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„Gläserner Rentner“: Ab sofort laufen die Meldungen über Altersbezüge und Kapitalerträge beim Finanzamt ein.

Steuerkontrollen bei Rentnern: Jetzt wird es ernst

In einer beispiellosen Überprüfungsaktion klopfen die Finanzämter ab Anfang Oktober sämtliche Rentnerhaushalte darauf ab, ob sie ordnungsgemäß Steuern bezahlt oder Alterseinkünfte am Fiskus vorbei kassiert haben.

Unzählige Ruheständler sind schon seit Einführung des Alterseinkünftegesetzes 2005 steuerpflichtig, häufig, ohne es zu ahnen. Dieter Ondracek, Chef der Deutschen Steuer-Gewerkschaft, sagt, er rechne damit, dass bei der Kontrollaktion bis zu drei Millionen säumige Ruheständler im Netz hängenbleiben dürften. Auf sie warten in der Regel blaue Briefe, Nachzahlungen plus Zinsen, einiges an Ärger, im Einzelfall aber auch Strafverfahren. „Für die meisten gibt es aber keinen Grund, in Panik zu verfallen“, sagt Uwe Rauhöft vom Neuen Verband der Lohnsteuerhilfevereine (NVL).

Hier die wichtigsten Fragen und Antworten:

-Wie läuft die Kontrollaktion ab?

Seit Januar schon wird am „gläsernen Rentner“ gearbeitet. Seitdem wird lückenlos elektronisch zusammengetragen, was deutsche Ruheständler an Altersbezügen und Kapitalauszahlungen bekommen. Die Meldungen laufen seit Oktober beim zuständigen Finanzamt ein. Bis alle Daten beisammen sind, könnte es Dezember werden.

Zugleich macht sich die Finanzverwaltung daran, die ersten der bundesweit etwa 120 Millionen Rentenbezugsmitteilungen auszuwerten, so das Bayerische Landesamt für Steuern. Die Kontrollaktion wird sich bis ins 1. Quartal 2010 ziehen.

-Wie gehen Steuersünder ins Netz?

Per Computer wird jeweils herausgefiltert, wer eine ordnungsgemäße Steuererklärung abgegeben hat und wer keine eingereicht hat. Bei denen, die ohne sind, prüfen die Finanzbeamten, ob die Einkünfte so hoch sind, dass die Rentner steuerpflichtig sind. Wenn ja, bekommen sie eine Art blauen Brief – also die Aufforderung, eine Steuererklärung abzugeben.

Das Unangenehme: Es wird außerdem automatisch nach weiteren unversteuerten Einnahmen bis ins Jahr 2005 zurück gesucht, so Ondracek. Bagatellbeträge würden nachträglich aber kaum eingetrieben. „Wir laufen Kleinkram nicht nach, sonst wird die Soße teurer als das Fleisch.“

-Was blüht den Ertappten?

Sie müssen die versäumten Steuern auf jeden Fall nachzahlen. „Keine Angst, bei den meisten fallen nicht gleich tausende von Euro an“, meint Rauhöft. Außerdem werden noch 6 Prozent Zinsen pro Jahr obendrauf gepackt. Die Verzinsung greift aber erst 15 Monate nach Ende des Steuerjahres. Wer für 2005 beispielsweise 100 Euro nachzahlen soll, müsste erst ab März 2007 Zinsen berappen, so der NVL-Experte.

Außerdem darf das Finanzamt einen Versäumniszuschlag wegen der verspäteten Steuererklärung verlangen. Teuer wird es allemal. Strafverfahren oder Steuerfahnder haben Betroffene normalerweise nicht zu erwarten. Brenzlig wird es aber, wenn ein Rentner bewusst in größerem Stil Steuern hinterzogen hat.

-Wann sind Rentner steuerpflichtig?

Bekommen Rentner seit 2005 oder früher nur eine gesetzliche Rente – wie ein Großteil der Ruheständler –, dann bleiben Einkünfte für Alleinstehende von bis zu 18 900 Euro im Jahr steuerfrei. Bei Verheirateten verdoppeln sich die Beträge. „Wer monatlich weniger als 1500 Euro gesetzliche Rente hat, bleibt steuerfrei, das kann man als Faustregel nehmen“, betont Ondracek.

Bei Einkünften aus mehreren Quellen ist die Steuerpflicht dagegen schnell erreicht. Etwa dann, wenn man zwar eine niedrige Rente erhält, dazu aber noch Zusatzeinkommen hat. Dazu zählen: Betriebs- oder Privatrente, Miet- oder Kapitaleinkünfte (Zinsen und Dividenden) oder einen Nebenverdienst.

In der Pflicht dürften ebenso Ehepaare sein, von denen einer noch arbeitet. Und auch für Pensionäre (Beamte im Ruhestand) gilt: Wer Zusatzeinkünfte von über 410 Euro im Jahr hat, kommt wohl auch nicht um eine Steuererklärung herum.

Es kann passieren, dass das Finanzamt zwar Steuererklärungen verlangt, aber trotzdem keine Steuern fällig werden. Denn mit Freibeträgen und Pauschalen kann die Steuerlast gedrückt werden. Dazu gehört das Absetzen von Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträgen oder Ausgaben für Haftpflicht-, Unfall- und Sterbegeldversicherungen.

Auch Posten wie Spenden, Handwerkerlöhne, Praxisgebühren und Aufwendungen für die Gesundheit wie die Anschaffung von Brille, Zahnersatz oder Fahrten zur Klinik fallen ins Gewicht.

von Berrit Gräber

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