Die Sterne der Luftfahrt verglühen am Himmel

- München - Ob es den Namen KLM in einigen Jahren noch geben wird, ist ungewiss. Wahrscheinlich ist es nicht. Noch hält es wohl kaum ein Niederländer für möglich, dass die älteste Fluggesellschaft der Welt durch die angekündigte Fusion mit der Air France formal oder namentlich nicht mehr existieren könnte. Doch vor fünf Jahren hätte es auch in der Schweiz niemand für denkbar gehalten, dass die Traditions-Airline Swissair Bankrott gehen würde. Airlines kommen und gehen - das ist seit den 80er Jahren typisch für Nordamerika. In den kommenden Jahren wird diese Entwicklung auch Europa erfassen.

<P>Der frühere Lufthansa-Vorstandsvorsitzende Jürgen Weber hatte dies schon in den 90er Jahren prophezeit. In Westeuropa werden mit hoher Wahrscheinlichkeit keine zehn eigenständigen Airlines übrig bleiben - bei beständig weiter steigenden Passagierzahlen.<BR>Swissair, Pan Am, Eastern, TWA - Spötter behaupten, in den vergangenen fünf Jahrzehnten hätten mehr Fluggesellschaften Pleite gemacht als heute weltweit existierten. Das stimmt aber schon deshalb nicht, weil aus der riesigen Erbmasse der mächtigen staatlichen Aeroflot, einst die mit Abstand größte Airline der Welt, nach dem Ende der Sowjetunion rund 400 kleine Fluggesellschaften entstanden. Etwa 300 davon existieren heute noch.</P><P>Tatsächlich haben vor allem Deregulation in den USA und der weltweit immer härtere Konkurrenzkampf im zivilen Luftverkehr in den vergangenen Jahrzehnten zum Ende vieler großer Airlines geführt. Der Bogen spannt sich von der Pan Am ("Pan Am macht den großen Flug"), die dem Luftverkehr mehr Impulse gegeben hat als jede andere Fluggesellschaft der Welt, über den ersten Billigflieger Laker, der in den 70er Jahren die etablierten Airlines herausforderte, bis zur kleinen "Hamburger Airlines", mit der ein erfolgreicher hanseatischer Kaufmann seiner Leidenschaft Flügel verleihen wollte.</P><P>Von den dutzenden US-Airlines, die in den vergangenen Jahrzehnten Insolvenz anmelden mussten oder von der Konkurrenz geschluckt wurden, waren Pan Am, TWA, Braniff und Eastern Airlines die herausragenden. Die 1927 von dem Luftfahrt-Pionier Juan T. Trippe gegründete Pan American World Airways starb in Raten und wurde Anfang der 90er Jahre im Alter von 65 Jahren beerdigt. Letztlich scheiterte Pan Am an ihrer Größe: Zwar hatte die Airline ein weltweites Netz, war aber auf dem inneramerikanischen Markt zu schwach. Und dort wurde wirklich Geld verdient.</P><P>Schon Anfang der 80er Jahre stellte die 1928 gegründete Braniff International aus Dallas erstmals ihren Betrieb ein. Braniff, jahrelang eine der größten amerikanischen Airlines, war das erste prominente Opfer des 1978 vom damaligen US-Präsidenten Jimmy Carter propagierten so genannten offenen Himmels. Genau genommen ging Braniff drei Mal pleite: 1982, 1989 und endgültig 1992. Am "Open Sky" ging auch die 1938 gegründete Eastern Airlines zu Grunde, die der einstige Astronaut Frank Borman nach desaströsen Jahren 1976 wieder in die Gewinnzone geführt hatte. Eastern bestellte 1978 als erste US-Gesellschaft europäische Airbusse und häufte damit einen Milliarden-Schuldenberg an, der das Unternehmen schließlich erdrückte.</P><P>Die 1930 gegründete Trans World Airways (TWA) starb Anfang dieses Jahrhunderts. Im Grunde war auch TWA, die fünftgrößte Airline der USA, ein spätes Opfer der Deregulation. Es ging ihr nicht besser als etwa Texas International, People Express, Piedmont Airlines oder Western Airlines, die zum Teil von der amerikanischen Konkurrenz übernommen wurden.</P><P>Einen ganz anderen Abschied nahm die chinesische CAAC (Civil Aviation Administration of China): Nach dem Vorbild der sowjetischen Aeroflot gegründet und für die gesamte Luftfahrt inklusive aller Bodeneinrichtungen zuständig, ist CAAC heute nur noch Aufsichtsbehörde und Dachorganisation in der Volksrepublik. An ihre Stelle sind große, wirtschaftlich starke Fluglinien getreten.<BR></P>

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