Stoiber: "Betriebe müssen weg vom Jugendkult"

- München -­ Die Wirtschaft wächst, doch ältere Arbeitslose profitieren bisher kaum vom Aufschwung. Lediglich sieben Prozent der neu eingestellten Mitarbeiter waren im vergangenen Jahr über 50 Jahre alt. Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) forderte die Unternehmen daher auf, mehr Ältere zu beschäftigen: "Wir müssen in den Betrieben weg vom Jugendkult der letzten Jahrzehnte." Gemeinsam mit der bayerischen Wirtschaft legte er einen Neun-Punkte-Plan vor.

Danach sollen Anreize zur Frühverrentung abgeschafft und die Weiterbildung Älterer stärker gefördert werden.

Wichtiger als einzelne Fördermaßnahmen sei allerdings der Wandel im Bewusstsein der Unternehmen, betonte Stoiber: "Wir haben ein völlig falsches Bild von der Leistungskraft älterer Mitarbeiter." Nicht einmal jeder zweite 55- bis 64-Jährige in Deutschland hat derzeit noch einen Job. Ganz anders die Situation in Skandinavien: In Schweden liegt die Erwerbsquote bei den Älteren bei 69 Prozent, in Dänemark bei 60 Prozent und in Großbritannien bei 57 Prozent.

"Wir können auf das Wissen und die Erfahrung älterer Arbeitnehmer nicht verzichten", sagte der CSU-Chef. Die Staatsregierung werde sich weiter dafür einsetzen, die Rahmenbedingungen für mehr Wachstum und Beschäftigung zu verbessern. Allerdings seien auch die Tarifpartner gefordert ­ beispielsweise beim Abbau von Beschäftigungshindernissen im Kündigungsschutz.

Vor einem Mangel qualifizierter Mitarbeiter warnte der Präsident der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw), Randolf Rodenstock. Wer heute ältere Mitarbeiter entlasse, dem fehle schon bald deren Wissen und Erfahrung. Mit der Initiative "Mit Erfahrung Zukunft meistern" will die bayerische Wirtschaft Betriebe unterstützen, Ältere wieder stärker einzubinden. "Für die Unternehmen ist ein Mix aus beruflicher Erfahrung und jugendlicher Innovationskraft ideal", betonte Rodenstock. Es sei daher wenig sinnvoll, "alt und jung gegeneinander auszuspielen".

Von der Politik forderte Rodenstock, die "Verkrustung" am Arbeitsmarkt zu beseitigen und ihn wieder zu einem echten Markt zu machen. "Wir müssen Frühverrentungsanreize beseitigen und stattdessen Anreize schaffen für die rasche Eingliederung Älterer", sagte Rodenstock. Er lehnte daher den Vorstoß ab, die Bezugsdauer für das Arbeitslosengeld I zu verlängern. Die CDU hatte auf ihrem Parteitag Ende November beschlossen, die Bezugsdauer wieder stärker an die Beitragsjahre zu koppeln.

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