Steuererklärung auf zwei Seiten: Wem die Schmalspur-Version nützt

- Die Steuererklärung auf dem Bierdeckel ist es nicht, aber eine etwas bequemere Lösung als gewohnt: die "vereinfachte Steuererklärung". Mehrere Länder - darunter auch Bayern - hatten sie für das vergangene Jahr angeboten. Nun wird das Projekt flächendeckend umgesetzt. Allerdings können nicht alle Steuerzahler davon profitieren.

Zwei Seiten könnten für die Steuererklärung reichen. Denn größer ist der Hauptvordruck für die vereinfachte Version nicht. Der Haken: Die Steuergesetze sind so kompliziert und undurchschaubar wie eh und je. Die vereinfachte Erklärung vernachlässigt nur viele davon. Sie richtet sich ausschließlich an den Personenkreis, der gegenüber dem Finanzamt sowieso nicht viel anzugeben hat.

Wer vereinfachen kann

Die vereinfachte Erklärung kommt für Arbeitnehmer in Frage, die nur ihren Arbeitslohn oder auch Lohnersatzleistungen wie Arbeitslosen-, Insolvenz-, Kranken- und Mutterschaftsgeld erhalten, erklärt die Zeitschrift "Finanztest" (Ausgabe 01/2006) der Stiftung Warentest.

Wer andere Einkünfte bezieht - zum Beispiel Kapitaleinnahmen über 1421 Euro (Alleinstehende) bzw. 2842 Euro (Ehepaare) -, muss bei der Langfassung bleiben. Der umständliche Weg gilt auch weiterhin für Rentner, Pensionäre, Vermieter, Selbstständige, Bezieher von Einkommen im Ausland und alle, die Zinsabschläge, vorab gezahlte Kapitalertrag- und ausländische Quellensteuern anrechnen lassen wollen, teilt "Finanztest" mit.

Wer draufzahlt

Wer vereinfachen kann, sollte es sich aber gut überlegen. Denn bei der Vereinfachung kann auch mancher Steuervorteil verloren gehen. Die Schmalspur-Erklärung ermöglicht, Werbungskosten, Sonderausgaben und außergewöhnliche Belastungen abzurechnen - aber nur zum Teil. Einige Ausgaben werden nicht berücksichtigt.

Werbungskosten: Für den Arbeitsweg kann die übliche Pauschale von 30 Cent je Kilometer der einfachen Entfernung angesetzt werden. Auch Kontoführungsgebühren, Beiträge zu Berufsverbänden, Arbeitsmittel und Dienstreisen zählen zu den Ausgaben, die in der vereinfachten Erklärung Platz gefunden haben.

Sonderausgaben: Bei den Sonderausgaben sind Kirchensteuer, Steuerberatungskosten und die meisten Spenden berücksichtigt. Auch Versicherungen können angegeben werden.

Außergewöhnliche Belastungen: Hierzu zählen etwa Scheidungs-, Krankheits-, Kur- und Pflegekosten sowie Behindertenpauschbeträge.

Wie es funktioniert

Die Vordrucke für die vereinfachte Steuererklärung gibt es per Post vom Finanzamt oder im Internet auf der Seite www.bundesfinanzministerium.de (in der Suchmaske "vereinfachte Steuererklärung" eingeben).

Abgegeben werden kann die vereinfachte Erklärung nur auf Papier, nicht über Internet. Arbeitnehmer, die noch Lohnsteuerkarten zurückerhalten, geben diese mit ab. Zusätzlich zum Hauptvordruck können folgende Anlagen eingereicht werden:

die Anlage AV für Riester-Beiträgedie Anlage VL für vermögenswirksame Leistungen, für die eine Arbeitnehmersparzulage beantragt wirddie Anlage Kind für jedes Kind, das berücksichtigt werden soll.

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