Trotz der Krise beschäftigt MAN weltweit 55 480 feste Mitarbeiter (hier im Werk München) – 622 weniger als Mitte 2013. Leiharbeit wurde deutlich zurückgefahren.

MAN stellt sich hinter Russland-Sanktionen

München - MAN leidet an den einstigen Wachstumsmärkten. Indien und Brasilien schwächeln anhaltend, und auch die Krise in Russland bekommt die Münchner VW-Tochter zu spüren.

Klare Worte eines Unternehmenslenkers: MAN-Chef Georg Pachta-Reyhofen stellte sich gestern klar hinter die Sanktionen gegen Russland. Man könne nicht einfach wegsehen, sagte er bei der Vorlage der Halbjahreszahlen. „Ich halte es für richtig, dass man auch unter Inkaufnahme von eigenen Nachteilen Sanktionen beschließt“, sagte er. „Sanktionen sind nie gut, aber auch Konflikte sind nie gut“.

Bisher ist für den Nutzfahrzeug- und Maschinenbauer unklar, ob er von den Sanktionen betroffen ist. „Wir werden uns die Embargo-Vorschriften ansehen“, kündigte Hans-Otto Jeske an , der die MAN-Maschinenbausparte „Power Engineering“ führt.

Auch ohne Sanktionen laufen die Russland-Geschäfte von MAN mit einem Minus von 25 Prozent auf Sparflamme. Man spüre dort eine deutlich abnehmende Tendenz zu Investitionen“, so Pachta-Reyhofen. Da MAN vor allem Investitionsgüter liefere, sei dies ein Indikator für die Konjunkturentwicklung. Zwar trage das Russland-Geschäft weniger als fünf Prozent zum MAN-Umsatz bei, sei aber ein wichtiger Markt. Kein anderer westlicher Nutzfahrzeughersteller ist dort stärker vertreten als MAN mit seinem Montagewerk in Sankt Petersburg.

Ein anderer Konjunkturindikator hat MAN in diesem Jahr enttäuscht: In Brasilien hoffte man auf einen Schub durch die Fußball-Weltmeisterschaft. Der ist aber ausgeblieben. „Mit einem solchem Rückgang haben wir nicht gerechnet“, sagte Pachta Reyhofen. In Brasilien verkauft MAN nicht nur Fahrzeuge der eignene Marke, sondern hat auch die Verantwortung für Trucks und Busse der Marke VW, die es nur in Südamerika gibt und die dort Marktführer sind. In der Vergangenheit haben gute Geschäfte in Brasilien MAN mehrmals die Bilanz gerettet.

Auch eine dritte Weltregion macht MAN keine Freude: Indien sei im dritten Jahr in Folge rückläufig, sagte Finanzchef Peter Park. Schon vorher waren die Geschäfte dort hinter früheren Erwartungen zurückgeblieben.

Bleibt von den BRIC-Ländern (Brasilien Russland, Indien und China) nur noch das C. China ist immerhin der größte Markt für MAN-Power-Engineering. Riesige Schiffsmotoren, die direkt in den Werften in Lizenz gebaut werden, bringen chinesisches Geld nach München, aber auch Kraftwerksmotoren oder Turbomaschinenstränge zur Luftzerlegung, die Sauerstoff für die Kohleverflüssigung liefern. Mühsam sind dagegen im Reich der Mitte die LKW-Geschäfte. Von einer Million verkauften großen Lkw in China gehören gerade 10 000 bis 15 000 zum Premium-Segment, zu dem MAN gezählt wird. Tendenz aber steigend.

Der Auftragseingang bei MAN im ersten Halbjahr ging um zwei Prozent zurück auf 7,67 Milliarden Euro. Der Umsatz sank sogar im zwölf Prozent auf 6,70 Milliarden Euro. Immerhin war das operative Ergebnis mit 222 Millionen Euro wieder positiv. Vor allem Rückstellungen wegen eines misslungene Kraftwerkprojekts hatten MAN vor Jahresfrist tief in die roten Zahlen gedrückt. Erholungszeichnen in Spanien, Portugal und Irland machen MAN auch für den krisenbedingt schwächelnden Heimatmarkt wieder mehr Hoffnung.

Unterdessen könnten MAN-Motoren bald auch in die Dienste der Eisenbahn treten. MAN Diesel & Turbo will die derzeitige Lücke schließen, die im MAN-Angebot zwischen zweckentfremdeten Lkw-Motoren bis hin zu 1300 Kilowatt und den Großdieseln jenseits der 5000 Kilowatt klafft. Der neue 175D Motor mit 1500 bis 5000 Kilowatt soll unter anderem in Lokomotiven, großen Jachten, schnellen Fähren, Kraftwerken und auch gigantischen Baumaschinen zum Einsatz kommen. MAN greift damit den Motorenbauer MTU Friedrichshafen an, der bisher dieses Feld konkurrenzlos beackern konnte.

Von Martin Prem

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