Steuerreform: So wirkt sich die Einigung in Euro und Cent aus

- Die entscheidende Frage "Was kommt unterm Strich raus?" interessiert im nächtlichen Polit-Marathon nicht so sehr. Man operiert mit abstrakten Formeln und Zahlen. Hätte nicht ein Mitarbeiter des Bundes der Steuerzahler mit guten Beziehungen zu Verhandlungskreisen die Formel zugesteckt bekommen, die Ministerien würden noch immer rechnen. Nun haben wir doch schon Ergebnisse.

<P>Der Eingangssteuersatz wäre ohnehin planmäßig von 19,9 auf 17 % gesunken. Finanzminister Hans Eichel wollte die weitere Senkung (die nun 2005 kommt) vorziehen. Man einigte sich in der Mitte: 16 %. Da der Grundfreibetrag von 7235 Euro auf 7664 Euro (geplant waren 7426) steigt, haben die kleineren und mittleren Einkommen in der Tendenz etwas mehr von der halben Reform.<BR>Bei höheren Einkommen ist es umgekehrt. Der Spitzensteuersatz (2003: 48,5 %) sinkt nicht wie bereits beschlossen auf 47 % und nicht - wie von der Regierung gefordert - auf 42 %, sondern auf 45 %. Da aber alle vom höheren Grundfreibetrag profitieren, ergibt das erst für Spitzeneinkommen etwas weniger als die Hälfte der für 2005 geplanten Entlastung. Für die meisten Steuerzahler kann man von einem mehr als halben Vorziehen der Steuerreform sprechen:</P><P>Ledig, 30 000 Euro</P><P>Ein lediger Angestellter mit 30 000 Euro zu versteuerndem Einkommen zahlt derzeit ohne Soli und Kirchensteuer 6418 Euro ans Finanzamt. Diese Belastung wäre ohnehin um 167 Euro gesunken. Eichel wollte weitere 445 Euro nachlassen (was nun 2005 kommt). Der Kompromiss sieht 302 Euro zusätzliche Entlastung vor - also mehr als die Hälfte dessen, was Eichel plante.</P><P>Verheiratet, 40 000 Euro</P><P>Bei einem verheirateten Alleinverdiener mit 40 000 Euro zu versteuerndem Jahreseinkommen betrug die geplante Entlastung 324 Euro. Eichel wollte 445 Euro zusätzlich. Im Vermittlungsausschuss wurden daraus 356 Euro, ebenfalls deutlich mehr als die Hälfte.<BR><BR>Geschieden, 100 000 Euro</P><P>Ein geschiedener (oder lediger oder verwitweter) Spitzenverdiener mit 100 000 Euro zu versteuerndem Einkommen gibt derzeit dem Fiskus 38 623 Euro. 2004 wäre ohne Einigung dieses Belastung um 855 Euro gesunken. Eichels Plan war eine zusätzliche Entlastung von 3700 Euro. Diese Entlastung wurde nun im Vermittlungsausschuss auf 1630 Euro mehr als halbiert.</P><P>Pendler</P><P>Pendler sind zunächst die Gewinner des Kompromisses: Die von Eichel geplante Kürzung der Pendlerpauschale hätte dem Ledigen mit 30 000 Euro die Zusatz-Entlastung bereits bei rund 25 Kilometer Weg zur Arbeit fast aufgezehrt. Die nun beschlossene Kürzung kostet ihn 154 Euro. Unterm Strich bleiben also 148 Euro Entlastung. Der Verheiratete mit 40 000 Euro Gehalt hätte ebenfalls bei 25 Kilometer fast nichts von der zusätzlichen Entlastung gehabt. Jetzt bleiben ihm 2004 unter dem Strich 226 Euro.</P><P>Dennoch werden Pendler langfristig am wenigsten vom Vorziehen der Steuerreform profitieren. Denn die Entlastungswirkung wäre 2005 ohnehin gekommen. Die Mehrbelastung (durch die Kürzung der Pauschale) bleibt dagegen dauerhaft erhalten.<BR>So kann es vor allem für Fernpendler überlegenswert sein, einen Zweitwohnsitz am Arbeitsort in Erwägung zu ziehen. Denn unabhängig von der Reform sind die Steuererleichterungen für doppelte Haushaltsführung künftig nicht mehr auf zwei Jahre beschränkt.</P><P>Weniger fürs Eigenheim</P><P>Die Kürzung der Eigenheimzulage um 30 % muss nur befürchten, wer den Anspruch erst 2004 erwirbt. Altfälle, wenn sie noch vor Silvester 2003 greifen, genießen Vertrauensschutz.<BR><BR></P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Volkswagen senkt Vorstandsgehälter 
Wolfsburg - Nach dem Abgasskandal und heftiger Kritik an der Manager-Entlohnung deckelt Volkswagen die Vorstandsgehälter.
Volkswagen senkt Vorstandsgehälter 
Diese Kartoffelsalate könnten Metallteile enthalten
Braunschweig/Oberdolling - Die Firma Amberger im bayerischen Oberdolling hat Kartoffelsalate der Marken Dolli und Feldmühle zurückgerufen.
Diese Kartoffelsalate könnten Metallteile enthalten
Stada-Großaktionär AOC dringt auf maximalen Verkaufspreis
Bad Vilbel (dpa) - Der Stada-Großaktionär AOC pocht im Bieterrennen um den Pharmakonzern auf einen möglichst hohen Preis. "Wir verlangen, dass sowohl der Vorstand als …
Stada-Großaktionär AOC dringt auf maximalen Verkaufspreis
Betriebsräte wollen vor Opel-Verkauf Allianz schmieden
Rüsselsheim - Die Betriebsräte von Opel/Vauxhall wollen gemeinsam mit ihren Kollegen bei PSA für gute Bedingungen bei der geplanten Übernahme des Auto-Herstellers …
Betriebsräte wollen vor Opel-Verkauf Allianz schmieden

Kommentare