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Gebaut in Deutschland, doch die wichtigsten Märkte für den BMW i3 liegen im Ausland.

Thema Förderung

Steuerbonus für Elektroautos?

München - Der Verkauf von Elektroautos in Deutschland enttäuscht bisher. Ein Steuerbonus, der den Absatz ankurbeln soll, wird nun wahrscheinlicher.

Eine Million Elektroautos wollte die Bundesregierung bis 2020 auf Deutschlands Straßen fahren sehen. Diese Ankündigung stammt aus dem Jahr 2010. Die Hälfte der Zeit ist abgelaufen. Doch die Wirklichkeit bleibt weit hinter den Wünschen zurück: 18.948 Elektroautos waren in Deutschland am 1. Januar 2015 zugelassen. Dazu kommen 107.754 Hybridfahrzeuge, von denen aber nur ein Bruchteil an der Steckdose Strom tanken kann. Die meisten Hybride zählen eigentlich nicht als echte Elektroautos.

Nun zeichnet sich ab, dass die Bundesregierung von ihrer bisherigen Linie abrückt, auf keinen Fall finanzielle Kaufanreize für die Fahrzeuge einzuführen. „Wir wollen steuerlich etwas für Flotten machen“, zitiert das „Handelsblatt“ eine Stimme aus dem Verkehrsministerium.

Wie es aussehen kann, etwas „für Flotten zu machen“, zeigt ein Brief von Abgeordneten der Großen Koalition an Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU). Darin fordern 14 Parlamentarier von CDU und SPD eine Sonderabschreibung beim gewerblichen Kauf eines Elektroautos. Firmen sollen im Jahr des Kaufs 50 Prozent des Anschaffungspreises steuerlich geltend machen können. In die gleiche Richtung zielt eine Bundesratsinitiative des Landes Hessen. Auch die Autoländer Baden-Württemberg und Niedersachsen setzen sich für entsprechende Kaufanreize ein, ebenso Wissenschaftler und verständlicherweise die Autoindustrie.

Die Befürworter einer stärkeren Förderung können mit Rückhalt in der Bevölkerung rechnen. Bei einer Umfrage für das Magazin „Stern“ ermittelte Forsa eine klare Mehrheit für E-Auto-Subventionen. 66 Prozent der Befragten würden es begrüßen, wenn es für die Anschaffung von Elektroautos zum Beispiel Steuerrabatte wie in anderen Ländern gäbe. Nur 29 Prozent sind gegen eine stärkere Förderung.

Vorreiter bei solchen Maßnahmen ist Norwegen, wo ein Fünftel aller neuen Autos bereits elektrisch fahren. Dafür sorgen massive Steuerrabatte und zahlreiche Privilegien für die Autos im Straßenverkehr. Nachdem das Ziel von 50 000 Elektroautos im Land inzwischen überschritten wurde, will die Regierung die Förderung nun zwar allmählich zurückfahren. Doch selbst wenn alle Kürzungspläne umgesetzt würden, bliebe Norwegen das Land in Europa, in dem Elektromobilität finanziell am stärksten gefördert wird.

Die mögliche Regelung, die sich jetzt für Deutschland abzeichnet, betrifft ausschließlich Unternehmen. Private Autokäufer hätten davon nichts. Außerdem ist eine Sonderabschreibung nur eine zeitliche Verschiebung von Staatseinnahmen. Was im ersten Jahr abgeschrieben wird, kann später nicht mehr geltend gemacht werden.

Ein günstiger Zeitpunkt, eine stärkere Förderung der Elektromobilität auf den Weg zu bringen, wäre die nationale Konferenz der Bundesregierung zur Elektromobilität, die am 15. und 16. Juni im Berliner Congress Center stattfindet. Deren Motto „stark in den Markt“ benennt genau das, was in Deutschland bislang nicht läuft.

Verstehen Sie E- Mobilität?

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Von Martin Prem

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