"Strafsteuer" schafft keine Lehrstellen

- In einem offenen Brief an Bundeskanzler Gerhard Schröder warnt der Präsident der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft und der Arbeitgeberverbände der Bayerischen Metall- und Elektro-Industrie, Randolf Rodenstock, vor den Folgen einer Ausbildungsplatzabgabe. Dies wäre ein "verheerendes Signal für den Standort Deutschland" und würde die freiwilligen Initiativen der bayerischen Wirtschaft in Frage stellen. Bayerns Wirtschaft investiert nach Verbandsangaben derzeit über 60 Millionen Euro in berufliche Bildung und Qualifizierung.

Eine Abgabe soll die Betriebe dazu ermuntern, mehr Lehrstellen zu schaffen. Was spricht in Ihren Augen gegen eine Ausbildungsplatzabgabe?<BR><BR>Randolf Rodenstock: Das Ergebnis: dass es weniger Ausbildungsplätze geben wird als vorher und die unheimliche Bürokratie, die damit verbunden ist. Wenn man das nicht dem Markt überlässt, gibt es enorme Ineffizienzen. Wir haben doch gelernt, dass wir weniger Staat brauchen und nicht mehr. Und jetzt will man das hier rückwärts drehen.<BR><BR>Durch welche Maßnahmen (gesetzlich und seitens der Wirtschaft) können mehr Lehrstellen geschaffen werden?<BR><BR>Rodenstock: Zum Beispiel durch die ganzen freiwilligen Maßnahmen in Bayern, die Lehrstelleninitiativen, die Verbundausbildung, die Werbung für Berufe, die nicht gerade Modeberufe sind, und vieles mehr. Im Mai 2003 gab es in Bayern rund 15 000 Ausbildungsplätze zu wenig, im September fehlten nur noch 500. Der Staat soll keine Zwangsmaßnahmen ergreifen und sich nur um die Rahmenbedingungen kümmern. Und die Gewerkschaften, die ja Verfechter der Ausbildungsplatzabgabe sind, könnten selber ausbilden, was sie kaum tun.<BR><BR>Falls die Ausbildungsplatzabgabe doch kommt, welche Auswirkung hätte eine staatliche Regelung? <BR><BR>Rodenstock: Meine Befürchtung ist, dass vieles, was freiwillig vor Ort getan wird, dann eben unterlassen wird. Wenn die Betriebe sehen, hier greift der Staat mit einer "Strafsteuer" ein, wird ihr Engagement, mehr Lehrstellen zur Verfügung zu stellen, sicher nachlassen.<BR><BR>Das Gespräch führte Christian Vordemann.<BR>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Trotz unerwartet starken Jahresstarts: US-Wirtschaft schwächelt
Deutlich besser ausgefallen als angenommen ist das Wirtschaftswachstum der Vereinigten Staaten unter Führung Trumps. Dennoch hat sie an Schwung verloren.
Trotz unerwartet starken Jahresstarts: US-Wirtschaft schwächelt
Dax geht etwas schwächer ins Wochenende
Frankfurt/Main (dpa) - Der Dax hat sich am Freitag mit leichten Verlusten ins Wochenende verabschiedet. Gute Wachstumszahlen aus der US-Wirtschaft halfen ihm, sein Minus …
Dax geht etwas schwächer ins Wochenende
„Vanille-Krise“: Schreck für Eisfreunde
Vanille ist die Lieblings-Eissorte der Deutschen. Bald könnten den Eisjüngern aber schmerzhafte Veränderungen ins Haus stehen.
„Vanille-Krise“: Schreck für Eisfreunde
Wirtschaftsforscher verteidigen deutschen Handelsüberschuss gegenüber USA
Auf dem G7-Gipfel kritisierte Donald Trump scharf den deutschen Handelsüberschuss gegenüber der USA. Jetzt reagiert das Institut der deutschen Wirtschaft Köln mit einer …
Wirtschaftsforscher verteidigen deutschen Handelsüberschuss gegenüber USA

Kommentare