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Die Zeit läuft: Für viele Zertifikate-Besitzer kann ein kurzfristiger Verkauf lohnen.

Steuer-Stichtag für Zertifikate

Wer Zertifikate besitzt, sollte unbedingt einen schnellen Blick in sein Depot werfen. Der morgige 30. Juni kann ein wichtiger Stichtag für deren Besteuerung sein.

Nur bis zum 30. Juni dürfen Anleger einen Großteil der Zertifikate, die sie nach dem 14. März 2007 gekauft haben, noch abgeltungssteuerfrei veräußern. Höchste Eisenbahn ist es aber lediglich für Papiere, die Gewinn gebracht haben. Bei Verlusten sollte der Stichtag gezielt verbummelt werden. Beim Verkauf nach dem 1. Juli kann das Minus beispielsweise mit Zinseinkünften verrechnet werden.

Auch wenn die Materie etwas verwirrend und die Zeit knapp ist, rät Ulrich Hocker , Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), zum Depotcheck kurz vor dem Stichtag. „Es dürfte sich lohnen“, sagt auch Lothar Gries von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK).

Ungezählte Privatanleger hatten sich vor allem in der ersten Hälfte 2008 noch Zertifikate zugelegt, um dem Finanzamt ein Schnippchen zu schlagen und die 25-prozentige Abgeltungssteuer zu umschiffen, die am 1. 1. 2009 eingeführt wurde.

Wer noch vor dem 15. März 2007 ein Zertifikat gekauft hatte und es jetzt noch hält, muss sich um Steuer und Fristen gar keine Gedanken machen. Für all die, die nach diesem Stichtag investiert haben, gilt folgendes: Nachschauen, welches Produkt im Depot liegt. Bei Garantiezertifikaten, die eine Rückzahlung oder bestimmte Erträge zusichern, braucht der Anleger nicht aktiv werden. Gewinne daraus waren schon immer steuerpflichtig.

Anders sieht es bei den sogenannten Vollrisikopapieren aus, die Verluste bringen können. Dazu zählt der weitaus überwiegende Teil der vielen zehntausend Produkte auf dem Markt wie Index-, Bonus-, Discount- oder Express-Zertifikate. Für sie wurde im Zuge der Abgeltungssteuer eine Schonfrist bis 30. Juni eingeführt. Wer ein solches Zertifikat also nach dem 15. März 2007 erworben hat und schon seit mindestens einem Jahr hält, kann einen Gewinn nur noch bis Ende des Monats ohne Abstriche kassieren. Danach greift die Abgeltungssteuer. Wichtig: Die Transaktion muss am 30. Juni abgeschlossen und der Ertrag dem Anleger zugeflossen sein, damit die Regelung greifen kann, wie der Bund der Steuerzahler betont. Wer seine Order erst am letzten Tag abgibt, kommt zu spät.

Weil ein Verkauf aber nur interessant ist, wenn die Papiere Gewinne abgeworfen haben, dürften die meisten Zertifikate-Besitzer ohnehin nur müde abwinken. Ein Großteil von ihnen sitzt mit ihren Papieren in diesen Tagen im Minus. „Verluste brauchen aber nicht zu schrecken“, betont Gries. In diesem Fall sei eher Abwarten statt Beeilen angesagt.

Wer Verlustbringer erst nach dem 1. Juli verkauft, muss die Miesen nicht mehr wie bisher komplett in den Wind schießen. Anleger dürfen sie aufgrund neuer Steuerregeln jetzt nutzen: Das realisierte Minus kann künftig nämlich mit Zinseinnahmen, Dividenden und späteren Kursgewinnen verrechnet werden. Der Vortrag solcher Verluste ist bis zum Jahr 2013 möglich.

Wer ein Garantiezertifikat im Depot hat, muss sich um Steuerfristen keinerlei Gedanken machen. Solche Produkte sind vom Fiskus als „Finanzinnovation“ eingestuft. Steuerfreie Gewinne waren in diesem Bereich schon vor 2009 nicht drin. Seit Jahresbeginn unterliegen die Papiere der Abgeltungssteuer.

Von Berrit Gräber

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