Strauss-Kahn soll heute freikommen - Kaution hinterlegt

New York - Die Grand Jury hat alle Anklagepunkte gegen Ex-IWF-Chef Strauss-Kahn bestätigt. Jetzt kommt er gegen eine Kaution von einer Million Dollar frei. Doch seine Freiheit wird durch harte Auflagen eingeschränkt.

Elektronische Fußfesseln, Kameras in der Wohnung und bewaffnete Sicherheitskräfte vor der Tür: Das sind die Auflagen, die der ehemals mächtigste Finanzier der Welt für seine Freiheit akzeptiert hat. Auch einer Mega-Kaution im Gesamtwert von sechs Millionen Dollar stimmte Dominique Strauss-Kahn zu, um der New Yorker Gefangeneninsel Rikers Island schnellstens zu entkommen. Am Freitagmorgen war nach CNN-Angaben die geforderte Barsumme von einer Million Dollar (700 000 Euro) bereits hinterlegt. Die Anwälte des 62-Jährigen und die Staatsanwaltschaft wurden am Nachmittag allerdings noch zu weiteren Gesprächen vor Gericht erwartet, Strauss-Kahn kam vorerst nicht auf freien Fuß.

Wenige Stunden zuvor musste sich der ehemalige Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) noch die Standpauke von Richter Michael Ogus gefallen lassen. Schon beim “kleinsten“ Verstoß müsse er zurück hinter Gitter, sagte Ogus. Noch härter waren die Worte des New Yorker Staatsanwalts: Strauss-Kahn “hat eine Neigung zu impulsivem kriminellem Verhalten“, erklärte John McConnell und warnte vor der Freilassung des 62-Jährigen.

Richter Michael Obus erklärte, er wolle sicherstellen, “dass niemand freigelassen wird, bevor alle Bedingungen erfüllt sind“. Einer der Anwälte Strauss-Kahns, Marc Agnifilo, sagte dem Richter, es seien “bestimmte Komplikationen aufgetreten“. Nähere Einzelheiten nannte er nicht. Zugleich kursierten Bericht, wonach Strauss-Kahn in der von seiner Ehefrau gemieteten Wohnung nicht erwünscht sei. Dort soll der Franzose unter Hausarrest stehen und elektronisch überwacht werden.

Wie lange der Hausarrest unter bewaffneter Aufsicht dauern wird, ist ungewiss. Schon am 6. Juni soll ihm die Anklage vor Gericht verlesen werden. Der Sensationsprozess wegen versuchter Vergewaltigung könnte etwa ein halbes Jahr später folgen, schrieben US-Medien am Freitag. Strauss-Kahn drohen 25 und mehr Jahre Gefängnis. Er weist alle Vorwürfe zurück.

Die Affaire Strauss-Kahn: Ein Sex-Krimi in Bildern

Die Affäre Strauss-Kahn: Ein Sex-Krimi in Bildern 

Lesen Sie dazu auch:

Strauss-Kahn kommt vorerst frei

Strauss-Kahn will für eine Million Freiheit

Übergangslösung für IWF-Chef gefordert

Strauss-Kahn-Affäre: Bruder von Sex-Opfer spricht

Doch das Leben des mutmaßlichen Sextäters wird auch in Freiheit nicht frei sein. Eine Sicherheitsfirma ist beauftragt, den Franzosen ständig zu begleiten - bewaffnet. Die Männer sollen jeden Schritt, jeden Besucher, jede Bewegung protokollieren. Nach Angaben von CNN darf Strauss-Kahn die Wohnung nur für Gerichtstermine und zur religiösen Andacht verlassen. Seine Anwälte hatten sich am Freitagmorgen noch einmal mit der New Yorker Justiz zusammengesetzt, um Bedingungen wie die erlaubte Anzahl von Besuchern und “Ausflüge“ aus der von seiner Frau gemieteten Wohnung festzulegen.

Die Staatsanwaltschaft erklärte am Donnerstag, die Beweise gegen ihn seien erheblich. Mit jedem Tag der Ermittlungen kämen neue hinzu. Man habe es mit einem Mann zu tun, der gemessen an seinem Betragen in diesem Fall, zu kriminellen Impulsivhandlungen neige. Mittlerweile wurde offiziell Anklage gegen Strauss-Kahn erhoben, aber noch kein Prozesstermin festgelegt.

Größter Medienauflauf seit 1980

Strauss-Kahn erschien zum Gerichtstermin in einem grauen Anzug und einem offenen, blauen Hemd. Als er den Gerichtssaal betrat, drehte er sich kurz um, um seiner Frau und Tochter zuzulächeln, die auf der Empore Platz genommen hatten. Vor dem Gerichtssaal drängten sich die Reporter. Einem Gerichtssprecher zufolge war es der größte Medienauflauf in einem Gericht seit 1980, als Mark David Chapman nach der Ermordung von John Lennon festgenommen worden war.

Strauss-Kahn wurde am Samstag festgenommen und sitzt seit Montag wegen des Vorwurfs eines sexuellen Angriffs auf ein Zimmermädchen auf der Gefängnisinsel Rikers Island ein. Die 32-Jährige hat ihn beschuldigt, sie zum Oralsex gezwungen zu haben. Strauss-Kahn hat die Vorwürfe zurückgewiesen. Er trat am Mittwoch als Chef des Internationalen Währungsfonds zurück.

Wer den freigewordenen Posten besetzen soll, darüber streiten sich die Länder nun. Europa beharrt auf einem europäischen Kandidaten, wie es traditionell der Fall ist. China und Brasilien wollen einen Kandidaten aus den Schwellenländern. Die USA haben einen “offenen Prozess“ gefordert, aber noch keinen Kandidaten benannt.

dpa/dapd

Rubriklistenbild: © ap

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Streit um Roboterwagen-Technik: Alphabet-Tochter verklagt Uber
Mountain View - Bahnt sich im Wettlauf um die Entwicklung selbstfahrender Autos eine Welle von Klagen an? Mit der Google-Schwester Waymo wirft nun schon die zweite Firma …
Streit um Roboterwagen-Technik: Alphabet-Tochter verklagt Uber
Betriebsräte wollen vor Opel-Verkauf Allianz schmieden
Rüsselsheim (dpa) - Die Betriebsräte von Opel/Vauxhall wollen gemeinsam mit ihren Kollegen bei PSA für gute Bedingungen bei der geplanten Übernahme des Auto-Herstellers …
Betriebsräte wollen vor Opel-Verkauf Allianz schmieden
Kommentar zu Krankenkassen: Stabile Zusatzbeiträge 
Die Krankenkassen melden einen Überschuss von 1,4 Milliarden Euro. Die Auswirkungen für die Versicherten kommentiert Sebastian Horsch, Redakteur des Münchner Merkur.
Kommentar zu Krankenkassen: Stabile Zusatzbeiträge 
Volkswagen vor Reform des Vergütungssystems für Top-Manager
Die VW-Führungsspitze soll künftig weniger verdienen. Darüber berät der Aufsichtsrat. Auch Audi-Chef Stadler und dessen Rolle im Dieselskandal dürfte ein Thema werden - …
Volkswagen vor Reform des Vergütungssystems für Top-Manager

Kommentare