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Ein Einspruch gegen den Einkommenssteuerbescheid kann viel Geld bringen.

Steuern: Jeder dritte Bescheid ist falsch

München - Steuerzahler bekommen in diesen Wochen ihre Bescheide fürs Jahr 2009. Man sollte Sie genau prüfen. Etwa jeder dritte ist falsch.

Rückzahlung oder Nachzahlung? Viele Tausend Bürger erhalten zurzeit ihren Steuerbescheid für 2009. Bei den Dokumenten ist jedoch Vorsicht geboten: Rein statistisch gesehen ist etwa jeder dritte Bescheid nicht korrekt. Genau prüfen statt sofort beiseitelegen kann daher bares Geld wert sein, raten Lohnsteuerexperten.

Denn auch Finanzbeamte machen Fehler: Fühlt sich ein Steuerzahler zu Unrecht zur Kasse gebeten, kann er den Bescheid des Finanzamts anfechten. Waren Ungereimtheiten, Kürzungen oder Streichungen tatsächlich nicht rechtens, kann er sich mit einem Einspruch unter Umständen Geld zurückholen. Oder er kann eigene Versäumnisse noch auf den letzten Drücker retten und Belege für 2009 nachschieben, wie Bernhard Lauscher vom Verband der Vereinigten Lohnsteuerhilfe (VLH) erläutert.

Gute Erfolgsaussicht

Die Mühe lohnt sich oft genug. Die Aussicht auf Erfolg sei gar nicht so schlecht, sagt Lauscher. Allein im vergangenen Jahr hätten die Finanzämter zwei Drittel der beanstandeten Steuerbescheide zugunsten der Bürger korrigiert.

„In vielen Fällen wird die erhoffte Steuererstattung erst nach einem Einspruch gezahlt“, sagt auch Marlies Spargen vom Neuen Verband der Lohnsteuerhilfevereine (NVL). Nach Angaben des Bundesfinanzministeriums setzten sich im vergangenen Jahr rund 5,3 Millionen Bürger zur Wehr.

Nur ein Monat Zeit

Wer sein Veto für 2009 einlegen will, muss sich allerdings sputen - vor allem, wenn das Schreiben zur Urlaubszeit schon eine Weile im Briefkasten lag. Nach Erhalt des Steuerbescheids bleibt nur ein Monat Zeit. Wurde er mit einfacher Post versendet, gilt das Schreiben am dritten Werktag als zugestellt. Wer seinen Einspruch nicht innerhalb der Monatsfrist schriftlich beim Finanzamt einreicht, hat Pech. Dann ist es in der Regel zu spät: Der Bescheid wird bestandskräftig.

Ein weit verbreiteter Fehler sind immer noch Zahlendreher. Die schleichen sich gern ein, wenn Steuerpflichtige ihre Erklärung in Papierform einreichen. Auch Finanzbeamte können etwas übersehen. Tippfehler können allerdings auch bei elektronischen Steuererklärungen durchrutschen, sagt Lauscher. Wird aus der Zahl 45 000 beispielsweise 54 000, kann die Steuerlast flugs um etwa 3000 Euro steigen.

Nachrechnen lassen

Hat der Steuerzahler entdeckt, dass der Beamte den Rotstift angesetzt und bestimmte Abzugsbeträge, Aufwendungen oder Pauschalbeträge berücksichtigt hat, sollte er ebenfalls reagieren. Wer Einspruch einlegt, hat Zeit, Ungereimtheiten notfalls von einem Lohnsteuerhilfeverein oder dem Steuerberater nachrechnen oder begründen zu lassen.

Der Haken am Einspruch: Der gesamte Steuerfall bleibt offen. Ein Finanzbeamter könnte dann von neuem nachrechnen und großzügig gewährte Posten womöglich wieder streichen. Das heißt im Amtsdeutsch Verböserung. Passiert das, gibt es immer noch die Möglichkeit, notfalls einen Rückzieher zu machen und den Einspruch letztendlich zurückzuziehen.

Wirrwarr im Amt

Sind Steuerzahler momentan mit deutlich überhöhten Vorauszahlungsbescheiden konfrontiert, sollten sie lieber keinen Einspruch einlegen, sondern lediglich einen Änderungsantrag auf Herabsetzung stellen, rät Lauscher. Dadurch sei nicht der gesamte Steuerfall betroffen, sondern nur der eine bemängelte Punkt. Wer Steuern für 2009 nachzahlen muss, bekommt mit dem Bescheid auch die Abschlagszahlungen auf die neue Jahressteuerschuld zugeschickt. Da die Vorsorgepauschale für Kranken- und Pflegeversicherung seit 2010 besser berücksichtigt werden muss, herrscht momentan jede Menge Wirrwarr in den Finanzämtern.

Die Notbremse

Hilfreich kann der Einspruch dagegen für den sein, der selbst schusselig war, in der Steuererklärung noch etwas vergessen oder falsch eingetragen hat. So lassen sich zum Beispiel Werbungskosten und außergewöhnliche Belastungen durch Krankheitsaufwendungen noch in letzter Minute retten.

Winkt das Finanzamt die Beanstandungen durch, muss der Steuerzahler nichts tun. Die Korrektur erfolgt automatisch. Zu viel Gezahltes wird zurückerstattet. Wird der Einspruch abgelehnt, ist die Steuer fällig.

Berrit Gräber

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