Die Steuererklärung macht sich das Finanzamt selbst

- München - Nicht nur in Deutschland ist die jährliche Steuererklärung für Millionen geplagter Steuerzahler ein Graus. Die Menschen müssen sich meist durch Berge gesammelter Belege und den Paragrafendschungel der Steuergesetzgebung kämpfen, um zuviel bezahlte Steuern zurückzuerlangen. Ein Blick ins Ausland zeigt: Der Anspruch von CDU-Steuerexperte Friedrich Merz, eine Steuererklärung solle künftig auf einen Bierdeckel passen, ist bislang noch nicht verwirklicht - aber es geht einfacher als in Deutschland.

<P>Klare Fragen<BR>In Großbritannien umfassen Steuererklärungen durchaus 20 Seiten. Die Formulare sind aber deutlich einfacher auszufüllen als die deutschen. Die Fragen sind klarer formuliert, es gibt nur drei Steuerklassen und einen einheitlichen Freibetrag. Anders als bei dem Steuerkonzept von Merz, das im Kern drei Tarife mit 12, 24 und 36 Prozent sowie den Wegfall der meisten Ausnahmeregelungen vorsieht, können in Großbritannien zahlreiche Ausgaben abgesetzt werden.</P><P>Stark vereinfacht<BR>Die Steuererklärungen in Italien sind vor etwa vier Jahren stark vereinfacht worden. Während die Italiener vorher mit unzähligen Formularen für die verschiedenen zu bezahlenden Steuern kämpften, gibt es heute ein einziges, achtseitiges Formular für die gesamte Steuererklärung. Das Finanzministerium bietet auf seiner Homepage eine schrittweise Anleitung, in der das Ausfüllen der Vordrucke genau erklärt wird. Dennoch vertrauen die meisten Italiener ihre Erklärung lieber ihrem "commercialista" (Steuerberater) an.<BR><BR>Harte Frist<BR>Unerbittlich überwacht in Frankreich der Fiskus die fristgerechte Abgabe der Steuererklärung bis Februar oder März. Bei verspäteter Einreichung wird eine zehnprozentige Buße auf die Steuerschuld fällig. Deshalb sieht man am Abgabetermin noch kurz vor Mitternacht viele Menschen zum Steueramt hetzen, um das schlichte vierseitige Formular einzuwerfen. Darauf sind lediglich die Zahlen einzutragen. Falls der Fiskus jedoch misstrauisch wird und die Angaben nachprüfen will, ist ein lückenloser Nachweis notwendig. Sonst drohen ebenfalls drakonische Strafen.</P><P>Erklärung von Behörden<BR>Den Dänen wird die Last der Steuererklärung weitgehend vom Staat abgenommen. Alle für Normalbürger relevanten Zahlen wie Gehaltszahlungen, Kontostände und sogar der abzugsberechtigte Gewerkschaftsbeitrag werden von den Behörden ermittelt. Die Steuerpflichtigen bekommen das Zahlenwerk zugeschickt und brauchen dieses nur noch zu bestätigen.</P><P>Ein Steuersatz<BR>Andere Probleme hat Russland: Dort gibt es seit dem vergangenen Jahr nur noch einen einzigen Steuersatz von 13 Prozent, um die Menschen überhaupt zum Steuerzahlen zu bewegen. Die Erklärungen selbst sind - wie vieles in Russland - umständlich, kompliziert und kaum ohne Hilfe zu bewältigen.</P>

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