Strategiewechsel von O2 eröffnet Lidl Einstieg ins Handy-Geschäft

Neckarsulm/ München/ Hamburg - Der Lebensmitteldiscounter Lidl steigt ins Mobilfunkgeschäft ein. Eine Pressesprecherin des Unternehmens sagte am Dienstag auf Anfrage, dass das Unternehmen am kommenden Montag mit einer vorausbezahlten Karte (Prepaid-Karte) an den Markt gehen werde.

Damit bestätigte sie zugleich einen Bericht der "Bild"-Zeitung vom Dienstag. Angaben über Preise wollte die Lidl- Sprecherin nicht machen. Der Discounter folgt damit seinem Rivalen Aldi, der bereits seit Dezember 2005 Mobilfunkverträge vertreibt.

Nach Angaben aus Branchenkreisen wird Lidl einen Handy-Tarif mit einem Minutenpreis von 9,9 Cent für Anrufe in alle Netze anbieten. Partner sei die Billigmarke Fonic, die der Mobilfunk-Anbieter O2 diese Woche auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin starten will.

Der Einstieg von Lidl war lange erwartet worden, da neben Aldi auch Rewe und Plus Handy-Verträge anbieten. Frühere Gespräche mit den Netzbetreibern waren allerdings gescheitert - die Unternehmen wollten der Einzelhandelskette keinen Minutenpreis von unter zehn Cent gewähren. Sie befürchteten Verluste, da alleine schon für Gespräche in das Mobilfunknetz rund neun Cent an Kosten anfallen.

Erst ein Strategiewechsel bei O2, dem nach Kundenzahl kleinsten Mobilfunk-Anbieter in Deutschland, habe die Tür für eine Kooperation mit Lidl geöffnet, sagte eine mit den Vorgängen vertraute Person. Der spanische Mutterkonzern Telefónica hatte seiner deutschen Tochter nach einem Gewinnrückgang in den vergangenen Quartalen einen massiven Sparkurs verordnet, der langjährige Deutschland-Chef Rudolf Gröger musste gehen. Gröger hatte O2 zu einer Qualitätsmarke gemacht, die sich vor allem auf umsatzstarke Kunden fokussierte.

Mit dem vor knapp zwei Jahren vom Rivalen E-Plus eingeläuteten Preiskampf kam O2 aber unter Druck. Dank der eigenen Billigmarke Simyo und der Kooperation mit Aldi vergrößerte E-Plus den Abstand zu O2. Laut Angaben aus Unternehmenskreisen kommt "Aldi Talk" auf weit über eine Million Kunden. Der Erfolg weckt Begehrlichkeiten und so gründete die Deutsche Telekom mit Congstar bereits einen Billigableger. O2 folgt nun mit Fonic.

Zusätzlichen Druck will auch der Konkurrent blau.de aufbauen, der als erster Mobilfunk-Billiganbieter einen Pauschaltarif einführen will. "Wir wollen Ende September oder Anfang Oktober eine Flatrate auf den Markt bringen - zunächst nur für das Festnetz", sagte blau.de-Chef Martin Ostermayer in Hamburg der Finanz- Nachrichtenagentur dpa-AFX. Er deutete an, dass sich der neue Tarif an den Preisen der E-Plus-Zweitmarke Base orientieren könnte. Base veranschlagt für seinen Festnetz-Pauschaltarif 15 Euro monatlich. Eine Flatrate in alle Netze macht aus Sicht von Ostermayer derzeit wenig Sinn: "Unsere Kunden sind nicht bereit, 60 bis 70 Euro für eine Flatrate für alle Netze zu zahlen."

Mit der Ausweitung der Produktpalette will der blau.de-Gründer die Rentabilität der Hamburger Gesellschaft stärken. "Wir versprechen uns von der Flatrate zwei Dinge: Zum einen wollen von dem Wachstumstrend Flatrate profitieren und zum anderen Vieltelefonierer für blau.de gewinnen." Ostermayer äußerte sich zufrieden über die Geschäftsentwicklung: "Im ersten Halbjahr haben wir so viele Kunden gewonnen wie im gesamten Jahr 2006." Mittlerweile nutzen rund 600 000 Kunden die Dienste von blau.de. "Wir wollen nun schnell die Million- Grenze knacken."

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