DAB stockt Flotte bei Boeing auf und plant 500 neue Stellen

- München - Erfolg macht mutig. Kaum schreibt die DBA nach 13 Geschäftsjahren schwarze Zahlen, da ordert sie bei Boeing eine Großbestellung, verspricht 500 neue Arbeitsplätze und plant den Börsengang. Nebenbei legt sich ihr Aufsichtsratvorsitzender Hans Rudolf Wöhrl mit der gesamten Airline-Konkurrenz und der Bahn an, tritt gegen die alte Bundesregierung nach und stößt der neuen gegen das Schienbein.

29 Maschinen vom Boeing 737 und Fokker 100 fliegen derzeit in Diensten der Münchner Airline. Bis zum Jahr 2010 sollen sie durch 40 Flugzeuge der 737-NG (Next Generation) ausgetauscht werden. Der Listenpreis liegt bei 54 Millionen Dollar pro Flieger.

Die Höhe des Rabatts, den Boeing bei der Großbestellung gewährt, wollte Wöhrl nicht verraten.

Die Entscheidung für den amerikanischen Hersteller und gegen Airbus sei aber ohnehin keine Frage des Preises gewesen. Wöhrl: "Wir haben Piloten und Techniker mit mehr als zehnjähriger Erfahrung auf diesem Flugzeugmuster." So könne man sich aufwändige Schulungen sparen. "Sie können quasi morgen starten", versprach auch Boeing-Vize Marlin B. Dailey und lobte sein "spektakuläres Flugzeug".

Wichtig für Wöhrl ist auch, dass die Boeing 737-700 und -800 echte Kurzstrecken-Experten seien, denn hier sieht er das Geschäftsfeld für die DBA: Strecken ab etwa 300 Kilometer und Flugzeiten von 60 bis 90 Minuten. Entsprechend werde man das Streckennetz ausbauen, auf dass das Passagieraufkommen von heute vier auf etwa zehn Millionen Passagiere steige.

Wöhrl stützt sich hier nicht auf Prognosen, sondern auf sein Credo, dass gute Angebote die Kunden massenhaft von Straße und Schiene in die Flugzeuge bringt. Handfester sind diese Zahlen: Bis 2010 will die DBA weitere 500 Mitarbeiter einstellen. Die Finanzierung der ersten fünf neuen Boeing-Maschinen sei auch schon gesichert. "Das ist doch nicht schlecht für jemanden, der erst vor zwei Jahren aus der Kolonialherrschaft entlassen wurde", gönnte sich Wöhrl einen Seitenhieb gegen die ehemalige Mutter British Airline.

Es war nicht der einzige, denn Wöhrl wetterte gegen die Politik, die die Luftfahrt bisher und auch künftig als "Melkkuh der Nation" missbrauche. Als "wildesten bürokratischen Wahn" bezeichnet er Vorschriften, wonach man zum Beispiel die Nagelfeile vor dem Flug abliefern müsse, aber an Bord beim Essen mit einem Messer bewaffnet werde, oder die Tatsache, dass Airline-Arbeiter, die täglich 15 Mal mit den Piloten auf dem Vorfeld zu tun haben, künftig jedesmal durch die Sicherheitskontrollen müssen.

Die Bahn sei die Firma, der die DBA die meisten Kunden verdanke, spöttelte Wöhrl und nannte es "bedauerlich, dass Großairlines wenig eigene Ideen haben". Jahrelang hätten sie behauptet, dass innerdeutsche Strecken nicht darstellbar seien. Wöhrl gibt sich kämpferisch: "Unser Ziel ist es, die Nummer eins im innerdeutschen Punkt-zu-Punkt-Verkehr zu werden."

Dem Platzhirsch Lufthansa droht er mit einer Airline-Allianz. Das Streckennetz von DBA und Air Berlin würden sich ergänzen, sagte Wöhrl, gab aber auch zu, dass der knallharte Air-Berlin-Chef Achim Hunold eine andere Auffassung über die Zusammenarbeit mit Betriebsrat und Gewerkschaft habe ("Das ist seine Angst vor dem Klabautermann"). Deswegen lasse die DBA viele Optionen offen, bis hin zum Börsengang. Die Umwandlung zu einer Aktiengesellschaft könne ab 2007 erfolgen, sagte der DBA-Chef.

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