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Ein dicker Brocken bei den Werbungskosten ist für die meisten die tägliche Fahrt zur Arbeit. Dabei ist es egal, welches Verkehrsmittel genutzt wird. Selbst Taxikosten lassen sich absetzen.

Steuererklärung: Was zu den Werbungskosten zählt

München - Die Zeit läuft: Bis zum 31. Mai muss die Steuererklärung beim Finanzamt eingereicht werden. Die meisten Arbeitnehmer können mit mehreren hundert Euro Rückerstattung rechnen. In unserer Serie zeigen wir, worauf es ankommt. Heute: Werbungskosten.

Über die Steuererklärung hat der Arbeitnehmer viele Möglichkeiten, den Staat an den Kosten für sein Berufsleben zu beteiligen. Sozialversicherungspflichtige Beschäftigte können einen guten Teil ihrer Ausgaben über die Werbungskosten absetzen, darunter die Fahrt zur Arbeit, Fachliteratur, Berufskleidung und Beiträge zu Berufsverbänden. Aber auch Rentner und Vermieter können Werbungskosten geltend machen.

In vielen Fällen müssen Arbeitnehmer ihre Ausgaben nicht detailliert darlegen. Der Gesetzgeber hat den sogenannten Arbeitnehmer-Pauschbetrag eingeführt. Für 2011 beträgt die Pauschale laut Steuervereinfachungsgesetz 1000 Euro – statt 920 Euro wie zuvor.

„Laut Gesetz sind Werbungskosten Ausgaben zur Erwerbung, Sicherung und Erhaltung der Einnahmen“, erklärt Anita Käding vom Bund der Steuerzahler.

Kosten für die Fahrt zur Arbeit

Am häufigsten fallen die Fahrtkosten für den Weg zur Arbeit an. Dafür kann ein Arbeitnehmer entweder die Entfernungspauschale geltend machen oder die tatsächlichen Kosten. „Für die Entfernungspauschale zählt in der Regel die kürzeste benutzbare Straßenverbindung oder die verkehrsgünstigere“, sagt Käding. Es zähle nur ein Weg, also nicht Hin- und Rückfahrt.

Pro Kilometer darf der Arbeitnehmer 30 Cent berechnen. „Es müssen aber volle Kilometer sein. Wenn ich eine Strecke von 9,5 Kilometern habe, darf ich nur 9 abrechnen. Gebe ich 10 an, wird das als Steuerhinterziehung gewertet.“ Welches Verkehrsmittel der Steuerzahler nutzt, ist egal.

Sei es vorteilhafter, könne der Arbeitnehmer auch die tatsächlich entstandenen Kosten, etwa die Monatskarte für Bus und Bahn, angeben. „Das Taxi zählt auch zu öffentlichen Verkehrsmitteln, die Fahrten kann man ebenfalls abrechnen“, sagt Käding. Allerdings gelte bei Taxen genau wie bei Bussen und Bahnen eine Obergrenze von 4500 Euro pro Jahr.

Die Entfernungspauschale wird übrigens nur für den Weg zum Hauptarbeitsplatz angewendet. Arbeite beispielsweise eine Verkäuferin für denselben Arbeitgeber in mehreren Filialen, müsse sie den Weg zur zweiten Niederlassung über die Reisekosten abrechnen, erklärt Uwe Rauhöft vom Neuen Verband der Lohnsteuerhilfevereine. „Das kann aber auch von Vorteil sein, denn bei Reisekosten kann man den Hin- und Rückweg einbeziehen.“

Bewerbung, Literatur und Berufsverbände

Zu den vollständig absetzbaren Werbungskosten zählen neben Ausgaben für Berufsverbände und -versicherungen auch Bewerbungskosten und Rechnungen für Fachliteratur. „Wichtig ist es, dass auf den Quittungen steht, um was für Bücher es sich handelt“, betont Rauhöft.

Computer und andere Arbeitsmittel

Bei Computern und anderen technischen Arbeitsmitteln müssen Steuerzahler rechnen. „Die Voraussetzung dafür, dass ich etwas absetzen kann, ist, dass ich das Arbeitsmittel hauptsächlich beruflich nutze“, sagt Rauhöft.

Lasse sich private von beruflicher Nutzung etwa bei Computern nicht eindeutig trennen, gelte die Faustregel: „50 Prozent kann man auf jeden Fall absetzen.“ Bei beruflich wie privat genutzten Telefonen oder Handys könnten in der Regel 20 Prozent der monatlichen Rechnungskosten angegeben werden. „Wenn ich mir mehr anrechnen lassen will, kann ich die Einzelverbindungsnachweise über drei Monate auswerten und auf das Jahr hochrechnen“, erklärt Rauhöft. Allerdings lassen sich nur Arbeitsmittel sofort absetzen, wenn sie nicht mehr als 410 Euro netto gekostet haben. „Bei höheren Beträgen muss ich die Kosten über die Nutzungsdauer verteilt absetzen. Die ist nach Gerät festgelegt“, sagt Rauhöft. Wichtig zu wissen: Die Dauer wird nach Monaten gerechnet. Kauft ein Arbeitnehmer einen Computer etwa im Juli, kann er nur die Kosten für die Hälfte des Jahres berechnen.

Kosten für den Umzug

Auch Kosten für Umzüge werden berücksichtigt. „Ein Umzug muss beruflich veranlasst sein. Ohne Arbeitsplatzwechsel wird das regelmäßig anerkannt, wenn sich der Weg zur Arbeit um mindestens eine Stunde verkürzt“, erklärt Erich Nöll vom Bundesverband der Lohnsteuerhilfevereine. Als Werbungskosten anerkannt werden die notwendigen Auslagen für den Transport der Möbel und Umzugskisten von der bisherigen zur neuen Wohnung. Darüber hinaus sind die Ausgaben für die Wohnungssuche, Maklerkosten, doppelte Mieten und Ähnliches absetzbar. Auch der Nachhilfeunterricht für die Kinder kann darunter fallen, wenn durch den Umzug beispielsweise die Schule gewechselt und die Nachhilfe dadurch notwendig wird.

Kosten für die Weiterbildung

Bei Fortbildungen können Arbeitnehmer die Seminar- und Prüfungsgebühren sowie die Fahrt- und pauschaliert auch Verpflegungskosten geltend machen, wenn ein objektiver Zusammenhang mit dem Beruf besteht. „Auch Aufwendungen für Fremdsprachenunterricht können als Werbungskosten abgesetzt werden. Hier ist ein konkreter Zusammenhang mit der Berufstätigkeit erforderlich“, sagt Nöll.

Kosten für das Erststudium

Ob und wie das Erststudium von der Steuer absetzbar ist, ist noch nicht letztinstanzlich entschieden. Der Bundesfinanzhof muss darüber erneut entscheiden. Studenten können auf jeden Fall ihre Belege und Unterlagen wieder hervorkramen und sich an den Musterprozess vor dem BFH dranhängen, heißt es beim Deutschen Steuerberaterverband. Das geht so: Eine Steuererklärung für 2011 machen und einreichen. Auf der ersten Seite des Mantelbogens wird die „Erklärung zur Feststellung des verbleibenden Verlustvortrags“ angekreuzt. Dann müssen die Studienkosten als vorab entstandene Werbungskosten aufgelistet werden. Dazu zählt so gut wie alles, was für die Ausbildung anfällt, von den Studiengebühren, über den Schreibtisch und die Fahrtkosten bis hin zu Kinderbetreuung und Kosten für einen Bildungskredit.

Wer schon länger lernt oder sein Erststudium schon hinter sich und noch keine Steuererklärung gemacht hat, kann noch mindestens vier Jahre rückwirkend Steuererklärungen einreichen, also bis 2008 – für jedes Ausbildungsjahr eine eigene.

Was anschließend garantiert kommt, ist die Abfuhr vom Finanzamt. Es wird die Werbungskosten nicht anerkennen. Der Student muss dann umgehend Einspruch einlegen. Das ist wichtig, und zwar mit Verweis auf das Revisionsverfahren beim BFH mit dem Aktenzeichen VI R 8/12. Die Steuererklärung ruht dann – bis der BFH entschieden hat.

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