Steuer trübt die Kauflaune: Forscher dennoch zuversichtlich

- Nürnberg - Die höhere Mehrwertsteuer hat die Stimmung der Verbraucher im Februar deutlich eingetrübt. Der Konsumklima-Index der Marktforschungsgesellschaft GfK sackte von 8,5 Punkten im Vormonat auf 4,9 Punkte ab. Für März sagten die Konsumforscher eine weitere Abnahme auf 4,4 Punkte voraus. Grund sei die deutlich spürbare Kaufzurückhaltung seit Jahresbeginn. "Einige Verbraucher haben sicher ihr Pulver vor Weihnachten verschossen", erklärt GfK-Autor Rolf Bürkl. Angesichts der guten Konjunkturlage rechnen die Nürnberger Marktforscher allerdings nur mit einer vorübergehenden Schwächephase.

Viele Verbraucher hätten größere Anschaffungen noch vor der Mehrwertsteuer getätigt und ihre Mittel ausgeschöpft. Der Teilindex für die Anschaffungsneigung brach im Februar im Vergleich zum Vormonat um knapp elf Punkte auf minus 16 Punkte ein und fiel damit 27 Punkte unter den entsprechenden Vorjahreswert. Damit erreichte der Indikator den schlechtesten Wert seit Juni 2005 mit damals minus 25,8 Punkten. Er liegt aber noch weit entfernt vom Allzeittief, das nach der Einführung des Euro im April 2002 mit minus 54 Punkten gemessen wurde.

Da jedoch ein messbarer großer Preisschock nach der Mehrwertsteuer-Erhöhung bislang ausgeblieben sei, könne auch die Verunsicherung der Verbraucher mit der Zeit nachlassen, erklärte GfK-Experte Bürkl weiter. "Dies hätte zur Folge, dass die Anschaffungsneigung bald wieder Anschluss an die allgemein günstige Konjunktur- und Einkommenserwartung finden würde." Es bestehe die Chance, dass das gegenwärtige Tief bereits bis zum Sommer überwunden werden könne.

Denn auch die Verbraucher zeigen sich hinsichtlich der wirtschaftlichen Entwicklung zuversichtlich: Der Index der Konjunkturerwartung kletterte im Vergleich zum Vormonat um 15,8 auf 53,3 Punkte und erreichte damit den höchsten Wert seit August 2000. "Diese euphorische Konjunkturstimmung dürfte im Wesentlichen auf die überaus positiven Meldungen vom Arbeitsmarkt zurückzuführen sein", erklärte Konsumforscher Bürkl. Schließlich sei die Zahl der Arbeitslosen knapp 800\x0f000 niedriger als im Vorjahr. Zudem hätten Konjunkturforscher ihre Wachstumsprognosen für das laufende Jahr nach oben korrigiert.

Der Optimismus der Verbraucher schlägt sich der Konsumklimastudie zufolge auch in den Einkommensaussichten nieder. Die Verbraucher äußerten wegen der kräftigen Konjunktur die Hoffnung auf höhere Löhne und Gehälter. So legte der Teilindikator für die Einkommensentwicklung nach seinem kräftigen Plus von 11 Punkten im Januar um weitere 8 Punkte auf jetzt 2,9 Punkte zu. Damit liegt er wieder leicht über seinem langjährigen Durchschnitt und knapp unter dem Vorjahreswert von 3,2 Punkten.

GfK-Experte Bürkl erklärte, das derzeitige Konsumklima stehe trotz der Anschaffungszurückhaltung noch immer für einen Zuwachs des realen privaten Verbrauchs von knapp einem halben Prozent. Er zeigte sich zudem optimistisch, dass die Verbraucherstimmung sich bereits im zweiten Quartal wieder erholen wird. Bürkl verwies darauf, dass die Auswirkungen der Mehrwertsteuererhöhung auf die Inflationsrate "weitaus geringer waren als zunächst befürchtet". Sollte diese Erkenntnis auch von den Verbrauchern bestätigt werden, "dürfte die Schwächephase des Konsumklimas relativ zügig überwunden werden".

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