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Stoiber im Sperrgebiet: Bayerns Wirtschaft will Asien aufrollen

- München - Edmund Stoiber wird zwischen Landminen, Panzersperren und Stacheldraht stehen, in einem fast menschenleeren Sperrgebiet. Demilitarisierte Zone, ein paar Meter vom Diktatorenreich Nordkorea entfernt: Hier stoppt nächste Woche der scheidende Ministerpräsidenten auf einer ungewöhnlichen Reise.

Der Besuch an der Nordgrenze Südkoreas ist einer der Höhepunkte der elftägigen Asien-Tour von Stoiber und einer gut 50-köpfigen Delegation. In Südkorea, später in Vietnam, Singapur und Südindien will der CSU-Chef Polit-Gespräche führen und für bayerische Firmen Türen öffnen.

"Der letzte Flug der lahmen Ente", spötteln Parteifreunde über die vermeintliche Abschiedstournee des Noch-Regenten, die am Samstagabend startet. In Wahrheit war die Reise, eine der längsten seiner Amtszeit, schon weit vor seinem Rückzug geplant (und ist auch nicht die letzte).

Das Ziel ist ungewöhnlich. In China aber gibt es nach zahllosen Delegationsreisen kaum ein Reisfeld mehr, auf dem nicht schon ein bayerischer Politiker stand. Mit Südkorea, Vietnam und Singapur steuert Stoiber nun seltener besuchte Asien-Länder an.

Zu holen gibt es dort viel. "Südkorea ist nach Japan und China der drittwichtigste Absatzmarkt für Bayerns Wirtschaft in Asien - vor Indien", sagt Johannes Huber, Experte der Industrie- und Handelskammer München-Oberbayern. Auch nach Singapur exportieren Bayerns Firmen Produkte in Milliardenhöhe. Lediglich die sozialistische Republik Vietnam (8,5 Prozent Wachstum) hält Huber für einen Nachholmarkt: "Die Franzosen sind dort viel stärker."

Stoibers Reisegruppe (Frau Karin, Staatssekretär Hans Spitzner, 30 Manager, zehn Beamte, drei Personenschützer, einige Journalisten) hat konkrete Pläne. Michaela Hueber zum Beispiel, Chefin des Hueber Verlags, hofft auf wichtige Kontakte zu den Erziehungsministern. Wo Deutsch als Fremdsprache gelehrt wird, soll das Unterrichtsmaterial des Familienunternehmens aus München helfen. "Asien ist für uns immer interessanter geworden", sagt Hueber. In Vietnam zum Beispiel laufe gerade eine Pilot-Klasse für Deutsch-Unterricht an einer Elite-Schule, die direkt dem Premierminister unterstehe.

Die IBC Solar AG plant in Südkorea eine große Photovoltaik-Anlage, 52 Millionen Euro Investitionsvolumen, und hofft auf staatliche Förderung. "Wir müssen uns beeilen", sagt Vorstand Udo Möhrstedt.

Kontakte mit Experten will Wolf-Dieter Ring knüpfen. Der Chef der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien informiert sich über die Standards bei mobilen Medien, etwa Handy-Fernsehen: "Südkorea ist im Bereich Mobile-TV weiter als wir." Ring will außerdem bei den größten Unternehmen vorsprechen, für Kooperationen werben und Probleme mit Endgeräten ansprechen.

Die Delegationsreisen mit Stoiber sind zwar mühsam - Nachtflüge, ab frühmorgens Termine, tagsüber 34 Grad im Schatten - aber ergiebig. Bei jedem Treffen, und sei es mit dem Staatschef, trägt Stoiber bis ins Detail konkrete Firmenanliegen vor. Meist folgen der gnadenlosen weißblauen Werbetour Millionen-Aufträge. Auch Konzerne und Banken bauen deshalb auf seine Hilfe. Siemens, MAN, Landesbank, HVB und eine Militär-Sparte von EADS fliegen mit, dazu die Präsidenten der Unis in München, Hof und Nürnberg. Sogar Audi-Chef Rupert Stadler sitzt neben Stoiber auf dem First-Class-Flug nach Seoul.

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