Stoiber: Anspruch auf mehr Lohn berechtigt

- München (mm/dpa) - Vor dem Hintergrund eines drohenden Tarifstreits in der Metall- und Elektroindustrie hält der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) den Anspruch auf Lohnerhöhungen in gut verdienenden Branchen für berechtigt. "Zum ersten Mal seit Jahren steigen die Gewinne in manchen Branchen wieder kräftig", sagte Stoiber dem "Spiegel". Dazu habe zu einem großen Teil die maßvolle Tarifpolitik beigetragen.

"Dass die Arbeitnehmer jetzt einen Anteil an diesen erheblichen Gewinnen beanspruchen, ist mehr als berechtigt." Pauschale Lohnerhöhungen seien aber falsch, weil nicht alle Unternehmen und Branchen hohe Lohnsteigerungen finanzieren könnten. Mit Blick auf die Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland erinnerte der CSU-Vorsitzende an die ethische Verantwortung der Unternehmen "für ihre Arbeitnehmer, aber auch für das Land". Er frage sich, ob es verantwortlich sei, wenn Unternehmen "bei jedem kleinen Vorteil gleich Arbeitsplätze" verlagerten. "Die Unternehmen müssen verstehen, dass sie unser ganzes Wirtschaftssystem in Frage stellen, wenn Leute, die gut gearbeitet haben, plötzlich wegen geringer Wettbewerbsvorteile auf die Straße gesetzt werden", so Stoiber.

Die Errungenschaften der sozialen Marktwirtschaft dürften nicht "in einer globalisierten Welt des reinen Wettbewerbs verloren gehen". Das Münchner Ifo-Institut hat die von der IG Metall geforderten fünf Prozent mehr Lohn und Gehalt derweil kritisiert. "Das ist auf jeden Fall über der Marke, die sich ökonomisch rechtfertigen lässt von der Produktivitätsentwicklung her", sagte Ifo-Chefvolkswirt Gernot Nerb. Ein überhöhter Abschluss könne die sich abzeichnende Konjunkturbelebung gefährden. Diese mache sich mit einer allmählich wieder anziehenden Investitionstätigkeit bemerkbar. Zudem gebe es Anzeichen, dass wieder mehr Leute eingestellt werden.

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