Streik bei Infineon

- München - Im Streit über die drohende Schließung des Infineon-Werks in München-Perlach haben die IG Metall und der Chipkonzern am zweiten Streiktag Verhandlungsbereitschaft signalisiert. Bayerns IG-Metall-Chef Werner Neugebauer sagte am Dienstag in München, er habe dem Metall-Arbeitgeberverband und dem Unternehmen ein Gespräch für diesen Mittwoch vorgeschlagen.

Dabei soll ausgelotet werden, ob eine Wiederaufnahme der Verhandlungen Sinn habe. Ein Infineon-Sprecher reagierte positiv: "Wir sind kompromissund jederzeit verhandlungsbereit." Allerdings erwirkte das Unternehmen beim Amtsgericht München eine Einstweilige Verfügung gegen die Gewerkschaft, um Mitarbeitern freien Zugang zum Gelände zu ermöglichen.

Gewerkschaftsmitglieder hätten sich seit Beginn des Ausstands teils "immer wieder grob rechtswidrig verhalten", kritisierte Infineon-Manager Reinhard Ploss. "Arbeitswillige sind durch Anspucken, Pöbeleien und Beleidigungen eingeschüchtert und teilweise mit körperlicher Gewalt vom Zutritt zum Werksgelände abgehalten worden." Das Gericht habe die Auffassung geteilt, dass die Streikenden hier Rechtsbruch begingen.

Infineon will das Werk mit 800 Beschäftigten Anfang 2007 schließen. Die IG Metall hatte daher am Montag einen unbefristeten Streik begonnen, um einen Sozialtarifvertrag mit höheren Abfindungen und einer Beschäftigungsgesellschaft durchzusetzen. Auch am Dienstag versammelten sich mehrere hundert Protestierende vor den Werkstoren. Nach Angaben der Gewerkschaft ruhte die Produktion weiterhin vollständig. Infineon äußerte sich nicht konkret zu der Frage, ob in dem Werk noch produziert wurde. Man werde grundsätzlich eine Mindestproduktion in dem betroffenen Werk aufrechterhalten, sagte der Infineon-Sprecher.

Bei der Einrichtung einer Beschäftigungsgesellschaft ist nach Einschätzung beider Seiten ein Kompromiss möglich. Die IG Metall will eine solche Auffanggesellschaft für fünf Jahre, Infineon strebt bisher ein Jahr an. Bei der Höhe der Abfindungen sind die Parteien noch weiter auseinander. Die Gewerkschaft will drei Bruttomonatsgehälter pro Jahr der Betriebszugehörigkeit, Infineon hat dem Vernehmen nach ein Zehntel davon geboten. "Die Forderungen der IG Metall sind fünf bis sechs Mal so hoch wie üblich", sagte der Konzernsprecher. Infineon liege mit dem bisher vorgeschlagenen Maßnahmenpaket bereits über den Leistungen, die in vergleichbaren Fällen angeboten würden.

Neugebauer bekräftigte, dass der Streik nach Einschätzung der Gewerkschaft legitim ist. Forderungen wie die nach einer fünfjährigen Qualifizierungsgesellschaft bei Infineon seien in keinem Tarifvertrag geregelt. Es sei daher durchaus rechtmäßig, diese zum Verhandlungsgegenstand zu machen und notfalls mit einem Streik Druck für die Durchsetzung zu machen. Die Metall-Arbeitgeber hatten am Vortag erklärt, der Streik sei rechtswidrig, da während der Laufzeit eines Tarifvertrags Friedenspflicht herrsche.

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