MAN stößt bei Scania auf Widerstand

- München/Stockholm - Der Lastwagenbauer MAN hat im Kampf um die Übernahme des schwedischen Konkurrenten Scania eine erste Niederlage einstecken müssen. Das vom Münchner Konzern unterbreitete 9,6-Milliarden-Euro-Angebot für sämtliche Anteile stieß sowohl beim Hauptaktionär VW als auch beim schwedischen Großaktionär Investor AB auf Ablehnung.

In der Finanzbranche wird nun über ein Nachbessern der Offerte spekuliert. MAN-Chef Hakan Samuelsson zeigte sich trotz des Widerstands optimistisch. Der VW-Konzern als größter Scania-Aktionär lehnte einen Verkauf seiner Anteile grundsätzlich ab: Eine Annahme des Übernahmeangebots entspräche nicht der von VW stets erklärten Absicht, dass die Investition in Scania strategischen Charakter besitze und im industriellen Interesse des Konzerns liege: "Deshalb lehnt der Volkswagen- Konzern die Annahme ab und veräußert seinen Aktienanteil nicht", hieß es in einer schriftlichen Erklärung.

VW verfügt über 34 Prozent der Stimmrechtsanteile an Scania. Auch die von der schwedischen Großindustriellen-Familie Wallenberg kontrollierte Beteiligungsgesellschaft Investor AB, die als zweitgrößter Scania-Aktionär fast ein Fünftel des LKW-Herstellers hält, erklärte, die MAN-Offerte spiegle nicht "den fairen Wert und das Potenzial des Unternehmens wider". Da die Ablehnung aber nicht grundsätzlich erfolgte, vermuteten Marktbeobachter, dass die Schweden mehr Geld für ihre Aktien haben wollten. Die Wallenberg-Familie hält über eine Stiftung zudem weitere zehn Prozent Scania-Aktien. Erfolg konnte MAN lediglich bei Renault vermelden: Der französische Autokonzern habe seine 5,2-Prozent hohe Scania-Beteiligung verkauft, erklärte der Münchner Konzern.

MAN bot insgesamt 48 Euro pro Scania-Aktie an -rund ein Drittel über dem Scania-Aktienkurs vor Bekanntwerden der Übernahmepläne am vergangenen Dienstag. Allerdings kletterte der Kurs angeheizt vom Übernahmekampf gestern über die 49-Euro-Marke. Das MAN-Angebot sieht dagegen 38 Euro in bar plus 0,151 Stammaktien der fusionierten Gesellschaft vor. Es steht zudem unter der Bedingung, dass MAN mehr als 90 Prozent der Aktien erhält.

MAN-Chef Samuelsson verbreitete trotz der Rückschläge Optimismus: "Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir am Ende die notwendige Unterstützung haben werden", sagte er in Stockholm. MAN und Scania würden als unabhängige Einheiten und selbstständige Marken mit eigenen Fabriken erhalten bleiben. "Die neue Gruppe wird stärker und wettbewerbsfähiger sein und dabei Arbeitsplätze in Deutschland und Schweden sichern." Der neue Konzern werde mit 132 000 Lastwagen und Bussen und einem Jahresumsatz von über 20 Milliarden Euro die Nummer eins in Europa und weltweit die Nummer drei, nach Daimler-Chrysler und Volvo.

Die Konzernzentrale solle in München sein, aber als Europa-AG nach europäischem Recht arbeiten. MAN kann bei seinen Plänen auf Unterstützung der Gewerkschaft IG Metall bauen: "Die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat der MAN AG sehen in dem beschlossenen Kaufangebot gegenüber Scania Wachstums- und Entwicklungschancen", erklärte der IG-Metall-Vertreter im Aufsichtsrat, Thomas Otto. Seinen Angaben zufolge hat der MAN-Vorstand zugesichert, dass die Mitbestimmung auch bei einer Umwandlung in eine Europa-AG beibehalten werde.

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