Steuerrabatt für Gast-Manager

- München - Lassen sich internationale Spitzenkräfte über einen Steuerrabatt nach Deutschland locken? 30 Prozent Pauschalsteuer will der hessische Ministerpräsident Roland Koch für ausländische Spitzenverdiener einführen. Ein Sonder-Steuerrecht für Ausländer?

<P>Koch erntete dafür nicht nur Kritik - unter anderem aus der FDP. Aus Rheinland-Pfalz kam sogar Lob vom politischen Gegner. Der rheinland-pfälzische SPD-Finanzminister Gernot Mittler bekundete gegenüber der "Berliner Zeitung" "viel Sympathie" für diese Idee. Doch generell wandten sich Vertreter von Rot-Grün gegen die Pläne des hessischen Ministerpräsidenten.<BR><BR>Eine Art Steuer-Greencard für gesuchte Führungs- und Fachkräfte soll werden, was von Kochs Finanzminister Karlheinz Weimar in den Bundesrat eingebracht wurde. Diesen Gast-Managern wird dem Vorschlag zufolge die für deutsche Arbeitnehmer obligatorische Auseinandersetzung mit dem Steuer-Dschungel made in Germany erspart. Außer einer Pauschalsteuer von 30 Prozent haben sie mit dem Fiskus nichts zu tun. Kein Streit über Werbungskosten oder über Sonderausgaben. Denn absetzen kann, wer in den Genuss der Koch-Steuer kommt, nichts mehr.<BR><BR>Damit ist fraglich, ob für die meisten in Frage kommenden Betroffenen unter dem Strich ein Vorteil herauskommt. Denn 30 Prozent Pauschalsteuer konkurrieren mit 42 Prozent Spitzensteuersatz. Bei diesem kann vom Einkommen eine Menge abgezogen werden, unter anderem das steuerfreie Existenzminimum. Erst darüber schlägt der Fiskus zu - zunächst mit dem maßvollen Eingangssteuersatz.<BR><BR>In vielen Fällen bleibt also unter dem Strich die Belastung unter 30 Prozent. Rein rechnerisch profitieren Arbeitnehmer ab einem Jahreseinkommen von 76 000 Euro von der Koch-Steuer. Das haben Experten der hessischen Regierung ausgerechnet. Für Verheiratete lohnt sich demnach die Pauschalbesteuerung ab 149 000 Euro. Allerdings rückt die Grenze mit jedem Steuerspar-Modell, das ein Arbeitnehmer einsetzen kann, nach oben.<BR><BR>Schon bisher agieren in Deutschland viele Spitzenmanagern, die sich freiwillig den Torturen der deutschen Besteuerung aussetzen. Durch die Bank kommen Ausländer, die an der Spitze von Dax-Unternehmen stehen, aus Ländern, die immer als Vorbild für ein einfacheres Steuersystem gehandelt werden. Aus der Schweiz ist das neben Josef Ackermann (Deutsche Bank) Werner Seifert (Deutsche Börse). Die Deutsche Lufthansa wird vom Österreicher Wolfgang Mayrhuber geleitet. Der Niederländer Harry Roels ist Chef des Energieversorgers RWE. Und Ben Lipps aus den USA führt die Geschäfte bei Fresenius Medical Care.<BR><BR>In einzelnen Branchen sind ausländische Manager besonders aktiv. Das gilt beispielsweise in der Medienbranche, wo vor allem Alpenländer stark vertreten sind, etwa durch den Premiere-Chef Georg Kofler (Südtirol) oder den ehemaligen Pro-Sieben-Sat1-Vorstandsvorsitzenden Urs Rohner (Schweiz).<BR>Doch sie alle sollen gar nicht von dem Hessen-Vorschlag profitieren. Denn Ackermann, Mayrhuber und Co. halten dem deutschen Fiskus schon zu lange die Treue. Lediglich Spitzenkräfte, die nur für drei Jahre ins Land kommen, sollen in den Genuss eines einfacheren Steuerrechts kommen.<BR><BR>Im Antrag ist von höchstens "drei Veranlagungszeiträumen" die Rede. Dabei lässt der Gesetzentwurf aus Hessen den Ausländern die Wahl. Wer glaubt, dass für ihn deutsche Steuersätze und die zugehörigen Ausnahmen günstiger sind, der wird auf Wunsch steuerlich genauso behandelt wie ein Einheimischer.<BR></P>

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