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Auch heuer wohl kein Gewinn: Umbauten verursachen hohe Kosten bei der Bayerischen Landesbank.

Die Steuerzahler müssen warten

München - Nach einem horrenden Verlust im vergangenen Jahr wird die Bayerische Landesbank wohl auch heuer keinen Gewinn erzielen. Wann der Freistaat Milliarden Steuergelder, die er in das Institut gesteckt hat, zurückbekommt, ist nicht abzusehen.

Im November 1992, wenige Tage nachdem ein Brand in Schloss Windsor Gemächer verwüstet und Kunstwerke vernichtet hatte, soll die britische Königin Elizabeth II. den Begriff des „annus horribilis“ geprägt haben, des Schreckensjahres – in ironischer Anspielung auf das lateinische Wunderjahr „annus mirabilis“. Der Chef der Bayerischen Landesbank, Michael Kemmer, hat das „annus horribilis“ gestern aufgegriffen, als er die Bilanz seines Hauses zog. Dieses war infolge der Finanzkrise im übertragenen Sinn abgebrannt.

Es war einiges zusammengekommen im Schreckensjahr 2008 der BayernLB: Der Wertverfall bei strukturierten Papieren, Ausfälle wegen Engagements bei der zusammengebrochenen US-Bank Lehman Brothers und in Island. Alles in allem kostete das die Landesbank 5,4 Milliarden Euro, wie Finanzvorstand Stefan Ermisch vorrechnete. Weil das Institut in seinem Kerngeschäft noch ein Plus von einigen hundert Millionen Euro erwirtschaftete, blieb unter dem Strich ein Minus von 5,1 Milliarden Euro. Es dürfte der größte Verlust in der 125-jährigen Geschichte der Bank sein. Und wenn der Freistaat nicht zehn Milliarden Euro in die BayernLB gesteckt hätte, würde es sie wohl nicht mehr geben.

„Es ist zu bedauern, dass vor allem die bayerischen Steuerzahler in Anspruch genommen werden mussten, um die existenzbedrohende Lage der BayernLB zu beseitigen“, räumte Kemmer ein. Er wolle auch nicht behaupten, die Finanzkrise sei „wie eine Naturkatastrophe über uns hereingebrochen“. „Mit dem heutigen Wissen würde die Bank sicherlich manche Geschäftsentscheidungen anders treffen.“

Ob und wann die Steuermilliarden zurückfließen, ist allerdings offen. Für heuer gilt ein Gewinn als nahezu ausgeschlossen. Es sei eine „sehr große Herausforderung, wieder die Gewinn-Schwelle zu erreichen“, kündigte Ermisch an. Zwar sieht sich das Institut nach der Kapitalspritze des Freistaats solide aufgestellt. Und man habe im Januar und Februar positive Ergebnisse in allen Konzernteilen erzielt. Doch ein immenser Kostenfaktor wird alle operativen Erfolge belasten: ein radikaler Umbau der Bank, der auch den Abbau von 5600 der rund 20 000 Arbeitsplätze vorsieht. Dies soll künftig etwa 650 bis 700 Millionen Euro Einsparungen pro Jahr bringen, werde aber vermutlich zunächst Anlaufkosten in selber Höhe verursachen, sagte Ermisch.

Selbst wenn sich das Geschäft also heuer gut entwickelt, wird am Ende wohl kein Gewinn bleiben. Dementsprechend wird der Freistaat auch keine Dividende auf sein eingesetztes Kapital erhalten. Und die bayerischen Sparkassen, die neben ihrer – nur noch geringen – direkten Beteiligung auch in Form von stillen Einlagen bei der BayernLB engagiert sind, werden wohl erneut auf eine Verzinsung verzichten müssen. Es sei eine Langstrecke zu bewältigen, bis der Freistaat sein Geld zurückbekommt, sagte Kemmer. Am ehesten werde das über eine Privatisierung – also den Verkauf – der Bank gelingen. Beabsichtigt ist dieser Schritt bis 2015. Allenfalls könnten Teile des Konzerns schon früher versilbert werden.

Während Kemmer Aktivitäten wie die Landesbausparkasse LBS als „wesentliche Säule“ bezeichnete, nannte er das Südosteuropageschäft mit den Töchtern MKB und HGAA lediglich „relevant“. Beide Töchter sollen mittelfristig „kapitalmarktfähig“ werden. „Dann stehen uns alle Optionen offen“, sagte der Bankchef. Doch auf die Schnelle werde sich angesichts der weltweiten Turbulenzen bei Bank-Verkäufen nichts tun. Auch die EU, die das Geschäftskonzept der BayernLB wegen der Staatshilfen absegnen muss, macht laut Kemmer keinen Druck zu entsprechenden Maßnahmen. Es gebe „keine Signale, dass uns die EU zu Notverkäufen zwingen würde“, sagte er.

Dominik Müller

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