Der Steuer-Konz: Keine Angst vor Kirchhof

- Berlin - Franz Konz weiß, was kaum einer weiß: was auf der Giftliste von Paul Kirchhof steht. Jenem ominösen Papier, in dem der vielleicht zukünftige Finanzminister 418 Vergünstigungen und Subventionen zusammengeschrieben hat, die er aus dem Steuerrecht streichen möchte. Zwar hat Konz ebenso wenig reinlesen dürfen wie der Rest der Republik. Aber der frühere Steuerinspektor kennt sie alle, die Löcher und Winkel des Fiskalsystems.

Auch Angela Merkel weiß, dass er das weiß. Im TV-Duell mit Gerhard Schröder vor gut einer Woche tat die Kanzlerkandidatin so, als sei die Kirchhof-Liste kein Geheimnis: Den Inhalt könnten Interessierte in jeder Bahnhofsbuchhandlung nachschlagen. Sie nannte zwar keine Namen, aber es war klar, dass sie den Ratgeber von Konz meinte. Denn nur der steht im Regal jedes größeren Buchladens und trägt den Untertitel "1000 ganz legale Steuertricks"; ein Klassiker.

"Wer hat nicht in meine Bücher geschaut", fragt der 80-jährige Autor selbstbewusst. Vier Millionen Exemplare hat er in den letzten 20 Jahren verkauft. Insgesamt, so schätzt sein Verlag, hat Konz in dieser Zeit sieben Millionen Menschen beigebracht, wie sie Werbungskosten und Pendlerpauschale hoch- und die Abgabenlast runterrechnen können. Dabei führte er die Leser stets mit umgelegtem Arm durch die trockene Materie. "Das hat sich bewährt", so der Steuerpapst.

Obwohl seine Masche den Staat vielleicht schon Milliarden gekostet hat, plagt ihn kein schlechtes Gewissen. "Ich gebe dem kleinen Mann Gelegenheit, etwas zurückzuholen", sagt er. Und: Es mache ihm Freude, der Obrigkeit ein Schnippchen zu schlagen.

Da schlägt durch, dass der Rheinländer, der heute im Bergischen Land lebt, einmal eine schlechte Erfahrung gemacht hat mit der Macht von oben. Im Jahr 1952 hatte sie ihn für 17 Monate ins Kölner Gefängnis am Klingelpütz gesperrt. Zu Unrecht, wie er findet. Die Richter sahen es jedoch als erwiesen an, dass er Steuerfahnder beleidigt hatte, die dreimal sein Haus durchsuchten. Zudem soll er Beihilfe zur Steuerhinterziehung geleistet haben.

Schon damals hatte Konz, der als Finanzbeamter und dann als Steuerberater arbeitete, Bücher veröffentlicht. Darin zeigte er seiner Klientel wie heute, wie sie Geld vor dem Fiskus in Sicherheit bringen kann. Vielleicht vergriff er sich im Ton, aber das passierte ihm nie wieder. Seine Steuertricks, die er weiter aufschrieb, als er aus dem Knast kam, brachten ihm schließlich Millionen ein.

Damit könnte es bald vorbei sein. Sollte sich der Reformer Kirchhof durchsetzen und das Steuerdickicht ausholzen, gäbe es kaum noch Ratschläge, die Konz weitergeben könnte. Dennoch unterstützt er dessen Pläne: "Es wird Zeit, den gordischen Knoten in unserem System durchzuhauen", sagt er. Angst, dann arbeitslos zu werden, hat er nicht. Denn Konz steht auf zwei Beinen: Neben dem Steuer-Konz gibt er seit 1995 in mittlerweile 8. Auflage den Gesundheits-Konz heraus. Schon heute widmet er der Naturheilkunde weit mehr Zeit als den Steuerparagrafen. Mache irgendwie mehr Spaß.

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