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Storno: So holen Sie sich Geld von der Lebensversicherung zurück

- Wer nach der frühen Kündigung seiner zwischen 1994 und 2001 abgeschlossenen Kapitallebens- oder Rentenversicherung so gut wie kein Geld zurückbekam, hat womöglich Anrecht auf mehr. Ähnliches gilt auch für Kunden, die ihre Police aus dieser Zeit schon wenig später beitragsfrei stellen ließen und Einbußen erlitten. Nach einem Bundesgerichtshofurteil vom 12. Oktober sind die Betroffenen mit zu wenig Geld abgespeist worden. Allerdings: Ansprüche auf Nachzahlung müssen möglichst rasch beim Versicherer angemeldet werden.

Wer hoffen darf

Unzählige Versicherungsnehmer, die nach Frühstornos damals mit leeren Händen dastanden, hätten seit der BGH-Entscheidung eine Chance auf höhere Rückkaufswerte, höhere beitragsfreie Versicherungssummen und die Rückzahlung des Stornoabzugs, meint Lilo Blunck vom Bund der Versicherten (BdV), der das Urteil mit erstritten hatte. Allein zwischen 1994 und 2001 seien etwa 20 Millionen Verträge abgeschlossen worden. Blunck schätzt, die Versicherungswirtschaft werde Millionen, wenn nicht Milliarden zahlen müssen.

"Wir gehen davon aus, dass nicht die Massen kommen, sind aber vorbereitet", wiegelt Allianz-Leben-Sprecher Markus Schwarzer ab. Nach Ansicht Peter Griebles von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg haben viele Ex-Kunden Aussicht auf Erfolg, die aus ihren Verträgen innerhalb der ersten zweieinhalb bis drei Jahre schon wieder ausstiegen. Wer also beispielsweise 1998 eine Lebensversicherung unterschrieb, sie 1999 wieder stornierte und seine gezahlten Beiträge in den Wind schreiben musste, sollte aktiv werden. Automatisch gibt es freilich nichts zurück.

Neue Formel

Der BGH entschied in seinem Aufsehen erregenden Grundsatzurteil, dass der Rückkaufswert einer Kapitalleben bei vorzeitigem Ausstieg nicht mehr auf Null sinken dürfe. Und gab den Versicherern zugleich eine neue Berechnungsformel für die Rückkaufswerte an die Hand. Die Verbraucherschützerin Andrea Hoffmann erwartet, dass betroffene Kunden jetzt mindestens 40 Prozent der eingezahlten Beiträge zurückbekommen müssten. "Wir raten jedem, seine alten Unterlagen durchzusehen und Anrechte geltend zu machen", sagt BdV-Sprecherin Blunck. Die Versicherer stünden in der Pflicht, den früheren Bescheid noch einmal auf neuer Zahlenbasis durchzurechnen.

Ansprüche anmelden

Grieble empfiehlt ein einfaches Schreiben mit der Bitte um Neuberechnung und dem Hinweis auf das BGH-Urteil mit dem Aktenzeichen: Bundesgerichtshof IV ZR 162/03. Wer Hilfe braucht, kann sich an die nächste Verbraucherzentrale wenden oder einen Musterbrief von der Internetseite www.bundderversicherten.de herunterladen. Wer seinen Anspruch anmeldet, gewinnt nach Ansicht des BdV Zeit. Der Verband geht davon aus, dass die Verjährungsfrist erst seit dem Tag des höchstrichterlichen Urteils läuft. Ein Schreiben des Ex-Kunden unterbreche die laufende Verjährung, erläutert Blunck.

Die Versicherungswirtschaft sieht das jedoch anders - und setzen darauf, dass die Uhr für die meisten Kunden bereits abgelaufen ist. "Wir kümmern uns um jeden Antrag und rechnen nach", beteuert Allianz-Sprecher Markus Schwarzer.

Nicht locker lassen

Dass der Kampf um mehr Geld nicht ganz einfach wird, haben schon alle gemerkt, die gleich nach dem BGH-Urteil Kontakt mit ihrem Versicherer aufnahmen - und einen ablehnenden Bescheid kassiert haben. Dann müsse man aber immer noch nicht klein beigeben, macht Finanzexperte Michael Wortberg Mut. Als nächster Schritt stehe eine Beschwerde beim Ombudsmann der Versicherungswirtschaft offen ( siehe Infokasten). Dadurch werden die Ansprüche überprüft und gleichzeitig wird eine mögliche Verjährungsfrist gehemmt. "Hartnäckig sein, nicht abwimmeln lassen", rät Wortberg.

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