+
Nach dem Kauf der Steuersünder-CD stieg die Zahl der Selbstanzeigen von Steuerhinterziehern.

Steuerbetrug: Union will Straffreiheit erschweren

Berlin - Immer mehr Steuersünder zeigen sich selbst an - wegen Aussicht auf Straffreiheit. Die Union will die Hürden für die Selbstanzeige erhöhen. Schließlich fehle bei den meisten die "ehrliche Reue".

Lesen Sie auch:

Steuersünder-CD: 1100 Verfahren eingeleitet

Steuersünder-CD: Angeblich erste Durchsuchungen

Nach den massenhaften Selbstanzeigen deutscher Steuerbetrüger will die Union Konsequenzen ziehen. CDU/CSU streben höhere Hürden für eine Strafbefreiung von Steuerhinterziehern an, die sich selbst anzeigen. Eine Abschaffung dieser Ausnahmeregelung wird angesichts der jetzt nachgezahlten Millionen-Beträge im Zuge der aktuell aufgekauften Steuer-CD allerdings weiter abgelehnt.

“Die Flut der Selbstanzeigen zeigt aber eben auch, dass vielfach nicht ehrliche Reue der ausschlaggebende Grund für die Rückkehr zur Steuerehrlichkeit ist“, erklärten die CDU-Politiker Leo Dautzenberg und Manfred Kolbe am Dienstag in Berlin. Vielmehr sei die Angst vor Entdeckung oder “das Nichtaufgehen einer kühl kalkulierten Hinterziehungsstrategie“ der Grund.

Die Anforderungen sollten daher verschärft werden. Das Instrument der strafbefreienden Selbstanzeige habe sich aber bewährt. Mehrere tausend Selbstanzeigen spülten derzeit einen Milliarden-Betrag in die Staatskassen. Die strafbefreiende Selbstanzeige dürfe jedoch nicht mehr missbraucht werden.
Steuerhinterziehung stellt in Deutschland eine Straftat dar und wird mit einer Geldstrafe oder Freiheitsstrafe von 6 Monaten bis zu 10 Jahren geahndet. Neben der Strafe sind die hinterzogenen Steuern nachzuzahlen. Die “strafbefreiende Selbstanzeige“ muss vor Entdeckung der Steuerstraftat erfolgen. Die Betrüger müssen die Steuern dann fristgerecht nebst Zinsen nachzahlen und werden damit straffrei.

Aus Sicht von Dautzenberg und Kolbe sollte der Zeitpunkt der Tatentdeckung vorverlegt werden, damit der Spielraum geringer wird. Die “Teilselbstanzeige“, mit der sich Steuerbetrüger häufig nur scheibchenweise je nach aktuellem Entdeckungsrisiko erklären, sollte es nicht mehr geben. Steuerbetrüger sollten zudem nur noch durch eine umfassende Selbstanzeige die Strafbefreiung nutzen können. Auch sollte “sämtliches, auf der Welt verstecktes Geld“ offengelegt werden, damit die Strafbefreiung gewährt wird. Zudem sollte ein Zinszuschlag eingeführt werden. Derzeit gilt ein Zinssatz von sechs Prozent sowohl für ehrliche Steuerzahler als auch für Betrüger.

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Genug Aktionäre überzeugt: Finanzinvestoren übernehmen Stada
Das lange Übernahmeringen um den hessischen Arzneimittelhersteller ist beendet. Bain und Cinven haben im zweiten Anlauf die nötige Zustimmung der Aktionäre erreicht. Nun …
Genug Aktionäre überzeugt: Finanzinvestoren übernehmen Stada
Schweiz verhängt Zulassungsstopp für manipulierte Porsche-Cayenne-Wagen
Die Behörden in der Schweiz haben einen Zulassungsstopp für bestimmte Modelle des Porsche Cayenne verhängt. Grund dafür ist der Umweltschutz.
Schweiz verhängt Zulassungsstopp für manipulierte Porsche-Cayenne-Wagen
Unternehmer Wöhrl will insolvente Air Berlin übernehmen
Der Nürnberger Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl hat sein Interesse an der Übernahme der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin signalisiert.
Unternehmer Wöhrl will insolvente Air Berlin übernehmen
Studie: Lufthansa-Monopol droht vor allem auf innerdeutschen Strecken
Eine Komplettübernahme der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin würde der Lufthansa vor allem auf innerdeutschen Strecken zu einem starken Monopol verhelfen.
Studie: Lufthansa-Monopol droht vor allem auf innerdeutschen Strecken

Kommentare