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Sein letzter großer Wurf: Mit dem iPad verhalf Steve Jobs den Tabletcomputern zum Durchbruch.

Steve Jobs: Der Unersetzliche

Seine Anhänger nannten ihn Genie, Guru, sogar iGod: Steve Jobs, der Mitgründer und langjährige Chef von Apple ist tot. Er hinterlässt das wertvollste Unternehmen der Welt – aber auch dieFrage, ob es ohne ihn erfolgreich bleiben kann.

Man erkennt ihn kaum wieder ohne schwarzen Rollkragenpullover, ausgewaschene Jeans und Turnschuhe. Steve Jobs steht an diesem Tag im Juni 2005 im Talar vor den Studenten der renommierten Stanford-Universität in Kalifornien. Es ist ein schöner Frühsommertag, doch Jobs wirkt nachdenklich, spricht über den Tod. „Niemand will sterben“, sagt er. Aber: „Der Tod ist höchstwahrscheinlich die beste Erfindung des Lebens.“

Steve Jobs konnte das beurteilen, denn er gehörte als Mitgründer und langjähriger Chef des Technologiekonzerns Apple selbst zu den größten Erfindern der vergangenen Jahrzehnte. Jobs hat die digitale Welt mehr als einmal revolutioniert: erst mit dem Computer iMac, dann mit dem iPod und dem iPhone und schließlich mit dem iPad. Am Ende nannten ihn seine Anhänger nur noch ehrfürchtig iGod. Gestern ist Steve Jobs im Alter von nur 56 Jahren an den Folgen eines Krebsleidens gestorben.

Das Bewusstsein, dass das eigene Leben endlich ist, habe ihn stets angetrieben, sagt Jobs. „Als ich 17 war, habe ich das Zitat gelesen: Wenn du jeden Tag so lebst, als wäre er dein letzter, wirst du eines Tages mit Sicherheit Recht haben.“ Seitdem habe er jeden Morgen in den Spiegel gesehen und sich gefragt: „Wenn heute der letzte Tag meines Lebens wäre, würde ich das tun wollen, was ich gleich tun werde?“ Wenn die Antwort einige Tage in Folge „Nein“ gewesen sei, habe er gewusst, dass er etwas ändern müsse.

Steve Jobs im Porträt

Steve Jobs (†) im Porträt

„Ich hatte Glück“, sagt Jobs, „ich habe früh im Leben herausgefunden, was ich liebe.“ Schon mit 20 Jahren gründet er zusammen mit seinem Freund Steve Wozniak in der heimischen Garage Apple, ein Unternehmen, das sich heute nur noch mit dem Ölmulti Exxon Mobil um den Titel des wertvollsten Unternehmens der Welt streiten muss. In nur zehn Jahren entsteht aus der Schrauberwerkstatt eine Computerfirma mit 4000 Mitarbeitern und einem Milliardenumsatz. Apple bringt mit dem Macintosh einen Computer für zuhause auf den Markt, der sich durch sein Design und die neuartige Benutzeroberfläche von der Konkurrenz unterscheidet.

Jobs selbst erklärt seine Leidenschaft für Grafik und Design damit, dass er an der Universität, nachdem er sein eigentliches Studium bereits nach sechs Monaten abgebrochen hatte, einen Kalligraphiekurs belegt hatte. So habe sich auch der Studienabbruch am Ende als richtig erwiesen. „Man muss darauf vertrauen, dass sich die einzelnen Punkte im eigenen Leben in der Zukunft verbinden lassen“, sagt er den Studenten in Stanford, „Man muss auf etwas vertrauen – seinen Bauch, das Schicksal, das Leben, Karma, was auch immer.“

Daran habe er sich auch erinnert, als er im Alter von 30 Jahren hinnehmen muss, dass er bei seinem eigenen Unternehmen vor die Tür gesetzt wird. Das Apple-Management hatte den Gründer hinausgedrängt. Doch Jobs kauft für zehn Millionen Dollar das Animationsfilmstudio Pixar und macht auch dieses Geschäft zu seinem Erfolg. Erst 1997 kehrt er zu dem damals angeschlagenen Apple-Konzern zurück.

So trauert die Welt um Apple-Gründer Steve Jobs

So trauert die Welt um Apple-Gründer Steve Jobs

Vor zehn Jahren beginnt dann der rasante Aufstieg des Unternehmens unter seiner Führung. Jobs stellte den ersten iPod vor. Zwar hatte Apple den MP3-Player nicht erfunden, doch mit einem neuen Design und neuer Technik macht Jobs das Gerät massentauglich. „Der iPod hat nicht nur verändert, wie wir Musik hören“, sagt er einmal, „er hat die gesamte Musikindustrie verändert.“ Plötzlich sind MP3s nicht mehr Diebesgut digitaler Piraten im Internet, sondern die iPod-Nutzer beginnen, für einzelne Musiktitel zu zahlen, die sie über Apples Software iTunes herunterladen. So verdient die Musikindustrie zwar wieder etwas Geld – muss es aber seitdem mit Apple teilen.

Jobs gelingt es, diesen Erfolg gleich mehrfach zu wiederholen und erschließt damit für Apple immer neue Märkte. Zunächst entwerfen er und seine Designer das iPhone und setzen damit den Siegeszug der Smartphones in Gang. Erst mit dem iPhone wird das Internet mobil, von überall kann man plötzlich auf die Informationen im Netz zugreifen. „Ein revolutionäres Mobiltelefon“, nennt Jobs, kein Freund der leisen Töne, die Neuheit. Apple habe „das Telefon neu erfunden“. Jobs’ letzte erfolgreiche Technik-Revolution ist das iPad. Ein Tabletcomputer, mit dem das mobile Surfen im Internet noch bequemer wird.

Jobs gilt in der Apple-Fan-Gemeinde inzwischen als Genie, als Guru. Im eigenen Unternehmen liebt ihn jedoch längst nicht jeder. Angeblich meiden Angestellte auf niedriger Ebene nach Möglichkeit jeden Kontakt zum Chef, der als tyrannisch gilt. Angeblich fragt er ihm unbekannte Mitarbeiter gelegentlich, woran sie arbeiten. Wenn man Pech hat, entscheidet er spontan: „Nein, das brauchen wir nicht mehr.“

Auch die starke Fokussierung auf die Leitfigur Jobs wird für Apple spätestens ab 2004 zum Problem. Damals erkrankt Jobs an Bauchspeicheldrüsenkrebs. Es ist eine seltene, heilbare Form des Geschwürs. Doch ab diesem Moment sorgt Jobs’ Gesundheitszustand immer wieder für Spekulationen, die den Aktienkurs von Apple zeitweise abstürzen lassen. 2009 muss er sich einer Lebertransplantation unterziehen, im Januar dieses Jahres nimmt Jobs erneut eine Auszeit als Apple-Chef. Er wird nicht zurückkehren. Erst im August 2011 zieht er sich endgültig zurück und macht seinen Vertrauten Tim Cook zum neuen Vorstandschef. Er selbst wechselt in den Aufsichtsrat.

Seitdem fragen sich Analysten und Technikfans, ob Apple auch ohne Jobs weiterhin innovativ und erfolgreich bleiben kann. Erst vor drei Tagen hatte der neue Chef Tim Cook bei seiner ersten Präsentation der Apple-Neuheiten enttäuscht. Statt dem erwarteten neuen iPhone 5 hatte er nur eine Weiterentwicklung des iPhone 4 präsentiert. Viele Anhänger hatten zudem bis zuletzt gehofft, dass Steve Jobs einen Überraschungsauftritt hinlegen würde. Zu diesem Zeitpunkt ahnte noch niemand, wie schlecht es um die Gesundheit des 56-Jährigen bereits stand. Nur gut 24 Stunden nach Cooks Auftritt starb Jobs im Kreis seiner Familie.

Philipp Vetter

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