Steuerfahnder nehmen virtuelle Händler im Internet ins Visier

- Viele Onlinehändler haben derzeit Angst vor der Steuerfahndung: Neben den Millionen Menschen, die etwa über das Internetauktionshaus Ebay CDs, Bücher, Staubsauger oder auch Brusthaartoupets verkaufen, nutzen zahlreiche Verkäufer den Onlinehandel zur Steuerhinterziehung. Professionelle Händler erzielen Monat für Monat Gewinne, zahlen dem Fiskus aber keinen Cent.

<P>Wie viele Millionen Euro dem Staat auf diese Weise pro Jahr entgehen, kann selbst das Bundesfinanzministerium nicht beziffern. In Nordrhein-Westfalen etwa gibt es deshalb eine Spezialgruppe von drei Experten, die sich mit dem besonderen Steuer-Phänomen Internet befasst.</P><P>Doch nicht jedes Ebay-Mitglied muss die Düsseldorfer Steuerfahndung fürchten. "Uns fangen die Dinge an zu interessieren, wenn jemand dort handelt, um nachhaltig Gewinne zu erzielen", sagt Martin Fliedner von der zuständigen Oberfinanzdirektion. Unter anderem gehe es um Händler, die vom Trödelmarkt auf das Internet umgeschwenkt seien, um unerkannt im großen Stil zu verkaufen.</P><P>Allein wegen der Größe des Marktplatzes ist Ebay attraktiv für Händler: Weltweit sind mehr als 68 Millionen Menschen registriert. 2002 wurden weltweit Waren und Dienstleistungen im Wert von knapp 12,6 Milliarden Euro umgeschlagen. Auf den Seiten von Ebay Deutschland waren es allein in den letzten drei Monaten des Jahres 2002 über eine Milliarde Euro.</P><P>Gleich hinter den USA ist Deutschland nach Angaben von Ebay-Sprecher Joachim Guentert der erfolgreichste aller 27 internationalen Marktplätze des Unternehmens. Manch ein Hobby-Händler ist dabei ungeplant zum Profi geworden: "Es gibt viele, die rutschen da rein und merken dann, dass es ziemliche Umfänge annimmt", sagt Steuerberater Lothar Jasper, dessen Büro vermehrt in derartigen Fällen beraten muss.</P><P>"Wer anfängt, Dinge hinzuzukaufen, um Gewinnbringend zu verkaufen, treibt Handel im klassischen Sinne."<BR>Steuerberater Lothar Jasper</P><P>Fällig werden die Umsatz- oder Gewerbesteuer, wenn regelmäßig und mit "Absicht auf Gewinnerzielung" gehandelt wird. Bei der einmaligen Entrümpelung eines Kellers gilt der Verkäufer aber nicht gleich als Gewerbetreibender. Jasper: "Wenn aber jemand anfängt, Dinge hinzuzukaufen, um Gewinn bringend zu verkaufen, dann treibt er Handel im klassischen Sinne."</P><P>Auch Ebay Deutschland rät jedem, der regelmäßig mit Verkäufen im Netz Geld verdient, zum Besuch beim Steuerberater. Denn die Fahnder müssen ohne ein Zutun des Auktionshauses nur über dessen Seiten surfen, um auf potenzielle Steuersünder zu stoßen. "Das System ist schließlich völlig transparent", sagt Joachim Guentert. Die Kundenbewertungen oder der wiederholte Verkauf von "Neuware" deuten auf gewerblichen Handel hin.</P><P>Die Rubrik "Andere Artikel des Verkäufers" kann Aufschluss über Profis geben, die mit verschiedenen Namen ihre Geschäfte tarnen wollen. Laut Geschäftsbedingungen darf Ebay personenbezogene Daten speichern. Etwa bei Betriebsprüfungen könnten die Fahnder dann auf Kunden aufmerksam werden, die hohe Provisionen gezahlt und somit viel verkauft haben, sagt Fliedner.</P><P>Wie die Wochenzeitung "Die Zeit" jüngst berichtete, werden die Behörden seit kurzem auch von einer neuen Suchmaschine namens "Xpider" unterstützt. Der so genannte Web-Crawler des Bundesamtes für Finanzen könne Plattformen durchforsten, Querverbindungen zwischen An- und Verkäufen herstellen und diese mit dem Handelsregister oder internen Datenbanken abgleichen.</P><P>Die Strafen für Steuerhinterziehung reichen von Geldbußen bis zu Bewährungs- und Gefängnisstrafen. Steuerberater Jasper rät, Einnahmen aus wiederholten Ebay-Geschäften möglichst schnell beim Finanzamt zu melden, denn: "Das Internet ist nicht so anonym, wie man glaubt."</P>

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