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Wer auch zuhause arbeitet, konnte bis 2007 Kosten für sein heimisches Arbeitszimmer steuerlich geltend machen. Nun könnte diese Regelung wieder kommen.

Steuerstreit ums Arbeitszimmer

München - Millionen Bürger dürfen darauf hoffen, dass sie bald wieder ihr häusliches Arbeitszimmer von der Steuer absetzen können. Auch eine Erstattung für vergangene Jahre ist denkbar. Wir erklären, was Sie darüber wissen sollten.

Der Steuervorteil von bis zu 1250 Euro für ein heimisches Arbeitszimmer war 2007 nahezu komplett abgeschafft worden. Doch nun könnte er zurückkehren. „Es mehren sich die Anzeichen, dass die rigide Neuregelung in Sachen Arbeitszimmer doch verfassungwidrig ist“, sagt Carsten Rothbart, Sprecher des Deutschen Steuerberaterverbandes. Wer rückwirkend noch profitieren will, sollte sich kümmern, seine Steuerbescheide unter die Lupe nehmen und, wenn möglich, nachbessern.

Erst kürzlich hatte das höchste deutsche Finanzgericht, der Bundesfinanzhof in München, Zweifel am Aus für die Absetzbarkeit angemeldet. Eine endgültige Entscheidung wird, wie schon bei der Pendlerpauschale, das Bundesverfassungsgericht treffen.

Die Betroffenen

Seit 2007 zählt ein Heimbüro nur noch dann, wenn es Dreh- und Angelpunkt der gesamten beruflichen Tätigkeit ist. Dadurch haben nicht nur Lehrer, Richter oder Dozenten den Vorteil eingebüßt, sondern auch unzählige Außendienstmitarbeiter und Freiberufler quer durch alle Berufsgruppen, Teilzeitkräfte oder auch Rentner mit Nebenjob. Betroffen sind auch Beschäftigte, die mehr als 50 Prozent daheim arbeiten, nicht ständig einen eigenen Schreibtisch im Unternehmen haben oder eine Nebentätigkeit von daheim aus managen. Mehrere Steuerzahler waren dagegen vor Gericht gezogen.

Der Anspruch

Sollte das Verfassungsgericht die Regelung kippen, haben jene Steuerzahler beste Chancen auf eine Erstattung, die die Kürzung ignoriert und die Kosten fürs Heimbüro – wie früher üblich – angesetzt hatten. Zwar wurden die Posten in der Steuererklärung vom Finanzamt wieder gestrichen. Der Betroffene konnte allerdings Einspruch einlegen gegen die Nicht-Anerkennung im Steuerbescheid – zur Vorsorge, falls das Aus fürs Arbeitszimmer eines Tages zurückgenommen wird. Viele Steuerberater und Lohnsteuerhilfevereine hatten immer wieder dazu geraten.

Seit April dieses Jahres ist die Lage einfacher geworden. Seitdem sind die Finanzämter vom Bundesfinanzministerium angewiesen, Steuerbescheide in diesem Punkt automatisch bis zur höchstrichterlichen Klärung offenzuhalten (Aktenzeichen: IV A 3-S 0338/07/10010). Im eigenen Steuerbescheid nachsehen kann sich lohnen, meint Uwe Rauhöft vom Neuen Verband der Lohnsteuerhilfevereine. Wer den Vorläufigkeitsvermerk findet, ist auf der sicheren Seite. Wer keinen Hinweis entdeckt, sollte sich rasch mit seinem Finanzamt in Verbindung setzen und Einspruch einlegen.

Die Erstattung

Für die Jahre 2007 und 2008 lassen sich Ansprüche noch nachträglich geltend machen. Zum Beispiel dann, wenn man seine Steuererklärung für diese Zeit noch nicht abgegeben hat. Oder wenn der Steuerbescheid noch nicht bestandskräftig ist. Das wird er in der Regel innerhalb von einem Monat nach Erhalt. Ist die Frist ohne aktiven Einspruch oder automatischen Vermerk abgelaufen, kann der Steuerzahler wahrscheinlich nicht mehr profitieren, erläutert Rothbart.

Rückerstattungen für Bürger, die ihr Arbeitszimmer nicht wie gewohnt absetzten, kann es dann nur noch in einigen Sonderfällen geben. Zum Beispiel, wenn man aus einem anderen Grund bereits Einspruch gegen den Steuerbescheid eingelegt hat. Etwa wegen der Nichtanerkennung von Kinderbetreuungskosten. Dann ist der Bescheid offen. Die Kosten fürs Heimbüro dürften in diesem Fall nachgeschoben werden, betont Rauhöft.

Gleiches gilt, wenn ein Steuerbescheid „unter Vorbehalt der Nachprüfung“ ergangen ist. Beispielweise, wenn das Finanzamt noch Belege nachfordert bei Vermietungen oder Gewinneinkünften, wie Rothbart erläutert. In diesem Fall darf ebenfalls nachgebessert und das Arbeitszimmer nachträglich geltend gemacht werden.

Eine dritte Chance auf Geld zurück bietet sich, wenn man Steuern nachzahlen muss und der Steuerbescheid vom Finanzamt geändert wurde. Auch diese Möglichkeit kann man nutzen, um Kosten fürs Büro nachzuschieben, wie Experte Rauhöft empfiehlt.

Berrit Gräber

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