+
"Volkswagen spielt auf Zeit", sagte Stiftungsanwalt Eric Breiteneder. Foto: Erik Bethkenhagen

Stiftung: VW könnte mit Vergleich Prozesswelle eindämmen

Zahlreiche enttäuschte Anleger verklagen den VW-Konzern nach dem "Diesel-Gate" auf Schadenersatz. Eine Stiftung aus den Niederlanden wirbt auch beim Unternehmen für einen anderen Weg.

Frankfurt/Main (dpa) - Die Stiftung "Volkswagen Investors Claim" hat den Autokonzern erneut zu einem Vergleich aufgefordert, mit dem der finanzielle Schaden aus dem Diesel-Skandal für Investoren ausgeglichen werden könnte.

Ein gerichtlich bestätigter Vergleich nach niederländischem Recht könnte europaweit angewendet werden und die zu erwartende Prozesswelle eindämmen, sagte Rechtsanwalt Eric Breiteneder der Deutschen Presse-Agentur. Leider habe das Unternehmen seit Oktober 2015 nicht auf die Vorschläge reagiert und stattdessen bestritten, dass überhaupt ein aktienrechtliches Fehlverhalten stattgefunden hat.

Wie andere Anlegervertreter auch meint die Stiftung, dass die Volkswagen AG die Öffentlichkeit im September 2015 zu spät über die Manipulationen bei der Abgasreinigung und die damit verbundenen Milliardenrisiken informiert hat. VW weist diese Vorwürfe zurü

Investoren beklagen aber, dass Besitzern von VW-Aktien, Anleihen oder anderen Finanzprodukten hohe Schäden entstanden seien, die nun von Volkswagen ersetzt werden müssten. Die Stiftung will darüber einen Vergleich schließen, während beim Landgericht Braunschweig bereits mehr als hundert Klagen eingegangen sind, die voraussichtlich in einem Musterverfahren gebündelt werden.

Die Stiftung vertritt nach eigenen Angaben Investoren aus 26 Ländern mit 13 Milliarden Euro investiertem Kapital. Zu 95 Prozent handele es sich um Eigner von Unternehmens-Anleihen und Finanzprodukten. Zur Höhe des aus ihrer Sicht entstandenen Kapitalschadens äußerte sich die Stiftung nicht.

"Volkswagen spielt auf Zeit", sagte Anwalt Breiteneder. Es sei aber kurzsichtig, allein auf die deutsche Verjährungsfrist zu schauen, die voraussichtlich am 18. September greift, dem Jahrestag der ersten VW-Veröffentlichung zum Thema. "Entscheidend ist der Handelsplatz der Wertpapiere. Beispielsweise verjähren die Ansprüche in Spanien erst nach 15 Jahren." Es sei daher über Jahre europaweit mit Prozessen um Schadenersatz zu rechnen.

Die Stiftung sucht derzeit intensiv nach Anlegern, die sich ihrem Vergleichsweg anschließen wollen. Im Erfolgsfall sollen 18 Prozent der Schadenssumme an die Stiftung fließen. Da bis dahin keine Kosten anfallen, hat die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) Anlegern den Beitritt empfohlen.

Allerdings hemmt eine Mitgliedschaft in der Stiftung nicht die Verjährung. Spätestens im September müssten deutsche Anleger dafür Klage einreichen. Einem möglicherweise später von der Stiftung erreichten Vergleich könnten sie beitreten, wenn sie zuvor die Klage fallen ließen. Falls Volkswagen bereit sei, könne man innerhalb von sechs Monaten eine Einigung finden, erklärte der Stiftungsanwalt.

DSW zum Stiftungsmodell

Stiftung Volkswagen Investors Claim

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Rückruf bei Kaufland: Dieses Produkt sollten Sie auf gar keinen Fall essen
Rückruf bei der Supermarktkette Kaufland! Betroffen ist ein beliebtes Produkt. Dieses soll mit gefährlichen Keimen belastet sein. Der Konzern warnt: Es besteht akute …
Rückruf bei Kaufland: Dieses Produkt sollten Sie auf gar keinen Fall essen
Dax über 13.000 Punkten - Erleichterung über Italien
Frankfurt/Main (dpa) - Der Dax hat sich am Montag weiter erholt und die Marke von 13.000 Punkten übersprungen. Im frühen Handel stieg der deutsche Leitindex um 0,63 …
Dax über 13.000 Punkten - Erleichterung über Italien
Wie die EU den Plastik-Müll im Meer eindämmen will
Die EU-Kommission will einige Alltagsgegenstände aus Plastik verbannen, um die Umwelt besser zu schützen. Aber wird das etwas nützen?
Wie die EU den Plastik-Müll im Meer eindämmen will
Umweltministerin will Umrüstungs-Stufenplan für Diesel-Autos
Ein Ende des Skandals um Abgasmanipulationen ist nicht in Sicht. Die SPD-Umweltministerin geht nun auf die Autohersteller zu. Das könnte auch Thema sein, wenn …
Umweltministerin will Umrüstungs-Stufenplan für Diesel-Autos

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.