+

Steuersünder-CD: 1100 Verfahren eingeleitet

Stuttgart/München - Nach dem Ankauf der Steuersünder-CD aus der Schweiz kommen die Ermittlungen ins Rollen.  Gegen 1100 Kunden der Credit Suisse wurden Ermittlungsverfahren eingeleitet.

“Wir haben 1.100 Ermittlungsverfahren gegen Kunden und Bankmitarbeiter der Credit Suisse eingeleitet“, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Düsseldorf der “Frankfurter Rundschau“ (Samstagsausgabe). Unterdessen kam es nach einem Bericht der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ in Süddeutschland zu ersten Hausdurchsuchungen. Laut “FAZ“ erschienen die Beamten bei Privatleuten in Süddeutschland, die keine Selbstanzeige abgegeben hatten, mit einem gerichtlichen Durchsuchungsbeschluss. Die Zeitung berichtete unter Berufung auf den Rechtsanwalt der Betroffenen, die Steuerfahnder verfügten über Beweismaterial ziemlich guter Qualität. Schon bei ihrem Erscheinen hätten sie den exakten Betrag gekannt, der auf einem Konto einer Schweizer Bank lag.

“Die sitzen in den Startlöchern“

Der Steuerstrafverteidiger vermute aufgrund seiner Gespräche mit der Finanzverwaltung, dass in der kommenden Woche die erste Welle von Ermittlungsmaßnahmen anrollen könnte, berichtete die Zeitung. “Die Sitzen in den Startlöchern“, zitierte die “FAZ“ den Rechtsanwalt. Laut “Frankfurter Rundschau“ (“FR“) sind neben den Steuersündern auch Bankmitarbeiter im Visier der Steuerfahnder. “Wir ermitteln auch gegen unbekannte Bank-Mitarbeiter wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung“, zitiert die Zeitung den Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Die Credit Suisse habe bislang nicht mit den Ermittlern kooperiert. “Unterstützung und Hilfe erwarten wir da nicht unbedingt.“ Die Ermittlungsverfahren seien an Staatsanwaltschaften und Steuerfahndungsstellen im ganzen Bundesgebiet abgegeben worden berichtet die “FR“ unter Berufung auf den Sprecher. Der Großteil der Fälle betreffe Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Hessen. Verdächtige müssten nun mit Hausdurchsuchungen rechnen. Öffentlichkeitswirksame Festnahmen sollten aber vermieden werden.

Noch keine Durchsuchungen in Bayern

Die Finanzministerien in Baden-Württemberg und Bayern bestätigten der Nachrichtenagentur DAPD am Freitag, dass erste Steuerdaten aus der von Nordrhein-Westfalen erworbenen CD übermittelt worden seien. Zur Frage, ob es bereits zu Hausdurchsuchungen gekommen sei, wollte die baden-württembergische Behörde jedoch aus ermittlungstaktischen Gründen keine Stellung nehmen. In Bayern erklärte ein Sprecher, seines Wissens habe es noch keine Durchsuchungen im Freistaat gegeben. Die Daten würden derzeit von einer Koordinierungsstelle im Landesamt für Steuern geprüft und gegebenenfalls an die zuständigen Stellen weitergeleitet.

In Hessen gibt es nach Auskunft des dortigen Finanzministeriums 131 Fälle von der CD. Sie würden derzeit bearbeitet, sagte ein Sprecher. Zu Hausdurchsuchungen sei es noch nicht gekommen. Auch das rheinland-pfälzische Finanzministerium bestätigte den Eingang von Daten. Diese würden geprüft. Auch in diesem Bundesland habe es noch keine Durchsuchungen gegeben, sagte ein Sprecher Die von Nordrhein-Westfalen Ende Februar für rund 2,5 Millionen Euro erworbene Daten-CD soll Angaben zu etwa 1.500 mutmaßlichen deutschen Steuerhinterziehern enthalten.

dapd

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Lebensmittelpreise steigen überdurchschnittlich
Berlin/Wiesbaden - Jahr für Jahr wird der Einkauf teurer, wenn auch das Plus wieder unter einem Prozent liegt. Vor der Grünen Woche betonen die Bauern: Sie brauchen …
Lebensmittelpreise steigen überdurchschnittlich
Dax legt leicht zu
Am deutschen Aktienmarkt geht es wieder ein bisschen bergauf. Die Rede der britischen Premierministerin vom Vortag hat die Gemüter etwas beruhigt.
Dax legt leicht zu
Deutsche Bank streicht Boni für Top-Manager zusammen
Deutschlands größtes Geldhaus räumt auf - das kostet und soll auch an der Führungsebene nicht spurlos vorbeigehen. Der Bonustopf für 2016 fällt bei der Deutschen Bank …
Deutsche Bank streicht Boni für Top-Manager zusammen
Mifa-Sanierung in Eigenverwaltung gescheitert
Magdeburg (dpa) - Die Zukunft des traditionsreichen Fahrradherstellers Mifa und seiner rund 500 Arbeitsplätzen ist unsicherer den je. Der Versuch, die Firma in …
Mifa-Sanierung in Eigenverwaltung gescheitert

Kommentare