Steuererklärung für Rentner: Das sollten Sie beachten

- Nicht einmal als Rentner haben viele Bundesbürger jetzt Ruhe vor dem Finanzamt: Wer sich 2005 über eine ordentliche Rente und womöglich noch Zusatzeinkünfte freuen durfte, wird in diesem Jahr erstmals neu Steuern dafür zahlen müssen. Die zusätzliche Belastung trifft nach Angaben des Bundesfinanzministeriums zunächst gut 1,3 Millionen Ruheständler. "Die Leute sollten sich um das Thema kümmern", rät Sabine Kohls vom Sozialverband VdK. Bis zum 31. Mai müssen betroffene Rentner eine Steuererklärung abgeben.

Den meisten Senioren sei ihre neue Steuerpflicht noch gar nicht bewusst, befürchtet Kohls. "Es ist viel zu wenig in den Köpfen präsent, dass man jetzt in die Besteuerung hineingeraten kann." Außerdem müssen Rentner, die zuvor schon Steuern bezahlt haben, ab 2005 für den Fiskus tiefer in die Tasche greifen. Wer sich nicht kümmert, dem können Nachzahlungen und Ärger ins Haus stehen. Nähere Auskünfte über eine mögliche Steuerpflicht geben Lohnsteuerhilfevereine, Steuerberater und auch das zuständige Finanzamt. Der Beratungsbedarf scheint sich bislang allerdings noch in Grenzen zu halten. Christine Mosler vom Bayerischen Landesamt für Steuern sagt: "Der Ansturm auf unsere Telefonhotline ist noch nicht so groß." Wer als Rentner steuerlich bislang noch nicht erfasst war, kriegt vom Finanzamt allerdings nur allgemeine Informationen. Bislang zahlen erst rund zwei Millionen Ruheständler Steuern. Die große Masse blieb unter der steuerlichen Freigrenze. Mit Start des Alterseinkünftegesetzes 2005 wurde das bisherige Steuersystem aber einschneidend verändert.

Wer zahlen muss

Von Jahrgang zu Jahrgang müssen Rentner nun immer mehr von ihren Altersbezügen an den Staat abführen. Für 2005 sind 50 Prozent der Jahresbruttorente bis zum Lebensende steuerpflichtig, sowohl für neue als auch für bisherige Ruheständler. Ab 2006 müssen 52 Prozent versteuert werden. Ein Neurentner im Jahr 2015 ist dann mit 70 Prozent dabei. Und ab 2040 ist jeder Renteneuro zu versteuern. Derzeit gilt: Rund 75 Prozent der gut 19 Millionen Ruheständler bleiben noch vom Zugriff des Fiskus verschont. Wer eine kleine bis mittlere Rente bekommt, muss für 2005 keine Steuererklärung abgeben. Freibeträge bieten vorläufig ein Schlupfloch. Ein allein stehender Rentner mit 1000 Euro monatlich muss laut Finanzministerium keine Steuern zahlen. Als Faustregel gilt: Die Grenze liegt bei 1575 Euro Bruttorente im Monat, für Ehepaare bei 3150 Euro. Erst ab etwa dieser Höhe wird (nach Abzügen) der steuerfreie Grundfreibetrag pro Jahr von 7664 Euro (Ehepaare: 15 328) überschritten. Steuern zahlen müssen damit all die, die eine hohe gesetzliche Rente beziehen oder deren Ehepartner noch arbeitet. Zur Kasse gebeten wird aber auch, wer eine niedrigere gesetzliche Rente hat plus Zusatzeinkommen wie eine Betriebs- oder Privatrente, Miet- oder Kapitaleinkünfte (Zinsen, Dividenden). Auch die Witwenrente ist wie die Altersrente zu 50 Prozent steuerpflichtig.

Wie gerechnet wird

Die Steuerpflicht kann also vor allem Senioren treffen, deren Einkünfte sich aus mehreren Quellen speisen. In solchen Fällen heißt es zusammenrechnen. Beispiel: Eine allein stehende Rentnerin bekommt im Monat 1100 Euro Rente inklusive Witwenrente, 200 Euro Betriebsrente und 300 Euro Zinsen. Damit muss sie für 2005 erstmals Steuern zahlen. Im Schnitt müssten steuerpflichtige Seniorenhaushalte etwa 500 Euro an den Fiskus abführen, so die Einschätzung des Bundesfinanzministeriums.

Was man absetzen kann

Wenigstens können die betroffenen Ruheständler auch etwas absetzen. Zum Beispiel 102 Euro pauschal für Werbungskosten wie Büromaterial. Oder Zahlungen in die Kranken- und Pflegeversicherung, Beiträge zur Unfall-, Privathaftpflicht-, Kfz-Versicherung sowie Aufwendungen wegen Behinderung, für Pflege oder Hinterbliebene.

Wie informiert wird

Eigentlich sollten die Finanzämter die betroffenen Rentner anschreiben und über ihre neue Steuerpflicht informieren. Das wird wegen organisatorischer Probleme aber wohl frühestens 2008 gelingen. "Bis dahin sind die Senioren auf sich allein gestellt", erklärt VdK-Sprecherin Kohls. Wer nicht weiß, ob er eine Steuererklärung abgeben muss, sollte sich unbedingt beraten lassen. Oder gleich den Mantelbogen der Steuererklärung ausfüllen mit der Anlage R und dort seine Einnahmen auflisten. Alles Weitere erledigt dann das Finanzamt. Still halten oder gar schummeln nutzt nichts: Wer Zusätze wie Betriebsrenten, Mieten, Zinsen oder Privatrenten verschweigt, dürfte bald auffliegen. Das gilt auch für Ruheständler, die wegen hoher Gesamteinkünfte schon früher hätten Steuern zahlen müssen. Denn die Finanzämter haben seit 2005 bestens Einblick in die Einkünfte aller Rentner in Deutschland. Auch im Alter kommen viele nicht mehr drum herum: Das Finanzamt erwartet eine Steuererklärung.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Dax vor Bundestagswahl kaum bewegt
Angesichts des wieder hochgekochten Nordkorea-Konflikts ist dem Dax am Freitag die Kraft ausgegangen.
Dax vor Bundestagswahl kaum bewegt
Air Berlin verhandelt mit Lufthansa und Easyjet - Wöhrl sauer
Air Berlin könnte zu großen Teilen an die Lufthansa gehen. Unterlegene Bieter halten das für eine „Katastrophe“ auch für Passagiere. Sie könnten klagen.
Air Berlin verhandelt mit Lufthansa und Easyjet - Wöhrl sauer
Air Berlin: Unterlegene Bieter zürnen, Arbeitnehmer bangen
Nach der Vorentscheidung im Bieterwettstreit geht es darum, wer wie viele Flugzeuge genau bekommen soll. Ein Zwischenstand wird für Montag erwartet. Nicht nur die …
Air Berlin: Unterlegene Bieter zürnen, Arbeitnehmer bangen
7000 Stahlkocher demonstrieren gegen Stahlfusion
Nach dem Bekanntwerden der Fusionspläne für die europäischen Stahlsparten von Thyssenkrupp und Tata wächst im Ruhrgebiet die Empörung. Bei einer Demonstration in Bochum …
7000 Stahlkocher demonstrieren gegen Stahlfusion

Kommentare