Steuern und Löhne: Reiche wie arme Deutsche zieht es in die Schweiz

- Genf - Boris Becker, Michael Schumacher oder Milch-Unternehmer Theo Müller zieht es in die Schweiz der niedrigen Steuern wegen. Aber Lieschen oder Karl-Heinz Müller kommen jetzt, weil sie in Deutschland keine Arbeit finden. Schon warnen Schweizer Gewerkschaften vor Lohndrückerei (Dumping), denn deutsche Maurer etwa seien schon mal bereit, für 15 statt für die vorgeschriebenen etwa 26 Franken (9,50 statt 16,75 Euro) zu arbeiten. Außerdem drängen vermehrt deutsche Akademiker in Führungspositionen Schweizer Unternehmen. In Zürich stellten die Deutschen 2003 erstmals mit 14,9 Prozent den höchsten Ausländeranteil.

<P>Möglich machen dies alles die so genannten bilateralen Verträge zwischen der Europäischen Union und der Schweiz. Seit dem 1. Juni dürfen Schweizer bei der Stellenvergabe nicht mehr bevorzugt werden, auch die bisher übliche Prüfung, ob der Arbeitsplatz unbedingt mit einem Deutschen besetzt werden muss, ist weggefallen.<BR><BR>Die "Sonntags-Zeitung" listete auf, was man so in der Schweiz verdienen kann: Als Verkäuferin etwa umgerechnet 2319 Euro statt 1370 in Westdeutschland. Ein Koch kommt in der Schweiz auf 2270 Euro im Monat, in Westdeutschland sind es nur 1535, in Ostdeutschland gar nur 1338 Euro. Und ein Bäcker bringt es in der Schweiz auf 2155 Euro, in Westdeutschland hätte er 1516 und in Ostdeutschland 1188 Euro verdient. Die Arbeitslosenquote in der Schweiz liegt derzeit bei für das Land ungewöhnlich hohen 3,7 Prozent, doch es fehlen Fachkräfte.<BR><BR>Zwar sind in der Schweiz die Lebenshaltungskosten höher, dafür aber die Steuern niedriger. Felix Sigrist vom Stellenvermittler Manpower in Zürich, der in Ostdeutschland Arbeitskräfte für Schweizer Firmen sucht, spricht denn auch davon, dass "die Augen leuchten, wenn ich von Schweizer Löhnen erzähle". Der Sekretär des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes, Serge Gaillard, warnt trotzdem davor, dass die Deutschen in der Schweiz ausgenutzt werden. "Deutsche Arbeitskräfte sind zum Teil bereit, eine Stelle zu tieferen Löhnen anzunehmen, als sie bei uns üblich sind." Im Übrigen stünden die Unterschiede nur auf dem Papier. Deutsche könnten sich von ihren Löhnen wegen der tieferen Preise in Deutschland genauso viel kaufen wie die Schweizer, und die Lohnnebenkosten seien in Deutschland höher.<BR><BR>Aber nicht nur im unteren Bereich der Lohnskala kommen die Deutschen in die Schweiz. In Zürich etwa stellen die Deutschen prozentual mehr Führungskräfte als die Schweizer, fand Alex Martinovits vom Amt für Stadtentwicklung in Zürich heraus. Und ein deutlicher Einkommens-Unterschied zeige sich zwischen der zweitgrößten Ausländergruppe, den Italienern, mit rund 50 000 Franken im Jahr und den sehr gut ausgebildeten Deutschen, die gegen 80 000 Franken verdienten. Dabei sei das Einkommen der Deutschen sogar noch höher als bei den Schweizern. "Deutschland ist somit ein Rekrutierungsland gut verdienender hoch spezialisierter Arbeitskräfte, die insbesondere in den letzten Jahren vermehrt eingewandert sind."<BR><BR>Auch Schumacher und Co. werden weiterhin in die Schweiz ziehen. Der Versuch von Sozialdemokraten und Grünen, das Steuerprivileg der Schönen und Reichen anzuknabbern, wurde gerade vom Parlament in Bern auf Eis gelegt. Ausländer wie der Formel-1-Weltmeister, dessen Vermögen auf 500 Millionen Euro geschätzt wird, zahlen im Jahr nur etwa das Fünffache ihrer Jahresmiete an Steuern. <BR></P><P><BR> </P>

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