Steuersparmodelle: Fiskus zeigt Anlegern ab sofort kalte Schulter

- München - Die Trittin-Schonfrist für Steuersparer hat nicht gehalten. Gestern entschied das neue Bundeskabinett, einige Steuerschlupflöcher rückwirkend zu stopfen. Stichtag ist der 10. November. Wer seither noch schnell einen Vertrag unterschrieben hat, um sich Steuervorteile zu sichern, kann diese nun weitgehend in den Wind schreiben.

Dabei war die großzügige Beteiligung des Fiskus ein lukratives Geschäft vor allem für Vermögende mit hohem Einkommensteuersatz. Verluste bei einem Investment konnten zum Beispiel mit dem hohen Gehalt steuermindernd verrechnet werden. Meist wurden die entsprechenden Verträge sogar ausschließlich wegen des Steuervorteils abgeschlossen.

Verträge ungültig, sobald Steuervorteile wegfallen

Ohne künstlich erzeugte Verluste wären sie für Anleger uninteressant gewesen. Dieses Schlupfloch ist nun gestopft. Die Verluste können nur noch mit späteren Gewinnen aus derselben Quelle verrechnet werden. Steuerlich ist das weitgehend uninteressant.

Das wusste auch der ehemalige Umweltminister, der - weil er auch Windkraftfonds betraf - einen Schnellbeschluss des alten Kabinetts verhinderte. Geholfen hat es nichts. Windkraftfonds werden nun weniger attraktiv. Medienfonds, die Hollywood-Produktionen finanzieren, und Schiffsfonds, die Werften in Korea über die Runden halfen, haben ihren steuerlichen Anreiz verloren.

Was können Anleger aber tun, wenn sie sich in den letzten Wochen auf einen Steuersparfonds eingelassen haben, der ihnen nun nichts mehr bringt? Panik ist nicht angesagt. Solche Verträge haben für den Fall, dass der Steuervorteil wegfällt, eine Rücktrittsklausel eingebaut.

Denn was das Bundeskabinett erst jetzt beschlossen hat, ist bereits seit dem Frühjahr in der Diskussion. Seriöse Vermittler haben den aktiven Vertrieb bereits vor der Wahl eingestellt, bestätigt Harald Fischer von der Gebhardbank. In aller Regel werden Anleger jetzt diese Verträge wieder rückgängig machen.

Viele Möglichkeiten, auf andere Steuerschlupflöcher auszuweichen, bleiben nicht: Denn nicht nur Fonds mit hohen Verlustzuweisungen sind betroffen. Wer Verluste aus selbstständiger Arbeit mit Gewinnen aus anderen Bereichen verrechnen konnte, kann das künftig ebenso wenig tun wie bei Verlusten aus Vermietung und Verpachtung. Allerdings können auch in diesen Fällen anfängliche Verluste mit späteren Gewinnen verrechnet werden.

Rein steuerlich dürften damit andere Anlageformen wieder interessant werden: Aktien, bei denen Ausschüttungen durch das Halbeinkünfteverfahren steuerlich begünstigt sind, und die künftig mit einem gewissen Rabatt besteuerte langfristige Kursgewinne erwarten lassen. Letztlich ist das auch ein Steuersparmodell.

Auch andere Steuerschlupflöcher wird es weiterhin geben. Eines hat die neue Regierung im Koalitionsvertrag sogar ausdrücklich bekräftigt: die Tonnagebesteuerung. Bei Schiffen, die unter deutscher Flagge fahren, werden nicht Gewinn oder Verlust besteuert, sondern eine sehr geringe Steuer nach der Schiffsgröße berechnet.

Anleger müssen mit spitzer Feder rechnen

Solange die Schiffe gute Gewinne einfahren, bleiben diese fast steuerfrei. Wer in solche Schiffe investiert, kann also weiter Steuern sparen. Doch auch dieses Modell ist zweischneidig: Man muss sich auf - mitunter lange - Durststrecken einstellen. Denn wenn ein Schiff Verlust macht, wird weiter Steuer fällig. Denn dann kassiert der Fiskus die Pauschalsteuer auch ohne jeden Gewinn und der Investor zahlt, selbst wenn er keinerlei Ertrag hat. Anleger sollten mit spitzer Feder nachrechnen, bevor sie sich darauf einlassen.

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