Streckenziel Börse: Wie viel Druck verträgt die Bahn?

- Berlin - Die Deutsche Bahn soll nach Ansicht ihres Chefs Hartmut Mehdorn an die Börse. Und dafür sind ihr viele Mittel recht. Vielleicht zu viele - mancher befürchtet, dass die Bahn dem Ziel Börse mehr unterordnet, als sie und ihre Kunden vertragen.

<P>Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) hat Bahnchef Hartmut Mehdorn eindringlich vor einem "riskanten" Börsenkurs zu Lasten der Fahrgäste gewarnt. Um den bundeseigenen Konzern für Aktionäre attraktiver zu machen, wolle der Vorstand "auf Biegen und Brechen" in die Gewinnzone fahren, schrieb Trittin in einem Beitrag für die "Bild am Sonntag" mit Blick auf mögliche Preiserhöhungen. "Am Ende könnte eine finanziell sanierte Bahn stehen, der die Kunden davonlaufen."<BR><BR>Mehdorn bekräftigte derweil seine Pläne für eine Teilprivatisierung mitsamt des Gleisnetzes und wies ablehnende Stimmen der Wirtschaft scharf zurück. "Ohne Netz wird es keinen Börsengang der Bahn geben", sagte Mehdorn der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".<BR><BR>Für die in diesem Jahr angestrebte schwarze Null in der Bilanz steuere die Bahn einen "riskanten Kurs", schrieb Trittin. Statt mit womöglich höheren Ticketpreisen die Weichen in die falsche Richtung zu stellen, sollten Kunden in die Züge gelockt werden. "Mehr Service, mehr Pünktlichkeit, einfache Tarife: Das sind die Mittel, um die Bahn in Deutschland attraktiver zu machen. Für die eigenen Kunden - und zukünftige Aktionäre." Der Minister kritisierte, dass die Bahn wegen gestiegener Energiekosten Preiserhöhungen ins Auge fasst. Dies sei "zurzeit in Mode". Diese Kosten machten aber nur einen Bruchteil der Gesamtkosten aus. Beschlüsse hat die Bahn bisher nicht getroffen.<BR><BR>In der Debatte um die Modalitäten einer Teilprivatisierung unterstrich Mehdorn, es gebe keine profitable und kundennahe Bahn, bei der Netz und Betrieb getrennt seien. Die Schienenanlagen dem Staat zurückzugeben, könne nicht gut gehen. "Der Staat vernachlässigt das Netz auf lange Sicht, weil das Geld zum Unterhalt fehlt." Scharf griff er den Bundesverband der Deutschen Industrie und den Deutschen Industrie- und Handelskammertag an. Sie warnen wie Verkehrspolitiker des Bundestags vor einem übereilten Börsengang und bevorzugen eine Abtrennung des Netzes. "Der Börsengang der Bahn geht die Verbände gar nichts an", sagte Mehdorn. Er strebt den Gang an den Kapitalmarkt möglichst schon 2006 an. Die Entscheidung darüber liegt beim Bund.<BR><BR>Die sommerlichen Sonderaktionen mit Billigtickets ab 29 Euro haben die Nachfrage in ICE und Intercity unterdessen belebt. Die Auslastung der Fernzüge sei auch dadurch im Juli auf 42,9 Prozent gestiegen, nachdem es ein Jahr zuvor 39,9 Prozent gewesen seien. Auch im August sei die Quote besser gewesen, sagte ein Sprecher dem "Tagesspiegel am Sonntag". Die Speisewagen, die eigentlich ausrangiert werden sollten, machten inzwischen ebenfalls mehr Umsatz.<BR><BR>Die Bundesregierung verlangt von der Bahn AG mehr Transparenz und vertrauensbildende Maßnahmen gegenüber der Politik und den Kunden. Voraussetzung für die Börsenfähigkeit sei, in allen Bereichen mehr Qualität zu schaffen, nicht nur beim Betriebsergebnis, erklärten Regierungskreise. Sie lobten zugleich aber die Konsequenz, mit der der Bahnvorstand den Sparkurs durchziehe. Entscheidend für die finanziellen Eckdaten sei die in den nächsten Wochen zu überarbeitende Mittelfristplanung.<BR><BR>Anerkannt wurde, dass die Bahn "beeindruckende Anstrengungen" unternehme, auf Börsenkurs zu kommen. Stärkeres Gewicht als bisher müsse auf die Transparenz der Schritte gegenüber dem Parlament, also dem "Aufsichtsrat der Regierung", und gegenüber den Kunden gelegt werden.</P>

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