Steuererhöhungen ab 2007 ­- und was man dagegen tun kann

- Ab nächstem Jahr langt der Fiskus wieder einmal kräftig zu. Im Windschatten der Mehrwertsteuer-Erhöhung um drei Prozentpunkte, wird die Streichliste bisher absetzbarer Aufwendungen fortgeführt: Von Arbeitszimmer bis Pendlerpauschale. Dazu wird der ohnehin schon niedrige Sparerfreibetrag halbiert. Es gibt jedoch noch einige Möglichkeiten, um Steuern zu sparen.

Sparerfreibetrag

Der Sparerfreibetrag wird ab 1. Januar 2007 halbiert. Durften Ledige bisher 1370 und Verheiratete 2740 Euro an Zinsen und Dividenden im Jahr steuerfrei behalten, so sinkt der Sparerfreibetrag auf 750 beziehungsweise 1500 Euro. Das bedeutet, dass das steuerfreie Sparvermögen bei unterstellten 3 Prozent Zinsen von 47 367 auf 26 700 Euro bei Alleinstehenden und von 94 733 auf 53 400 Euro im Jahr sinkt. Der Werbungskosten-Pauschbetrag ist bei 51 bzw. 102 Euro geblieben.

Tipps für Steuerzahler:

Der Bund der Steuerzahler empfiehlt allen Sparern, die erteilten Freistellungsaufträge zu überprüfen und notfalls neu zu verteilen. Den Zinsabschlag in Höhe von 30 Prozent der Zinserträge gilt es soweit als möglich zu vermeiden. Zu viel gezahlte Steuern auf Sparerträge können sonst erst mit der nächsten Einkommensteuererklärung korrigiert werden.

Wer nur festverzinsliche Wertpapiere hat, soll laut Stiftung Warentest überlegen, in Aktien oder Aktienfonds umzuschichten. Zinsen sind voll steuerpflichtig, Dividenden nur zur Hälfte und Kursgewinne nach einem Jahr überhaupt nicht. Auch sind jährliche Ausschüttungen steuerlich günstiger als Geldanlagen, bei denen sich die Zinsen über längere Zeit ansammeln.

Weiter gibt es die Möglichkeit, Geld auf die Kinder zu übertragen, die ihrerseits einen Grundfreibetrag von 7664 Euro und den Sparerfreibetrag von 750 Euro plus der Werbungskostenpauschale haben. Eltern können ihren Kindern alle zehn Jahre 205 000 Euro steuerfrei schenken. Kinder können also bis zu 8465 Euro an Einkünften steuerfrei behalten.

Der Pferdefuß: Haben volljährige Kinder mehr als 7680 Euro an Einkünften oder Bezügen, wird das Kindergeld gestrichen. Wer kann, sollte Zinsauszahlungen auf den Ruhestand verschieben, weil die individuelle Steuerbelastung dann geringer ist.

Pendlerpauschale

Die Entfernungspauschale (30 Cent pro Kilometer) für die Fahrt zur Arbeit entfällt ab 2007 für die ersten 20 Kilometer. Gezählt wird auch nur noch eine Wegstrecke. Fahrtkosten abrechnen lohnt sich erst, wenn diese die Werbungskostenpauschale von 920 Euro übersteigen.

Tipps für Steuerzahler:

Jeder, der bei einer Fahrgemeinschaft mitmacht, kann pauschal bis 4500 Euro absetzen. Das gilt auch für Ehepaare, selbst wenn sie zusammen zum gleichen Arbeitsplatz fahren. Fahrer können mit Nachweis sogar mehr absetzen. Wer einen doppelten Haushalt führt, kann weiter auch die ersten 20 Kilometer absetzen. Und für Behinderte wird immer noch die Hin- und Rückfahrt berücksichtigt.

Arbeitszimmer

Arbeitnehmer können 1250 Euro für ein Arbeitszimmer nur noch dann absetzen, wenn sich dort "der Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit" befindet.

Tipps für Steuerzahler:

Dieses Kriterium wird zum Beispiel bei einem Telearbeitsplatz erfüllt, selbst dann, wenn der Arbeitnehmer zwei von fünf Tagen in der Firma arbeitet, urteilte der Bundesfinanzhof (Aktenzeichen VI R 21/03). Das Arbeitszimmer kann auch in der Wohnung der Großmutter oder Freundin liegen. Eine andere Möglichkeit ist laut Stiftung Warentest die, dass der Arbeitgeber im Haus des Mitarbeiters ein Büro mietet. Der Mitarbeiter muss die Mieteinnahmen versteuern, darf aber die Kosten als Werbungskosten abrechnen. "Das ist mit Vorsicht zu genießen", warnt Gerald Ahlendorf, Referent der Lohnsteuerhilfe Bayern. Vermute das Finanzamt einen "Gestaltungsmissbrauch", würde es die Ausgaben nicht anerkennen. Im Gegensatz zu einem normalen Arbeitnehmer dürfte ein Rentner, der einen Nebenjob vom heimischen Arbeitszimmer aus erledigt, kein Problem haben.

Kindergeld

Kindergeld gibt es nur noch bis zum 25., nicht mehr bis zum 27. Jahr für Kinder, die in Ausbildung oder Studium sind. Auch die Kinder- und Ausbildungsfreibeträge sowie der Kinderzuschlag bei der Riester-Rente fallen weg. Kinder, die in diesem Jahr 25 oder 26 Jahre alt werden, sind nicht betroffen.

Tipp für Steuerzahler:

Unterhaltspflichtige Eltern für Kinder in der Erstausbildung dürfen weiter bis zu 7680 Euro als außergewöhnliche Belastung absetzen.

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