Stimmung in der deutschen Wirtschaft bessert sich

- München/Berlin - Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft ist so gut wie seit fünf Jahren nicht mehr. Der Geschäftsklima-Index des ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung als wichtigster Frühindikator stieg im Oktober überraschend stark von 96,0 auf 98,7 Punkte. "Die konjunkturelle Erholung scheint sich damit zu festigen", sagte ifo-Chef Hans-Werner Sinn am Dienstag in München. Die befragten Unternehmen beurteilten sowohl ihre Lage als auch ihre Erwartungen für die kommenden Monate deutlich besser als im September. Vor allem die Aussicht auf gute Exporte stimmte die Firmen im Oktober optimistisch.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) erwartet für die kommenden Monate eine Wachstumsbelebung. In seinem neuen Konjunkturbericht rechnet er für 2006 mit einem Wirtschaftswachstum von bis zu 1,5 Prozent, nach 0,8 Prozent in diesem Jahr. Die dringendsten Probleme wie hohe Staatsverschuldung, Massenarbeitslosigkeit und Sozialsysteme würden durch diese leichte Konjunkturbelebung allerdings nicht gelöst. Die große Koalition müsse möglichst bald den Unternehmensbesteuerung reformieren, forderte BDI-Präsident Jürgen Thumann. Eine Lockerung des Kündigungsschutzes würde mittelständische Unternehmen, in denen rund 70 Prozent aller Beschäftigten tätig seien, zu mehr Einstellungen ermutigen.

Der ifo-Index hatte einen ähnlich hohen Stand wie in diesem Monat zuletzt im Oktober 2000 mit 99 Punkten erreicht. In den Jahren darauf sackte er bis unter 87 Punkte ab und erholte sich erst langsam wieder. "Die Stimmungslage ist eine sich generell verbessernde", sagte Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD). Der ifo-Index wird aus der Befragung von rund 7000 Unternehmen aus Industrie, Handel und Bau ermittelt und jeden Monat mit Spannung erwartet.

Zu dem Stimmungsaufschwung hat nach Einschätzung der Konjunkturforscher vor allem die Situation im Ausland beigetragen. Nach dem Schock über den hohen Ölpreis und die Auswirkungen von Hurrikan Katrina sei eine gewisse Beruhigung eingetreten, sagte ifoExperte Klaus Abberger. Auch im Inland habe sich die Situation nach der Unruhe durch die Neuwahlen stabilisiert. Inwieweit der Ausgang der Wahl eine Rolle gespielt hat, lasse sich nicht beurteilen. Bei der September-Erhebung war ein Großteil der Antworten erst nach der Wahl am 18. September eingegangen. Daher sind mögliche Reaktionen erst im ifo-Index für Oktober enthalten.

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