Streik bei Infineon

- München - Die IG Metall hat mit einem unbefristeten Streik und einer Blockade der Werkstore die Produktion in dem von Schließung bedrohten Infineon-Werk München-Perlach am Montag lahm gelegt. "Wir sind sehr zufrieden mit dem ersten Tag, die Produktion steht still", sagte Streikführer Michael Leppek. In den früheren Morgenstunden sei es mehreren hundert Protestlern gelungen, drei Busse mit Streikbrechern von anderen Infineon-Standorten zu stoppen.

Am Nachmittag kam es zu einem Gerangel, als einige Beschäftigte unter Polizeischutz auf das Werksgelände gebracht werden sollten. Mehrere Dutzend Polizeibeamte waren im Einsatz. Der unbefristete Streik sollte auch am Dienstag fortgesetzt werden. Die IG Metall erwartet Busse mit Streik-Unterstützern aus anderen bayerischen Städten.

Die Gewerkschaftsmitglieder hatten in der vergangenen Woche in einer Urabstimmung zu fast 93 Prozent für den unbefristeten Streik gestimmt. Die IG Metall will wegen der geplanten Werksschließung Anfang 2007 einen Sozialtarifvertrag mit höheren Abfindungen und einer Beschäftigungsgesellschaft erreichen. Infineon betonte, dass an der Schließung des Werks nicht gerüttelt werde. "Wir lassen uns nicht erpressen", sagte Manager Reinhard Ploss. Die Blockade der Werkstore sei rechtswidrig. Der Konzern sei aber verhandlungsbereit, wenn die IG Metall sich bewege und von ihren Maximalforderungen abrücke.

Die Infineon-Führung hatte angekündigt, die Produktion in dem Werk mit 800 Beschäftigten trotz des Streiks fortführen zu wollen. Die IG Metall betonte am Nachmittag aber, in dem Werk sei am Montag definitiv nichts produziert worden. Infineon-Manager Ploss sagte dazu lediglich: "Unsere Kunden sind informiert, und wir werden eine Mindestproduktion grundsätzlich aufrechterhalten."

Infineon und die IG Metall hoffen auf einen kurzen Streik. Dazu müsse sich das Unternehmen aber deutlich bewegen, sagte der IG-Metall-Bevollmächtigte Harald Flassbeck bei einer Kundgebung in den frühen Morgenstunden. "Das bisherige Angebot von Infineon ist eine Zumutung." Dem Vernehmen nach hat der Chipkonzern unter anderem 0,3 Bruttomonatsgehälter Abfindung pro Jahr der Betriebszugehörigkeit geboten. Die IG Metall fordert das Zehnfache.

Als am frühen Morgen Busse auf das Werksgelände fahren wollten, war die Situation zeitweise angespannt. Die Protestierenden schrien und pfiffen und versuchten, die Zufahrt zu blockieren. Am Nachmittag nahm die Polizei wegen des Verdachs der Nötigung die Personalien von zwei Demonstranten auf. Der DGB rief zur Besonnenheit auf. "Das elementare Recht der Beschäftigten, um ihre Arbeitsplätze und beschäftigungspolitischen Ziele zu kämpfen, sollte nicht von Streikenden durch Übernahme der rüden Methoden der Geschäftsleitung in Misskredit gebracht werden", sagte Bayerns DGB-Chef Fritz Schösser. Der Gewerkschaftsbund unterstütze aber ausdrücklich die Arbeitskampfmaßnahmen und die Forderungen der Beschäftigten.

Nach Einschätzung der Metall-Arbeitgeber ist die Arbeitsniederlegung insgesamt rechtswidrig. Die Friedenspflicht schließe Arbeitskämpfe während der Laufzeit des Flächentarifvertrags aus, sagte Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer des Verbands der Bayerischen Metall- und Elektroindustrie.

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