Vor allem für Pendler lohnt es sich, Freibeträge auf der Lohnsteuerkarte eintragen zu lassen. Doch auch andere Werbungskosten drücken die monatlichen Lasten. foto: marcus schlaf

Vor allem Pendler profitieren

So bekommen Sie mehr Netto!

München - Mehr Netto vom Brutto: Freibeträge machen's möglich. Für wen es sich lohnt, Antrag auf Lohnsteuerermäßigung zu stellen und was Sie dabei beachten müssen:

Nach einer zweijährigen Hängepartie soll die neue elektronische Steuerkarte im nächsten Jahr endlich an den Start gehen. Für Millionen Arbeitnehmer bedeutet das: Die bisherigen Freibeträge verlieren ihre Gültigkeit. Wer auch 2013 monatlich mehr Netto auf dem Konto haben will, muss sie bei seinem Finanzamt von sich aus neu beantragen, und zwar möglichst bis zum Jahresende. Der Antrag auf Lohnsteuerermäßigung, wie er im Amtsdeutsch heißt, macht kaum Mühe, zahlt sich für Millionen Beschäftigte aber aus. Je nach Verdienst und Steuersatz können monatlich einige hundert Euro mehr in der Tasche drin sein.

Freibeträge sind neu anzumelden

„Man schafft sich mithilfe der Freibeträge finanziell mehr Spielraum, Monat für Monat“, erklärt Erich Nöll vom Bundesverband der Lohnsteuerhilfevereine (BDL). Die Abzüge für Lohn- und Kirchensteuer sowie den Solidaritätszuschlag fallen dann geringer aus. Die vorgezogene Lohnsteuerermäßigung sei interessant für fast alle Arbeitnehmer, betont auch Isabel Klocke vom Bund der Steuerzahler.

Freibeträge neu anmelden lohnt sich vor allem für Pendler. Oder für Steuerzahler, die Kinderbetreuungs- oder Reisekosten haben, volljährige Kinder oder ein Minus aus der Vermietung. Dass mehr Netto vom Bruttolohn im Geldbeutel landet, kann auch für Arbeitnehmer wichtig sein, die bald Lohnersatzleistungen wie Elterngeld oder Arbeitslosengeld erwarten. Beides wird vom Nettoeinkommen berechnet.

Termin verpasst, Geld verschenkt

Trödeln ist nicht ratsam: Wer es verpasst, sich bis Silvester die Freibeträge zu sichern, dürfte im Januar deutlich weniger Nettogehalt rausbekommen, gibt Steuerexpertin Klocke zu bedenken. Verloren ist zwar nichts. Zu viel gezahlte Steuern können über die Einkommensteuererklärung für das Jahr 2013 wieder zurückgeholt werden. Aber das Geld gibt es mit deutlicher Verzögerung, erst etwa anderthalb Jahre später, wie Klocke betont.

„Der Bürger bekommt unterm Strich nicht mehr Geld heraus, verzichtet mit der späten Rückerstattung allerdings auf Verzinsung“, erläutert Nöll. Trotzdem machten sich längst nicht alle Steuerzahler die Mühe, abzugsfähige Posten von Anfang an eintragen zu lassen – zur Freude des Fiskus, der seinerseits die Zinsen millionenfach mitnehmen kann. Eine Ausnahme gibt es: Behinderte Menschen und Hinterbliebene müssen ihre Freibeträge nicht noch einmal neu beantragen. Sie gelten automatisch weiter.

Für alle anderen Beschäftigten gilt: Wer 2013 monatlich flüssiger sein will, sollte zuerst grob rechnen. Die Werbungskosten, Sonderausgaben oder außergewöhnlichen Belastungen müssen insgesamt mindestens 600 Euro betragen. Von den Werbungskosten wird nur der Teil berücksichtigt, der den Pauschbetrag von 1000 Euro übersteigt. Wer sich allein über Werbungskosten einen Eintrag sichern will, muss über die Grenze von 1600 Euro kommen. Diesen Betrag erreichten viele Pendler schon ab 30 Kilometer Fahrtweg zwischen Wohnung und Arbeitsstätte, betont Nöll.

Auch Fortbildung und Haushalt zählen

Zu den Werbungskosten zählen nicht nur die Fahrtkosten, sondern alles, was mit dem Beruf zusammenhängt. Also Ausgaben für Arbeitsmittel wie Computer, Fachliteratur, die Fortbildung, doppelte Haushaltsführung, Gewerkschaftsbeiträge, Reisekosten bei Auswärtstätigkeiten oder eine jobbedingte Betreuung für Kinder unter 14 Jahren.

Formulare beim Finanzamt

Die Formulare für den Antrag auf Lohnsteuerermäßigung gibt es seit Anfang Oktober entweder bei den Service-Centern der Finanzämter. Oder im Internet unter www.formulare-bfinv.de.

Auch für 2012 können rückwirkend noch Freibeträge angemeldet werden. Einträge sind allerdings nur noch bis 30. November dieses Jahres beim Finanzamt möglich. Durch den Schachzug kann unter Umständen ein Großteil des Arbeitslohns für November und Dezember steuerfrei bleiben, sagt Nöll. Zusatzplus: Auch vom Weihnachtsgeld dürfte deutlich mehr übrigbleiben.

Berrit Gräber

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