HVB streicht bis zu 2400 Stellen: Bayern trifft es am schlimmsten

- München - Bis zu 2400 Stellen weg, milliardenteure faule Kredite, blutrote Zahlen, keine Dividende: Die HypoVereinsbank präsentierte nicht gerade die Zutaten, aus denen Anlegerträume gemacht werden. Und dennoch stapelten sich gestern zu Beginn des Börsenhandels die Kaufaufträge für die Aktie der HVB. Die meisten Anleger glauben offenbar Vorstandschef Dieter Rampl, der davon ausgeht, dass "nach menschlichem Ermessen" die Immobilienaltlasten nun endgültig bereinigt sind.

<P>Doch zunächst einmal wird es bitter für 2200 bis 2400 Mitarbeiter der zweitgrößten deutschen Bank. So viele Arbeitsplätze sollen abgebaut werden - so weit wie möglich sozialverträglich, notfalls aber auch per betriebsbedingter Kündigung, sagte Rampl, der betonte, wie schwer ihm diese Entscheidung gefallen sei. Am schlimmsten wird es Bayern treffen und hier vor allem München. Denn abgebaut wird in der Zentralverwaltung und in anderen Bereichen, die nicht unmittelbar mit Kunden und Vertrieb zu tun haben.<BR><BR>Etwa zwei Drittel des Stellenabbaus werden auf Bayern entfallen, schätzt Aufsichtsrat Klaus Grünewald, der die Gewerkschaft Verdi vertritt. Derzeit hat die HypoVereinsbank noch 26 300 Arbeitsplätze im Inland. Jetzt soll jeder zehnte Arbeitsplatz wegfallen. Mit "Verschlankung von vertriebsfernen Bereichen" meint Rampl aber nicht nur Stellenabbau, sondern auch andere konstensenkende Maßnahmen. Das könnte auch die Ausgliederung von Zahlungsverkehr und Wertpapierabwicklung umfassen. Insgesamt sollen durch das Paket, das sich "Pro" (für Prozess-Redesign und Optimierung) nennt, ab 2007 jedes Jahr 280 Millionen Euro eingespart werden, 55 Millionen Euro Sachkosten weniger sollen sich schon im laufenden Jahr positiv in der Bilanz bemerkbar machen.<BR><BR>Überhaupt zeigt sich Vorstandschef Rampl für die Zukunft zuversichtlich. Nachdem in den vergangenen drei Jahren zusammen nahezu sechs Milliarden Euro versenkt wurden (allein 2004 lag der Verlust bei 2,3 Milliarden Euro), soll dieses Jahr wieder ein deutlicher Gewinn herausschauen. Die Zahlen des vierten Quartals 2004 geben durchaus Anlass zu dieser Zuversicht. Das Betriebsergebnis hatte sich gegenüber dem dritten Quartal mit 491 Millionen Euro fast verdoppelt. Auch aufs Gesamtjahr gesehen machte die Bank 2004 operativ große Fortschritte. So stieg das Betriebsergebnis um 55 Prozent auf 1,389 Milliarden Euro, womit die HVB fast noch ihren eigenen (zuvor schon zurückgenommenen) Zielkorridor von 1,4 bis 1,7 Milliarden Euro getroffen hätte. Diese positive Überraschung - Rampl hatte die Kapitalmärkte noch im November auf schlechtere Zahlen eingestimmt - sorgte dafür, dass die HypoVereinsbank-Aktie gestern in der Spitze um fast sechs Prozent auf 17,85 Euro zulegte.<BR><BR>Aktionärsvertreter pendeln indes zwischen Glauben und Unglauben. Die Bayern-Vorsitzende der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz, Daniela Bergdolt, sagte, die Immobilienrisiken, die jetzt zu einer Sonderwertberichtigung von 2,5 Milliarden Euro zwangen, "hängen wie ein Betonstein an den Füßen". Das operative Geschäft sei aber nicht schlecht gelaufen. Ähnlich urteilt Sanjay Oberroi, Banken-Analyst bei Union Investment. Er glaubt indes nicht, dass mit der 2,5-Milliarden-Wertberichtigung das faule Kreditgeschäft endgültig bereinigt ist. Auch müsse man erst einmal das Urteil der Rating-Agenturen abwarten. Erst dann werde sich zeigen, ob die HypoVereinsbank tatsächlich ohne weitere Kapitalerhöhung zurecht kommt, wie Rampl versichert hatte.</P>

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