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Lästige Pflicht, die aber etliche hundert Euro einbringen kann: Die Steuererklärung.

Die wichtigsten Fragen & Antworten

Steuererklärung: So bekommen Sie Geld zurück

München - Mit ihrer Steuererklärung können viele Arbeitnehmer mehrere hundert Euro vom Finanzamt zurückholen. Brigitte Blinninger, Andreas Schrank und Christine Feichtmair von der Lohnsteuerhilfe Bayern e.V. beantworten die wichtigsten Fragen.

Ich bewohne meine eigene Eigentumswohnung. Im letzten Jahr hatte ich hohe Sonderumlagen für die Renovierung der Außenfassade zu leisten. Kann ich diese steuerlich geltend machen?

Mit der Jahresabrechnung erhalten Sie von der Hausverwaltung eine Bescheinigung nach § 35 a Einkommensteuergesetz. Hier sind unter dem Punkt Handwerkerrechnungen Ihre anteiligen Lohnkosten für die Renovierung ausgewiesen. Diese können steuerlich bis maximal 6000 Euro Lohnkosten pro Jahr geltend gemacht werden. Die Steuerermäßigung hierauf beträgt 20 Prozent, maximal 1200 Euro pro Jahr.

Unser Sohn ist unter 25 Jahren und studiert noch. Können wir die Kosten für das Studium steuerlich geltend machen?

Nein, die Kosten sind bei Ihnen steuerlich nicht absetzbar. Mit dem Kindergeld sind diese Kosten bei Ihnen abgegolten. Wenn der Sohn auswärts untergebracht ist, erhalten Sie zusätzlich einen Ausbildungsfreibetrag.

Ich bekomme seit November 2015 Rente aus der gesetzlichen Rente und eine Zusatzrente von der VbL. Wo trage ich diese ein?

Beide Renten sind in der Anlage R einzutragen. Für die Zusatzrente erhalten Sie eine Leistungsmitteilung, in der die entsprechende Nummer aufgeführt ist.

Seit September arbeite ich als Referendarin. Vorher habe ich  noch studiert. Kann ich die Kosten vom Studium in meiner Erklärung geltend machen?

Nach derzeitiger Rechtslage sind die Kosten für das Erststudium ohne vorherige Ausbildung als Sonderausgaben bis zu einem Betrag von 4 000 Euro pro Jahr steuerlich absetzbar.

Sind Kosten für einen Autounfall absetzbar?

Nur wenn sich der Unfall auf einer Fahrt von der Wohnung zur Arbeitsstätte oder auf einer Dienstfahrt ereignet hat. Die Kosten der Reparaturrechnung oder die Selbstbeteiligung sind als Werbungskosten abzugsfähig.

Ist die Rechtsschutzversicherung absetzbar?

Anteilig als Werbungskosten der Arbeitsrechtsschutz oder bei Einkünften aus Vermietung und Verpachtung der Vermieterrechtsschutz.

Ich habe nach einem Unfall Schmerzensgeld erhalten. Muss das Schmerzensgeld versteuert werden?

Nein, Schmerzensgeld ist steuerfrei.

Ich habe meiner Tochter ein Privatdarlehen gegeben. Sind die Zinsen daraus steuerpflichtig und muss ich diese in der Anlage KAP eintragen?

Die Zinsen unterliegen der Abgeltungssteuer mit 25 Prozent und sind in der Anlage KAP einzutragen. Der Sparerfreibetrag von 801 Euro wird aber angerechnet.

Meine Augen wurden gelasert. Sind die Kosten absetzbar?

Ja, die Ausgaben können als außergewöhnliche Belastung berücksichtigt werden. Allerdings muss ein einkommens- und familienstandsabhängiger zumutbarer Betrag überschritten werden, damit sich die Kosten auswirken.

Ich bin seit zwei Jahren in Altersteilzeit und musste bei der letzten Steuererklärung nachzahlen. Ist das vom Finanzamt richtig berechnet?

Sie erhalten einen steuerfrei ausgezahlten Altersteilzeitaufstockungsbetrag. Dieser unterliegt jedoch dem Progressionsvorbehalt. Der Betrag muss im Rahmen der Steuererklärung nachträglich zur Ermittlung des Steuersatzes einbezogen werden und erhöht deshalb die Steuer auf das steuerpflichtige Einkommen. Die Nachzahlung ist deshalb berechtigt.

Ich muss zukünftig für den Arbeitgeber in die Schweiz und nach Spanien reisen. Was kann ich in der Steuererklärung beantragen?

Der Arbeitgeber kann die Kosten der Auswärtstätigkeit steuer- und sozialversicherungsfrei erstatten. Die Erstattung ist zum Beispiel für Übernachtungskosten, Fahrtkosten, Flug möglich. Zusätzlich können länderabhängige Verpflegungsmehraufwandspauschalen (z.B. Schweiz An- und Abreisetag 32 Euro, über 24 Stunden Abwesenheit 48 Euro) bezahlt werden. Wenn kein steuerfreier Ersatz durch den AG erfolgt, können Sie die Aufwendungen als Werbungskosten beantragen.

Ich habe von 2011 bis 2015 studiert. Erst habe ich das Bachelor- und danach das Masterstudium abgeschlossen. Kann ich eine Steuererklärung abgeben?

Die Abgabe der Steuererklärung ist rückwirkend bis 2012 möglich. Die Kosten für die Erstausbildung (Bachelor) sind derzeit nur als Sonderausgabe mit maximal 6000 Euro jährlich zu berücksichtigen. Wenn Sie in dieser Zeit keinen Bruttolohn bezogen und keinen Lohnsteuerabzug hatten, kann auch keine Erstattung erfolgen. Hier ist aber ein Klageverfahren anhängig. Deshalb ist es notwendig, die Kosten als Werbungskosten zu beantragen, damit ein Verlustvortrag in die Folgejahre erfolgen kann. Bei Ablehnung durch das Finanzamt muss Einspruch eingelegt und um Ruhen des Verfahrens gebeten werden. Die Kosten für das Masterstudium sind Werbungskosten. Ein Verlustvortrag ist jedoch nur möglich, wenn der Gesamtbetrag der Einkünfte (Bruttolohn abzüglich Werbungskosten) einen Minusbetrag ergibt.

Ist meine Lebensversicherung bei Auszahlung steuerpflichtig?

Wenn die Versicherung vor 2005 abgeschlossen wurde und die Laufzeit länger als 12 Jahre war, ist der Auszahlungsbetrag steuerfrei. Bei monatlicher Auszahlung (Verrentung) muss ein Anteil versteuert werden.

Sind die Beerdigungskosten für meinen verstorbenen Ehemann absetzbar?

Die Beerdigungskosten sind dann absetzbar, wenn das Erbe die Kosten nicht abdeckt. Im Rahmen der außergewöhnlichen Belastungen muss der zumutbare Betrag überschritten werden.

Ich bin Rentner und habe die letzten Jahre keine Steuererklärung gemacht. Nun habe ich Gewinne aus Aktienveräußerung. Die Bank hat 25 Prozent Abgeltungssteuer einbehalten. Wird die Steuer erstattet?

Bei Abgabe der Steuererklärung wird geprüft, wie hoch Ihr tatsächlicher Steuersatz ist. Ist dieser unter 25 Prozent erhalten Sie die Differenz zurück. Liegt Ihr zu versteuerndes Einkommen unter dem Grundfreibetrag von 8.472 Euro (2015), dann wird die Kapitalertragsteuer voll erstattet.

Kann ich Scheidungskosten bei der Steuererklärung geltend machen?

Grundsätzlich können seit neuester Rechtsprechung sämtliche rechtsanwaltlichen und gerichtlichen Kosten nicht mehr als sog. außergewöhnliche Belastungen abgezogen werden. Allerdings wird das Thema Scheidungskosten durch die Finanzgerichte unterschiedlich beurteilt. Die Tendenz geht aber in Richtung Anerkennung. Es ist somit ratsam, die Kosten für eine Scheidung (Rechtsanwalt, Gerichtskosten) im Rahmen der außergewöhnlichen Belastungskosten anzugeben.

Meine Frau und ich verdienen beide unterschiedlich. Wir haben die Steuerklassen 3 und 5 und müssen regelmäßig Steuern nachzahlen, wie kann das sein?

Steuerklassen regeln die Verteilung der Freibeträge innerhalb einer Familie mit dem Ziel, die bestmögliche steuerliche Auswirkung im Laufe des Jahres zu erzielen. Bei der Steuerklassenkombination 3/5 werden sämtliche Freibeträge (einschließlich Kinderfreibeträge) auf die Steuerklasse 3 übertragen, um dort monatlich das beste Netto-Ergebnis zu erzielen. Diese Kombination ist also sinnvoll bei sogenannten Alleinverdiener-Ehen. Verdienen bei dieser Kombination beide Ehegatten, kann es sein, dass am Jahresende nicht genügend Lohnsteuer abgezogen wurde und somit eine Steuernachzahlung entsteht. Ist dies der Fall wäre ein Wechsel auf die Steuerklassen 4/4 oder 4/4 mit Faktor zu empfehlen.

Mein ehemaliger Arbeitgeber zahlt mir eine Abfindung – hat das steuerliche Auswirkungen?

Grundsätzlich wird eine Abfindung wie Arbeitslohn versteuert. Bei einer hohen Abfindung kann dies zu hohen Steuerzahlungen führen, da hierfür dann oft der Höchststeuersatz angesetzt wird. Unter bestimmten Voraussetzungen ist es aber möglich, für den Abfindungsbetrag einen ermäßigten Steuersatz anwenden zu können. Hierfür ist entscheidend, wie es nach Auszahlung der Abfindung weitergeht (kein Einkommen oder Arbeitslosengeld, eventuell gleich hohes oder höheres Einkommen). Da hier die meisten Fehler bereits mit der Unterzeichnung der Abfindungsvereinbarung gemacht werden, ist es ratsam, sich vor Abschluss einer solchen Vereinbarung genau beraten zu lassen (zum Beispiel über Steuerberater, Rechtsanwalt oder Lohnsteuerhilfevereine).

Muss ich Arbeitslosengeld I versteuern?

Arbeitslosengeld ist grundsätzlich eine steuerfreie Lohnersatzleistung (ebenso wie Elterngeld, Mutterschaftsgeld und Krankengeld) Auf diese Leistungen muss keine Steuer gezahlt werden, allerdings fließen die Beträge in die Berechnung des Steuersatzes mit ein (sogenannter Progressionsvorbehalt). Dadurch kann der Fall eintreten, dass ein höherer Steuersatz entsteht und unter Umständen Steuernachzahlungen notwendig sind.

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