Steuervorteile und besonderer Schutz für Schwerbehinderte

- 6,7 Millionen Menschen in Deutschland sind derzeit als schwerbehindert anerkannt, gut drei Millionen von ihnen waren unter 65 Jahre. 84 Prozent der Behinderungen entstehen im Laufe des Erwerbslebens. Doch wer gilt als schwerbehindert, was ist bei der Antragstellung zu beachten und welche Hilfen gibt es für die Betroffenen?

Behinderung

Auch wenn das Symbol für Behinderte ein Mann im Rollstuhl ist, sind doch nur relativ wenige Behinderungen derart auffällig. Herzkrankheiten, orthopädische Leiden, Krebs ­- damit werden Schwerbehindertenausweise zumeist beantragt. Überwiegend (83%) wurde die Behinderung durch eine Krankheit verursacht; 5% waren angeboren, 2% auf einen Unfall oder eine Berufskrankheit zurückzuführen. Als schwerbehindert gilt, wem vom Versorgungsamt ein Grad der Behinderung von mindestens 50 Prozent, z. B. für eine amputierte Hand, zuerkannt wird.

Anerkennung

Den Antrag auf Feststellung einer Schwerbehinderung stellt man beim zuständigen Versorgungsamt. Antragsformulare gibt es dort, bei den Integrationsämtern, den örtlichen Fürsorgestellen und Sozialämtern sowie bei Behindertenverbänden und häufig auch bei den Schwerbehindertenvertretungen in den Betrieben. Zuvor sollte man sich von der Schwerbehindertenvertretung, dem Betriebsrat oder der Gewerkschaft beraten lassen. Wenn Sie Ihre Ärzte nicht von der Schweigepflicht entbunden haben, werden Sie gegebenenfalls durch das Versorgungsamt untersucht. Dies kann das Verfahren um etliche Monate verlängern.

Widerspruch

Gegen den Bescheid des Versorgungsamtes kann innerhalb eines Monats formlos Widerspruch erhoben werden: "Gegen den Bescheid vom ... erhebe ich hiermit Widerspruch. Die schriftliche Begründung folgt." Die Begründung sollte man mit seinem Hausarzt besprechen.

Steuerfreibeträge

Je nach Grad der Behinderung gibt es Steuerfreibeträge zwischen 310 und 1420 Euro jährlich. Für Blinde, hilflose und behinderte Menschen in der Pflegestufe III erhöht sich der Pauschbetrag auf 3700. Unter bestimmten Voraussetzungen können bei der Steuererklärung darüber hinaus weitere außergewöhnliche Belastungen geltend gemacht werden (z.\x0fB. Auto-, Kinderbetreuungs- oder Krankheitskosten, Heimunterbringung).

Arbeitserleichterungen

Schwerbehinderten stehen fünf Tage zusätzlicher Sonderurlaub zu. Dann haben sie einen besonderen Kündiungsschutz. Bevor der Arbeitgeber einen Behinderten entlassen darf, muss nämlich das Integrationsamt zustimmen. Weiter können schwerbehinderte Menschen verlangen, von Überstunden freigestellt zu werden. Sonn-, Feiertags- bzw. Nachtarbeit und Bereitschaftsdienst können die Betroffenen dagegen nicht generell ablehnen.

Weitere Hilfen

Die Agenturen für Arbeit fördern die Einstellung und Beschäftigung schwerbehinderter Menschen durch Geldleistungen an Arbeitgeber. Vor allem die Integrationsämter geben Hilfen im Arbeitsleben, durch die die Beschäftigung der Betroffenen gesichert wird. So können Hebehilfen oder besondere Stühle finanziert werden.

Früher in Rente

Schwerbehinderte können schon mit 63 Jahren die volle Rente ohne Abschläge erhalten. Ein vorzeitiger Renten-Bezug meist mit Abschlägen von bis zu 10,8 Prozent ist ab dem 60. Lebensjahr möglich.

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