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Xabi Alonso soll die Firma Kardzali mit Sitz auf Madeira gehören. 

Recherche des BR

Enthüllungen zur Steueroase Madeira: Auch ein Bayern-Spieler profitiert

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München - Eine Steueroase mitten in Europa, genehmigt von der Europäischen Kommission. Auf der Liste der Gewinner soll neben einer deutschen Rock-Band auch ein FC-Bayern-Spieler stehen.

Mit Steueroasen verbindet man gewöhnlich Länder wie Liechtenstein, die Schweiz oder neuerdings auch Panama. Recherchen des Bayerischen Rundfunks (BR Data und BR Recherche) sollen nun jedoch ergeben haben, dass es auch innerhalb der Europäischen Union einen Ort geben soll, an dem sich Unternehmen der niedrigen Steuern wegen ansiedeln: Madeira. 

Die portugiesische Insel liegt rund 950 Kilometer südwestlich von Lissabon und hat knapp 259.000 Einwohner. Laut Europäischer Kommission liegt die Arbeitslosenquote bei 14,7 Prozent und ist damit die Höchste Portugals. Wie der Bayerische Rundfunk berichtet, soll der Steuersatz seit 2013 bei fünf Prozent liegen - vorher hätten viele Unternehmen überhaupt keine Steuern zahlen müssen. Die niedrige Steuerpolitik werde durch die portugiesische Regierung und die EU-Kommission ermöglicht und soll eigentlich Wachstum und Arbeitsplätze auf Madeira schaffen. Doch wie der Bayerische Rundfunk nun herausgefunden hat, sei dies nicht oder nur kaum der Fall. 

Pepsi hat Tochterfirma auf Madeira

Seit 1987 genehmige die EU-Kommission die Niedrigsteuerpolitik für Madeira. Da der damalige Steuersatz von null Prozent nur auf der Insel gelten sollte und nicht in ganz Portugal, musste die EU-Kommission Rechtswegen nach eine Genehmigung dafür geben. Diese soll auch erteilt worden sein, allerdings wurde laut Bayerischen Rundfunk festgehalten, dass sich Madeira nicht zu einem „Offshore“-Finanzplatz in der Freihandelszone entwickeln dürfe. 

Eine aufwändige Auswertung der Unternehmensregister von Madeira durch das Rechercheteam des BR soll nun aber ergeben haben, dass zahlreiche große und bekannte Firmen auf der Insel Tochterfirmen gegründet haben sollen und Milliardenumsätze darüber verbucht haben sollen. Steuern sollen sie jedoch nur wenig oder sogar gar nicht gezahlt haben. Zu den Firmen sollen beispielsweise der US-Ölkonzern Chevron und der Getränkeproduzent Pepsi gehören. 

Profitieren Xabi Alonso und die Böhsen Onkelz auf Madeira?

Neben großen Konzernen sollen sich aber auch alte Bekannte auf der Liste der Gewinner von Madeira wiederfinden. Beispielsweise Jerome Valcke, der ehemalige Generalsekretär der FIFA. Ihm gehöre seit knapp einem Jahr eine Firma namens Galatic Leisure, die auf Madeira angesiedelt sein soll. Auch Bayern-Spieler Xabi Alonso soll in den BR-Recherchen auftauchen. Ihm gehöre angeblich die Firma Kardzali. Abseits der Fußballwelt solle auch die deutsche Rock-Band Böhse Onkelz eine Firma namens Ciboule-Rading e Marketing LDA besitzen. Darüber würden die Rocker Millionen-Einnahmen verbuchen, so der BR.

Trotz der Steuererleichterungen für die inzwischen knapp 1870 Firmen auf Madeira, würde diese lediglich rund 2720 Arbeitsplätze anbieten. Hinzu komme laut BR jedoch, dass einzelne Geschäftsführer bei mehreren hundert Firmen eingetragen seien. Dadurch tauche eine einzelne Person mehrfach in der Arbeitsplatzstatistik auf. 

Sechs Arbeitsplätze für 30 Millionen Euro Gewinn

Anders als in vielen Steueroasen reiche es auf Madeira nicht, lediglich eine Briefkastenfirma zu eröffnen. Um in den Genuss der Steuervorteile zu kommen, müsse ein voll eingerichtetes Büro im Osten der Insel gegründet werden. Der Gewinn der Unternehmen richte sich dann, laut einer Düsseldorfer Anwaltskanzlei nach der Anzahl der geschaffenen Arbeitsplätze. So müssten bei zwei Millionen Euro Gewinn, ein bis zwei Arbeitsplätze geschaffen werden, bei 2,6 Millionen Euro seien es drei bis fünf Arbeitsplätze und bei 16 Millionen Euro seien es sechs bis 30 Arbeitsplätze. Schaffe man innerhalb von zwei Jahren weniger als fünf Arbeitsplätze, müsse man 75.000 Euro in das Unternehmen investiert . 

Auch wenn die Europäische Kommission das Ziel von Arbeitsplatzschaffungen verfolge, zeigen die Recherchen des Bayerischen Rundfunks, dass diese Methode vielen wohl verhelfen soll, Geld zu verdienen - beinahe ohne die Schaffung der gewünschten Jobs.

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