Steuer für Direktversicherung: Vor Juli mit dem Chef sprechen

- Arbeitnehmer, die vor 2005 eine Direktversicherung in Form einer Rentenversicherung über ihren Betrieb abgeschlossen haben, müssen sich bis 30. Juni entscheiden, welche Besteuerung künftig für ihre Altersvorsorge gelten soll. Auch wenn die Materie kompliziert klingt, sollten Betroffene nicht zögern, sich bei ihrem Chef zu melden und zu informieren, rät Elke Weidenbach von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen: "Im Zweifel immer nachfragen, sonst werden vielleicht Weichen für die Rente gestellt, die man gar nicht will."

<P>Ab Juli neue Regeln</P><P>Wer bis zum Monatsende keine Angaben macht oder die Frist versäumt, für den gelten ab Juli automatisch die neuen Regelungen des Alterseinkünftegesetzes, das zum 1. Januar dieses Jahres in Kraft trat. Dann muss die Rente versteuert werden, die Einzahlungen sind dafür steuerfrei. Wer die bisherige Pauschalbesteuerung von 20 Prozent behalten will, muss das seinem Arbeitgeber ausdrücklich mitteilen. Denn nur dann bleibt die spätere Rente steuerfrei, wenn sie auf einen Schlag ausgezahlt wird.<BR><BR>Altes Recht oft besser</P><P>In den meisten Fällen seien die Versicherten mit der alten Steuerregelung "besser bedient", betont Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten (BdV). Wer seine Steuerlast im Alter begrenzen wolle, solle die "alte" Regelung vorziehen. Vor allem für gut verdienende Angestellte kann die bisherige Pauschalsteuer vorteilhaft sein, weil sie so den hohen individuellen Steuersatz vermeiden können.<BR><BR>Nicht jeder betroffen</P><P>Nach Angaben des Gesamtverbands der deutschen Versicherungswirtschaft (GdV) gab es Ende 2004 über 5,9 Millionen Direktversicherungen. Sie werden gern in kleineren und mittleren Firmen zur betrieblichen Altersvorsorge der Mitarbeiter genutzt. Doch längst nicht alle Verträge, die vor dem Jahr 2005 abgeschlossen wurden, sind von der Umstellung auf die neue Besteuerung betroffen. Wer eine klassische Kapitallebensversicherung oder eine private Rentenversicherung habe, müsse nicht aktiv werden, betont der GdV-Sprecher Stephan Gelhausen. Für die anderen Verträge, speziell die Policen mit gewählter monatlicher Rentenzahlung, gelte: lieber beim Chef melden, da macht man nichts falsch.<BR><BR>Mit Datum und Stempel</P><P>Aber auch für Direktversicherungen mit eingeschränkter Vererbung ist eine Meldung an den Arbeitgeber notwendig, wie Weidenbach unterstreicht. Auf Nummer sicher geht der Beschäftigte auf jeden Fall, wenn er sich seine Steuerauswahl vom Betrieb mit Datum, Stempel und Unterschrift bestätigen lässt und das Papier bis zum Renteneintritt gut aufbewahrt. Werden in Policen außer Lebenspartnern oder Kindern auch andere Personen begünstigt, greift die automatische Umstellung dagegen nicht. Sie laufen weiter wie bisher.<BR>Viele Vorteile</P><P>"Das Ganze ist schon etwas kompliziert", räumt Gelhausen ein. Wichtig zu wissen: Mit der "alten" Pauschalbesteuerung verzichtet der Arbeitnehmer auf einen Teil seines Gehalts. Der Arbeitgeber zahlt diesen direkt als Prämie an den Versicherer. Vorteile für den Beschäftigten: Bei bis zu 1752 Euro im Jahr muss das umgewandelte Gehalt nur mit der 20-prozentigen Pauschalsteuer versteuert werden. Werden Sonderzahlungen wie Urlaubs- oder Weihnachtsgeld in die Prämien gesteckt, sparen Arbeitnehmer und -geber bis 2008 die Sozialabgaben dafür. Und noch ein Vorteil: Bei Abschluss der Direktversicherung vor 2005 ist eine spätere Einmalauszahlung möglich, und zwar steuerfrei. Bei der Auszahlung als Rente ist nur ein kleiner Teil zu versteuern, je nach Alter bei Rentenbeginn.<BR><BR>Prämien absetzen</P><P>Wer die neue Besteuerung ab Juli will, kann seine Prämien für die Direktversicherung dafür in größerem Umfang steuerlich absetzen. In diesem Jahr bis zu 4296 Euro. Vorteil der neuen Besteuerung: für das zur Beitragszahlung umgewandelte Gehalt müssen gar keine Steuern mehr entrichtet werden. Nachteil: die später ausgezahlte Rente kann nicht mehr steuerfrei kassiert werden. Der Fiskus schlägt voll mit dem dann geltenden Einkommenssteuersatz zu. Außerdem ist nur noch die Auszahlung in Form einer lebenslangen Rente möglich.<BR></P>

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