Strabag rettet Tausende Stellen bei Walter, doch der Name geht unter

- Augsburg - Der österreichische Bauriese Strabag übernimmt für eine ungenannte Summe das Herzstück der Augsburger Walter Bau und rettet damit große Teile der Pleitefirma. Etwa ein Drittel der konzernweit gut 9000 Mitarbeiter würde aber voraussichtlich dennoch ihren Arbeitsplatz verlieren, sagte der vorläufige Insolvenzverwalter Werner Schneider bei einer eilig einberufenen Pressekonferenz.

<P>"3000 Kollegen gehen in die Arbeitslosigkeit, das ist unakzeptabel", meinte Walter-Betriebsratschef Karl Bauer in einer ersten Reaktion. Andererseits zeigte er sich erleichtert, dass eine völlige Zerschlagung des viertgrößten heimischen Baukonzerns verhindert werden konnte. Stellenverluste seien wohl nicht zu verhindern, räumte der Betriebsrat ein.<BR><BR>Die Augsburger Mutterfirma Walter Bau, die inklusive ihrer Töchter 2004 auf 2,8 Milliarden Euro Bauleistung gekommen war, ging erst vor zwei Wochen Pleite. Neben gut 200 Millionen Euro Schulden lasteten Bankbürgschaften für Großbaustellen über rund 1,5 Milliarden Euro schwer auf den Augsburgern. "Ich glaube nicht, dass man einen Schuldigen suchen kann und soll", meinte Strabag-Chef Hans Peter Haselsteiner nach der Übernahme diplomatisch.<BR><BR>Kontakte zur Familie des Konzerngründers Ignaz Walter habe es schon um Weihnachten herum gegeben. Der 68-jährige Walter, den Banker und Bauexperten für den Niedergang des von ihm geschaffenen Bauimperiums mitverantwortlich machen, habe sich zuletzt ernsthaft und ohne falsche Eitelkeiten bemüht, die Pleite noch zu verhindern. Deren Auslöser war nach Darstellung von Insidern die Weigerung der niederländischen Bank ABN Amro, Walter Bau weiter zu stützen. Nun beginnt ein neues Kapitel für die Augsburger. Die österreichische Strabag und deren von Köln aus operierender deutscher Ableger übernehmen in einem ersten Schritt vier Tochterfirmen des Walter-Bau-Konzerns mit 1,2 Milliarden Euro Bauleistung und 4100 Mitarbeitern, sagte Haselsteiner. <BR><BR>Verlustbaustellen und praktisch das gesamte Geschäftsfeld Schlüsselfertigbau verbleibe allerdings bei der insolventen Walter Bau, bestätigten er und Schneider. Gemessen an der Bauleistung wird knapp die Hälfte der Walter Bau aufgegeben. <BR><BR>Interesse haben die Österreicher am Stuttgarter Baukonzern Züblin, an dem Walter Bau zu 53 Prozentbeteiligt war. Fünf Prozent davon habe Strabag im Zuge der jetzigen Vereinbarung bereits übernommen. Für weitere 48 Prozent, die als Sicherheit beim Walter-Gläubiger Bayerische Landesbank ruhen, gebe es seitens der Bank "positive Signale", sagte Haselsteiner. Falls die Stuttgarter Familie Lenz, die knapp die Hälfte an Züblin hält, dazu bereit sei, könne aus dem Duo Strabag und Walter Bau rasch ein Trio werden, bot Haselsteiner an. Eine weitere Konsolidierung der deutschen Bauwirtschaft mache Sinn. Vom Markt verschwinden lassen die Österreicher den Namen Walter Bau. Die vier jetzt übernommenen Bestandteile der Pleitefirma würden unter der neu gegründeten Dywidag Holding firmieren. Die Marke Walter Bau sei ruiniert. <BR><BR>Strabag habe das mit Abstand beste Angebot abgegeben, meinte indessen Schneider zum Zuschlag für die Österreicher. Härtester Konkurrent sei Züblin gewesen. <BR></P><P><BR> </P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Aldi-Steak für 1,99 Euro: Kunde rastet auf Facebook aus
Fleischpolitik, gerade bei Discountern, führt immer wieder zu hitzigen Debatten. Jetzt empört sich ein Kunde über ein Aldi-Steak - und verbreitet seinen Groll darüber …
Aldi-Steak für 1,99 Euro: Kunde rastet auf Facebook aus
EU-Handelsabkommen mit Indien: So würde Deutschland profitieren
Als einer der größten Wachstumsmärkte ist Indien für europäische Unternehmen von großem Interesse. Bisher hemmen Zölle eine engere Partnerschaft. Gerade für Deutschland …
EU-Handelsabkommen mit Indien: So würde Deutschland profitieren
Dax kommt nicht in Gang
Frankfurt/Main (dpa) - Der deutsche Aktienmarkt ist am Montag zunächst nicht in Gang gekommen. Der Dax pendelte im frühen Handel nur in einer Bandbreite von wenigen …
Dax kommt nicht in Gang
Ex-Arcandor-Chef zieht Antrag auf Haftverkürzung zurück
Der wegen Anstiftung zur Untreue angeklagte frühere Arcandor-Chef Thomas Middelhoff zieht seinen Antrag auf Haftverkürzung zurück.
Ex-Arcandor-Chef zieht Antrag auf Haftverkürzung zurück

Kommentare