Streichliste: So holen Sie das meiste für sich heraus

- München - Die Sparliste der Berliner Koalition ist lang. Bereits zum Jahreswechsel sollen etliche Gesetzesänderungen in Kraft treten, andere Ende nächsten Jahres - von der Streichung der Eigenheimzulage bis zur Kürzung des Sparerfreibetrags und der Pendlerpauschale. Wer rechtzeitig handelt, spart viel Geld.

Abfindungen

Für Abfindungen, die der gekündigte Arbeitnehmer vom Unternehmen erhält, soll es ab 2006 keinen Freibetrag mehr geben. Bislang lag der Freibetrag je nach Alter und Dauer der Betriebszugehörigkeit zwischen 7200 und 11 000 Euro. Als Basiswert sind 7200 Euro steuerfrei - wobei Alter und Betriebszugehörigkeit keine Rolle spielen. 9000 Euro sind steuerfrei für alle ab 50 Jahre, die mindestens 15 Jahre im Betrieb waren. 11 000 Euro Steuerfreibetrag haben alle ab 55, die mindestens 20 Jahre in der Firma waren.

 Was tun? Abfindungsverträge und -zahlungen sollten bis Jahresende unter Dach und Fach sein, wenn der Arbeitnehmer die Firma ohnehin bald verlassen will, rät der Bund der Steuerzahler.

Arbeitslosengeld II

Für Antragsteller in eheähnlichen Lebensverhältnissen soll es ab 2006 neue Regeln geben. Für unter 25-Jährige soll es generell keinen eigenständigen Anspruch auf Arbeitslosengeld II mehr geben. Sie sollen in die Bedarfsgemeinschaft mit ihren Eltern eingerechnet werden. Die Möglichkeit, sich mit einer "Ich-AG" selbstständig zu machen, soll Mitte 2006 auslaufen. Ab 1. Juli 2006 sollen das bisherige Überbrückungsgeld und die "Ich-AG" von einer neuen Subvention für Existenzgründer abgelöst werden. Details stehen noch nicht fest.

 Was tun? Unabhängige Beratung geben Arbeitslosenhilfezentren und ähnliche Stellen.

Arbeitszimmer

Aufwendungen für häusliche Arbeitszimmer werden ab 1. Juli 2007 steuerlich nicht mehr anerkannt. Ausnahme: Das Zimmer ist "Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit".

Was tun? Freiberufler und Selbstständige ohne regen Kundenbesuch können ihre Berufstätigkeit eventuell ganz von zu Hause aus ausüben. Ansonsten: konkreten Gesetzestext abwarten.

Tipp des Steuerzahlerbundes: Arbeitsmittel wie PC und Drucker, Schreibtisch und so weiter kann man weiter absetzen.

Dienstwagen

Geplant: Wer einen Dienstwagen auch privat nutzt, soll dafür höhere Steuern zahlen, wenn das Fahrzeug zu mehr als 50 Prozent privat genutzt wird. Details stehen noch nicht fest.

Was tun? Zur Not Fahrtenbuch führen und nachweisen, dass der private Anteil an den gefahrenen Kilometern unter 50 Prozent liegt.

Eigenheimzulage

Geplant: Für Neufälle wird die Zulage zum 1. Januar 2006 komplett abgeschafft. Nicht betroffen sind alle, die bereits Eigenheimzulage bekommen. Sie erhalten die Förderung bis zum Ende des Förderzeitraums unverändert weiter.

Was tun? Bis 31.12.2005 Bauantrag beim zuständigen Bauamt stellen oder notariellen Kaufvertrag über den Kauf einer Gebrauchtimmobilie abschließen. Ein Grundstückskauf, ein Architektenvertrag oder ein Vertrag mit dem Bauträger allein genügen nicht. Rechtzeitig klären, welche Unterlagen für den Bauantrag zwingend sind.

Hilfen im Haus

Die Möglichkeit, "haushaltsnahe Dienstleistungen" von der Steuer abzusetzen, wird ab 1. Januar 2006 ausgebaut (siehe Geld & Markt). Dann können auch Erhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen im Haushalt abgesetzt werden. Dazu zählen vor allem Handwerkerarbeiten. Die Höhe steht noch nicht fest. Bislang ist das auf "haushaltsnahe Dienstleistungen" in den Bereichen Haushalt, Garten und Kinderbetreuung beschränkt.

Was tun? Reparaturen, die nicht drängen, auf nächstes Jahr verschieben.

Heirat und Geburt

Der Freibetrag für Heirats- und Geburtsbeihilfen entfällt zum Jahresende 2005. Bislang sind 315 Euro Beihilfen des Arbeitgebers steuerfrei. Bei der Geburtshilfe ist zu beachten, dass sie innerhalb von drei Monaten vor oder nach der Geburt des Kindes gegeben wird. Arbeiten beide Eltern beim gleichen Arbeitgeber, steht der Betrag - aus steuerlicher Sicht - jedem Elternteil zu.

Was tun? Der Firma Heirat oder Geburt eines eigenen Kindes umgehend melden.

Kündigungsschutz

Bei Betrieben ab einer bestimmten Größe gilt der Kündigungsschutz erst nach zwei Jahren. Zugleich dürfen Arbeitsverhältnisse ohne sachliche Gründe nicht mehr auf 24 Monate befristet werden.

Was tun? Neuen Arbeitsvertrag möglichst vor der Änderung unterschreiben, dann gilt Bestandsschutz.

Mehrwertsteuer

Zum 1. Januar 2007 soll die Mehrwertsteuer um drei Punkte von 16 auf 19 Prozent steigen. Der ermäßigte Mehrwertsteuersatz für Nahrungsmittel, Bücher, Zeitungen, Fahrten im ÖPNV u.a. (sieben Prozent) soll nicht steigen. Ein Pkw, der bisher 30 000 Euro kostet, verteuert sich dann um 775,86 Euro. Einen Großteil werden Hersteller und Handel an Verbraucher weitergeben.

Was tun? Größere Anschaffungen wie die eines neuen Hauses oder eines Autos sollten vorgezogen werden.

Zweiter Teil folgt.

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