Den Begriff feindliche Übernahme wollte er nicht in den Mund nehmen, obwohl einige Experten den mittlerweile als wahrscheinlichen nächsten Schritt ansehen. Es wird allgemein nicht damit gerechnet, dass MAN auf Basis des offiziell vorgelegten Angebots an die Scania- Aktionäre, das den schwedischen Konzern mit 10,3 Milliarden Euro bewertet, wie angestrebt 90 Prozent der Anteile aufkaufen kann.

Aus Verhandlungskreisen ist zu hören, dass MAN zwei Möglichkeiten hat, die hinter Investor stehende Wallenberg-Familie auf die eigene Seite zu ziehen. Einmal wäre das eine finanzielle Aufstockung des Angebots. "So etwas geschieht üblicherweise kurz vor Ende der Angebotsfrist". Diese läuft am elften Dezember aus. Die zweite Variante gilt dem Fall, dass die Wallenberg-Familie nicht nur um den Preis pokert, sondern sich auch Mitspracherechte sichern will, um neben VW zum zweiten Großaktionär eines aus MAN und Scania fusionierten Lkw-Riesen zu werden. Für diesen Fall sei es möglich, dass die Wallenbergs ihr Fünftel der Stimmrechte an Scania in. MAN-Aktien tauschen, heißt es.

Um den Anteil an MAN weiter zu erhöhen, sei es zusätzlich denkbar, dass Wallenberg die über die Investmentfirma EQT gehaltenen Anteile am Friedrichshafener Dieselmotorenbauer MTU in MAN einbringt. Die Münchner hatten sich selbst um die MTU bemüht, gegen EQT aber den Kürzeren gezogen. Eine Verschmelzung der MTU mit den Dieselmotorenaktivitäten von MAN würde nach Einschätzung von Experten für das Dieselmotorengeschäft großen Sinn machen. Zugleich könnte ein solcher Schritt den Weg für die Fusion von MAN und Scania ebnen.

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