Stimmungsdämpfer in der Wirtschaft

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Berlin/München (dpa) - Die Sorge um die Abschwächung der Weltkonjunktur hat der deutschen Wirtschaft zwar einen leichten Stimmungsdämpfer versetzt, die Bundesregierung sieht gleichwohl positive Signale vor allem auf dem Arbeitsmarkt.

Der ifo- Geschäftsklimaindex gab im Oktober zum fünften Mal in Folge nach und sank von 104,2 Punkten im Vormonat auf 103,9 Punkte, wie das ifo Institut für Wirtschaftsforschung mitteilte. Für 2008 erwartet die Berliner Koalition den niedrigsten Stand der Arbeitslosigkeit seit über zehn Jahren und setzt nun auch auf die privaten Haushalte als Wachstumsträger.

Nach einem Rückgang um 700.000 im laufenden Jahr werde die Arbeitslosenzahl 2008 im Schnitt um 295.000 auf unter 3,5 Millionen zurückgehen. Zum Jahresende 2008 sei eine Zahl von nur 3,3 Millionen möglich. Damit werde es 2008 so viele Arbeitsplätze wie noch nie in Deutschland geben, sagte Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) in Berlin. Die Regierung senkte ihre Wachstums-Prognose von zuvor 2,4 auf 2,0 Prozent. 2007 wird ein Wachstum von 2,4 Prozent (bisher 2,3) erwartet.

Die meisten Experten hatten mit einem etwas deutlicheren Rückgang beim ifo-Index gerechnet. "Das Ergebnis spricht für eine Fortsetzung des Aufschwungs, allerdings mit nachlassender Dynamik", meinte ifo- Chef Hans-Werner Sinn. Während die Unternehmen ihre gegenwärtige Geschäftslage etwas schwächer beurteilten, blieben die Zukunftserwartungen nahezu unverändert.

Grundsätzlich sieht Glos kein Ende des Aufschwungs: "Die konjunkturelle Grunddynamik ist intakt und steht auf einem soliden Fundament." Die höheren Verbraucherpreise bezeichnete er als "nicht alarmierend". Die Teuerung werde 2007 im Schnitt bei 2,1 Prozent, im nächsten Jahr bei 1,9 Prozent liegen. Als Gründe für eine gewisse Abkühlung der Konjunktur 2008 nannte die Bundesregierung die Finanzmarktkrise, den starken Euro und den markant höheren Ölpreis.

Der starke Eurokurs und die hohen Ölpreise machen der Wirtschaft dagegen nach Einschätzung des ifo-Konjunkturexperten Hans Günter Russ bisher nur wenig zu schaffen. "Die Firmen gewöhnen sich daran allmählich", sagte Russ der Deutschen Presse-Agentur dpa. Zwar stelle der Ölpreis ein gewisses Risiko für die Zukunft dar, doch habe sich der Öl-Einsatz in der Produktion in den vergangenen 20 Jahren in etwa halbiert. Ein Großteil der deutschen Exporte gehe zudem in den Euro- Raum und sei von der Dollarkurs-Entwicklung daher unberührt. "Viel mehr fürchten die Unternehmen die Abschwächung der Weltkonjunktur", sagte Russ. In den USA zeichne sich derzeit eine stärkere Eintrübung ab.

Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) warnte davor, das Wirtschaftswachstum zu zerreden. "Dies ist nach wie vor eine Aufschwungphase für die deutsche Wirtschaft", sagte er im Bundestag. "Über zwei Prozent hätten wir uns vor eineinhalb, zwei oder drei Jahren noch einen Kuchen gebacken vor Freude." Es gebe bestimmte Risiken. Die gesamtwirtschaftliche Lage habe sich aber nicht geändert. "Ich rate nur dazu, nicht wieder von einem Extrem ins andere (...) zu fallen." FDP-Vize Rainer Brüderle warf der Regierung vor, die Vorsorge für schlechte Zeiten zu vernachlässigen und "die sprudelnden Steuergelder mit vollen Händen auszugeben".

Die ostdeutsche Wirtschaft wird nach Einschätzung der Regierung auch im nächsten Jahr stärker als im Westen zulegen. Genaue Zahlen gab es keine. 2007 wird im Osten ein Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 3,2 Prozent erwartet, im Westen von 2,9 Prozent. 2006 war das deutsche BIP um 2,9 Prozent gestiegen. Die Forschungsinstitute hatten vorige Woche in ihrem Herbstgutachten ein Wachstum von 2,2 Prozent für 2008 vorausgesagt. Im laufenden Jahr sollen es 2,6 Prozent sein.

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